Reisebericht Panama I 25.10.-22.11.2010
Nach einem Ausflug in die steuerfreie Einkaufszone Golfitos setzen wir uns in Bewegung in Richtung Canoas, der Grenze zu Panama. Eigentlich wollte Andreas in einen Kaufrausch verfallen, aber am Ende sind unverhofft ein Sandspiel für Anton und Sandalen für mich dabei herum gekommen. Der Grenzübertritt nach Panama ist bis auf eine ziemlich lange Wartezeit völlig unkompliziert und mittlerweile erledigt Andreas den P apierkram mit lässiger Selbstverständlichkeit. Dann eröffnet sich vor uns eine vierspurige Autobahn und Panama empfängt uns mit Straßen, die längst vergessene Geschwindigkeiten zulassen. Da werden Strecken wieder relativ und wir schaffen es pünktlich im Hellen David zu erreichen. Alles erscheint so amerikanisch, dass wir in alter Manier beschließen, am Shoppingcenter zu übernachten. Anton verbringt eine glückliche Zeit auf dem Spielplatz und wir bereiten so langsam unser Nachtlager vor. Wer hätte gedacht, das eine Jugend-Invasion der Region Chiriqui erfolgt und alle ausgerechnet hier, am Rummelplatz und im nahegelegenen Nachtclub die Nacht zum Unabhängigkeitstag verbringen wollen. Es verfolgt uns immer noch der Regen und so beschließen wir, so direkt es geht zur Hauptstadt zu fahren und dort auf Besserung zu hoffen. Einen Zwischenstopp halten wir in Santa Clara auf einem echten Trailerpark und ärgern uns über den Preis, die bunten Vögel in Käfigen und den Regen, der uns am nächsten Morgen wieder begrüßt. Nachdem sich die Panamericana wie ein Kaugummi ausgedehnt hat, fahren wir schnurstracks auf eine der größten Eisenbrücken der Welt zu und blicken das erste Mal in die Ausläufer des Panamakanals. Wie eine Klammer hält die Puente las Americas die beiden auseinandergerissenen Landesteile zusammen und unter uns ziehen riesige Frachtschiffe hindurch. Unser Übernachtungsplatz in Panama-Stadt ist zwar nicht der sauberste, aber wir haben einen genialen Blick
auf den Kanal und es gibt alle Notwendigkeiten inklusive Waschmaschinen für fast umsonst. Vor uns führt der Weg einer Art Erholungsgebiet entlang und alle Welt radelt, skatet und spaziert fröhlich den Kanal entlang. Wir lassen uns davon anstecken und leihen uns auf Empfehlung Fahrräder, um die Amador-Inselgruppe zu erkunden. Andreas wollte eigentlich nur zum Supermarkt und wird dazu vom netten Iren Barry, den wir im Balboa Yacht Club kennengelernt hatten, mitgenommen. Das ganze endet aber eher als Erkundungsfahrt und Andreas werden allerlei schöne Plätze in Panama Stadt gezeigt. Es tut gut, sich mal wieder auf zwei Rädern zu bewegen und nach all den Regentagen sieht heute der Himmel schon etwas freundlicher aus. Eine frische Brise begleitet über den Damm, der das Festland mit den Inseln und diese untereinander verbindet. Ursprünglich wurde er aufgeschüttet, um die Kanaleinfahrt ruhiger zu halten. Vor einigen Jahren hat man dann eine Art Ausflugsziel daraus gemacht, eine Reihe Restaurants und sogar einen Dutyfreeshop errichtet. Wir biegen lieber auf die kleinere Inselspitze Punta Culebra ab, die das Washingtoner Smithonian Institute - eine Meeresbiologische Forschungsstation - beherbergt. Hier kann man spazieren, Tiere im Freien und diversen Becken und Aquarien beobachten, sich bilden, Kinder im Spielbereich forschen und lernen lassen… . Wir verbringen eine fröhliche Zeit dort und müssen uns nun fast beeilen, die Räder pünktlich wieder abzugeben. Wir radeln noch bis zum Endpunkt der Straße und bewundern die Aussicht auf Panama-Stadt mit seiner kleinen Altstadtzunge und den sich dahinter wie Perlen
aufreihenden Bankgebäuden, die eine Art Manhattan-Kulisse bilden. Nach einem verspäteten Mittagsschlaf besuchen wir noch eine andere Art typischen Ausflugsort und stürzen uns kurzzeitig in den Rummel der größten hiesigen Shoppingmall. Wenn das mal keine Reizüberflutung ist?! Jetzt kann man sich fragen, ob es Glück oder Pech ist, dass so langsam alle Geschäfte schon schließen und Anton das Gros der Zeit Nutznießer des Ausflugs ist, indem er Karussell fährt, Eis schleckert und der Mall-Eisenbahn hinterherjubelt. Nur Andreas, der sich auf ein bisschen Schlendern gefreut hatte, ist etwas frustriert. Der nächste Morgen beginnt leider wieder mit Niesel, aber dem zum Trotz fahren wir in das noch sehr verschlafene Casco Viejo - die Altstadt. Wir spazieren durch einige der mühsam restaurierten Gassen, entdecken aber auch viel Heruntergekommenes und wundern uns über den grellbunten Kontrast, den die Kunafrauen (aus der San Blas Inselregion) mit ihren farbenfrohen Tüchern und Perlenbändern bilden. Mit der Zeit wird es trockener und die Sonne lässt alles gleich viel freundlicher erscheinen. Den Besuch des aufwendig gestalteten Kanalmuseums halten wir eher etwas oberflächlich, denn so viel Info kann Mensch gar nicht aufnehmen. Wir verlassen nach einem einfachen Mittagessen aus der Kantine die alte Stadt, um der neuen entgegenzufahren. Eine Weile tauchen wir ein in den Hochhausdschungel der Bankengebäude, die zum Großteil noch unvollendet sind. Erst ist alles gespenstig ruhig, dann tauchen wir auf an der Einkaufsstraße Avenida Espana, die uns schnell wieder verschwinden lässt. Großstadt -
laut, stinkig, unattraktiv. Wir bahnen uns einen Weg durch die gläsernen Straßen und landen in einem europäisch angehauchten Einkaufszentrum. Hier kann Anton die herzallerliebste Weihnachtsdekoration aus Nussknackern, Tannenbäumen und Pfefferkuchenhäuschen bewundern. Eine Spielzeugwelt aus Watte-Lichter-Rummel hält uns ein Weilchen gefangen und wir entdecken immer neue lustige Winterdetails. Vielleicht schaffen wir mit der Zeit ja für uns doch noch eine beschauliche (Vor-)Weihnachtsatmosphäre?! Am nächsten Tag verlassen wir die Hauptstadt, um nach wenigen Kilometern die Miraflores-Schleusen im Kanal zu besuchen. Schon Ende des 19.Jahrhunderts werden unter französischer Leitung 23 Mio.m³ Erde bewegt, unter den Amerikanern dann 177 Mio m³, um eine Rinne auf Meereshöhe auszuheben. Der erste Versuch scheitert sowohl aus finanziellen als auch vor allen aus gesundheitlichen Gründen. Ca.20.000 Menschen sterben infolge von Gelbfieber und anderen Tropenkrankheiten. Einige Jahre später wenden sich die USA an Kolumbien, dem das heutige Panama noch unterstand, um einen Vertrag zum Kanalbau und die Erklärung einer Zone mit politischem Sonderstatus abzuschließen. Als die Detailverhandlungen im Sand verlaufen, richten sich die Vereinigten Staaten direkt an Panama und unterstützt dieses tatkräftig in der Trennung von Kolumbien. Mit der Unabhängigkeit am 3.11.1903 und 40Mio Dollar kaufen die USA endgültig das Land und die Baurechte am Kanal. In der politischen Sonderzone entsteht eine Art amerikanischer Inselstaat mit eigenen Gesetzen, Steuersystemen, Briefmarken etc.. In
der Bauzeit bis 1914 gibt es viele Wechsel in der Führungsebene und erst gegen Ende wird dem Gesundheitssektor Aufmerksamkeit geschenkt. So werden den Arbeitern angenehmere Lebensgrundlagen geschaffen und man geht großflächig gegen Moskitos vor. Die großen Feierlichkeiten zur Kanaleröffnung gehen im ersten Weltkrieg unter. Erst 1999 geschieht, was Studentenrevolten schon 1963 mit "gringo, go home!" gefordert haben, die Verwaltung einer der größten menschlichen Leistungen geht endlich vollständig in die Hände Panamas über. Wir sind beeindruckt, wie viel Last so ein Schiff tragen kann und wie hier mit der Technik von vor einhundert Jahren gearbeitet wird. Vier bis sechs Lokomotiven stabilisieren und ziehen die Frachter durch die zwei langen Schleusenbecken während sich diese um einen Meter pro Minute mit Wasser füllen. Was da für Badewannen pro Tag den Kanal herunterfließen, ist kaum vorstellbar und es ist beruhigend zu wissen, dass Panamas Ökosystem stark genug ist den Rückfluss auszugleichen und zudem an einem neuen wassersparenden Schleusensystem gearbeitet wird. Ca. 38 Schiffe durchfahren in ca. 8-10h den Kanal pro Tag. Dabei wird morgens und mittags die Fahrrichtung gewechselt. Die Kosten berechnen sich anhand der Größe und Ladung. Das bisher größte und damit teuerste Passagierschiff auf den 81,6km war das "Loveboat":). Trotz wechselhaftem Wetter setzen wir unseren Entschluss um und machen uns auf den Weg an die Karibikküste. Die Straße führt durch mehrere Nationalparks und man kann sich bei den schmalen Straßen richtig vorstellen, wie die Arbeiter damals gegen die Natur gekämpft
haben, um den Weg für die Schiffswelt frei zu machen. Als wir am Nachmittag die Küste erreichen, regnet es sich so langsam richtig ein, was es uns noch schwerer macht, einen passenden Schlafplatz zu finden. Wie einst die Spanier und Piraten irren wir von Ort zu Ort bis nach Portobelo - was bei Sonnenschein sicher einladender ist. Aussichtslos, wir finden keinen Platz! Als es dann Bindfäden regnet fällt uns einfach keine andere Lösung mehr ein, als den nassen Strand zu vergessen und wieder in den sicheren Hafen von Panama-Stadt zurück zu fahren. Was für ein Ausflug?! So treten wir früher als gedacht, den Weg nach Norden wieder an und damit beginnt für uns eine Art neue Zeitrechnung - der Rückweg. Die erste Fahrt ist bereits recht schnell beendet. Wir suchen Quartier im angenehm kühlen Kraterkessel von El Valle. Leider regnet es mal wieder. Der nächste Morgen hält aber Sonne für uns bereit, so dass wir in der Umgebung Felszeichnungen (Herkunft und Zeit immer noch unbekannt) und Wasserfälle bestaunen können. Auf dem Markt erstehen wir zu Erinnerung doch noch einen der bunten Kunastoffe, bevor wir zurück an die Küste fahren. Wieder in Santa Clara, nur diesmal günstiger und direkt am Meer, verbringen wir gleich zwei sonnige Faultiertage. Es tut so gut, mal wieder durchgehend Licht und Wärme zu haben, einfach nur im Sand zu buddeln und
die Füße ins Meer zu stecken. Für lausige 1,5US$ ersteht Andreas einen riesigen Thunfisch, den er in Großstadtindianer-Manier auf einem Feuer für uns zubereitet. Einer der beiden Tage ist ein Feiertag, was zu erhöhtem Strandbesuch, ordentlich lauter Musik und einer Menge liegenbleibendem Müll führt. In unserem großen Strandzelt schotten wir uns davon ausreichend ab und beobachten das Treiben aus angenehmem Abstand. Nach dieser Sonnentankung soll es weiter in den Norden gehen. Da aber einige Kilometer vor uns liegen, entscheiden wir uns während der Fahrt, erneut Zwischenstation in David zu machen, bevor es über die Cordillera an die Karibik weiter geht. Da wir wissen, was wir daran haben, übernachten wir wieder vor dem Einkaufszentrum. Nach der langen Fahrt kann sich Anton auf dem Spielplatz nochmal so richtig austoben und weil alles so schön funkelt und leuchtet ein Fahrgeschäft auf dem Rummelplatz auswählen. Bevor wir zum Inselarchipel fahren, sollen am nächsten Morgen in einer Werkstatt nur schnell die Räder gegeneinander getauscht und Öl sowie Bremsflüssigkeit gewechselt werden. Offensichtlich hat man den Azubi auf uns angesetzt, der sage und schreibe 5h herum werkelt und dabei noch das Gewinde der Ölfilterschraube zerstört - ein hier unersetzbares Teil. Der Meister bügelt das mit Schweißperlen auf der Stirn und viel Glück wieder aus und Andreas macht drei Kreuze, als wir den Laden verlassen. Einen Reifen, sowie ein neues Ventil haben wir eingebüßt. Dafür
sind die Vorderräder gewuchtet - was für ein unbekannter Luxus! Auf an die sonnige Karibik…dachten wir, denn auf dem Weg in die Berge fängt es nicht nur an dunkel und nebelig zu werden, sondern auch der Regen holt uns mal wieder ein. Wir überwinden die Höhen und fahren doch noch bis in die Dunkelheit nach Almirante - wieder eine dieser rauen Bananenhafenstädte. Verregnet stellen wir den Bus am nächsten Morgen auf einem bewachten Parkplatz und setzen uns ins ungemütliche Boot zu der Inselgruppe, auf der auch Kolumbus schon Station gemacht hat. Nach einem kurzen Zwischenstopp auf der Hauptinsel Colon erreichen wir mit einem weiteren Boot Bastimentos, einen weitaus ursprünglicheren Ort. Im örtlichen Hostel tröstet uns das Gelb der Wände und der Ausblick in das durch und durch karibische Dorf über die fehlende Sonne. Dennoch müssen wir einen kompletten Regentag hier verbringen. Für Anton ist genug Platz zum Spielen und Herumspringen. Wir sind allerdings nach weniger Zeit schon etwas angestrengt von den verschiedenen Marotten der anderen Hostelbewohner. Wenigstens komme ich mal wieder dazu in einem Buch zu lesen, was einen ungeheuren Erholungswert mit sich bringt. Andreas kämpft vor allem mit einer anständigen Erkältung. Die versprochene Wetteränderung erfolgt zum Glück am nächsten Morgen,
so dass wir nach einem einheimischen Frühstück unsere Rucksäcke packen und uns auf eine kleine Wanderung machen können. Erstes Ziel ist der Wizzard-Strand, ein einsames wunderschönes Fleckchen Erde mit einer ordentlichen Surferwelle und viel Sand. Der Weg führt hinter dem Dorf über einen Hügel immer durch den dichten Dschungelwald. Nach dem Regen ist die Erde häufig schon ganz gut aufgeweicht. Das bekommen wir auf dem nächsten Teil der Wanderung noch deutlicher zu spüren. Doch zunächst verweilen wir im Schatten und Anton buddelt und hoppst fröhlich durch die Wellen. Mittlerweile hat sich der Amerikaner Chris zu uns gesellt, der nach mehreren Fehlversuchen den schlammigen Weg lieber ganz ohne Schuhe statt in Flipflops läuft. Durch Wald und Uferböschung bahnen wir uns den Weg zum Red-Frog-Strand. Die andernorts als Pfeilgiftfrösche bekannten Tiere, leben hier auch im Sand. Wir treffen bereits einige im Wald und sind deshalb nicht so verärgert, dass der Wind sie heute vom Strand eher fernhält. Nachdem wir die Einsamkeit und Ursprünglichkeit des Weges so genossen haben, sind wir etwas überrascht von den mit Booten herangefahrenen Touristen und dem anliegenden Resort. Wir halten uns etwas abseits und gönnen uns lediglich einen überteuerten schlechten Snack. Tapfer laufen wir den Abenteurerpfad auch wieder zurück, während Anton versucht im Tragerucksack zu schlafen. Pünktlich vor dem Regen sind wir wieder zurück und geschafft und zufrieden mit
unserem Inseltag. Der Italiener wird zu unserem Stammlokal und abends sitzen wir noch mit unseren Mitbewohnern bei einem kühlen Bier beisammen. Wir reisen am nächsten Morgen recht zeitig wieder ab und frühstücken auf der Hauptinsel in Bocas. So mitten im touristischen Treiben sind wir froh, auf der kleinen Insel gewesen zu sein. Eigentlich soll die Fahrt über die Berge in Richtung David gehen, aber ein Zufall bringt uns nach Boquete, was wir gerade noch aus der Reiseroute ausschließen wollten. Auf angenehmen 1000m Höhe liegt das "Kaffee- und Blumenland" in einem Kraterkessel. Schon vor langer Zeit haben sich hier Nordamerikaner und Europäer angesiedelt. Ein bisschen mehr Schwarzwaldarchitektur habe ich mir erwartet - soll heißen architektonisch ist der Ort nicht gerade umwerfend. Irgendwie geht aber ein Charme von ihm aus, mag es an den freundlichen Menschen liegen, der Überschaubarkeit, den vielen blühenden Blumen, den Indigenafrauen in ihren bunten Kleidern...kurz, wir fühlen uns hier wohl. Das ist auch gut so, denn unser kleiner Mann erwacht mit Fieber und wir bleiben vorerst hier. Wir ziehen in ein kleines Hotel im Landhausstil, haben den Garten für uns, denn hier wird seit einer Weile umgebaut, und wir
genießen den Platz, den Genesung so braucht. Nach vier Tagen kennen wir uns im Ort schon aus, die Sonne lässt weniger Regen durch und Anton wird Stück für Stück wieder mobiler. Einen Schontag geben wir uns auf jeden Fall noch und Andreas bekommt mal wieder einen Reparatur- und Bauanfall am Bus :). Gut, dass sich wenigstens einer darum kümmert! Ich versuche derweil unsere Eindrücke für den Bericht zu sammeln. In wenigen Tagen wollen wir die Grenze Costa Ricas wieder überqueren und sehen, welche Orte uns das Wetter dieses Mal zugänglich macht. Dort hört Ihr spätestens wieder von uns. Oh wie schön war Panama…
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