USA II 12.01. - 18.01.2010
(Laurel, Washington DC, Anapolis, Calverton)
Wieder ist
eine gute Woche vergangen und wir haben viele Eindrücke sammeln und Begegnungen
machen können. Zunächst
mussten wir uns von unserem liebgewonnenen Mietauto verabschieden – als Erinnerung
haben wir ihm unsere CD gelassen. Logistisch hat sich ergeben, dass wir diese
Rückgabe mit dem Besuch in Washington
D.C. gekoppelt haben, da man vom Flughafen recht problemlos mit dem
Metrobus
an die Stadtgrenze gelangt. Von dort tauchen wir direkt ins Großstadt-feeling
und fahren U-Bahn, sehen bunte Menschen, begegnen Radfahrern…und finden uns wie
kleine Ameisen inmitten downtowns Hochhäusern wieder. Beim Mittagsimbiss wird
jeder, der den Laden betritt, von der Chefin mal eben mit „honey“ angesprochen.
Im Kontrast zu dieser scheinbaren persönlichen Begegnung, steht man anonym im
Treiben der vielen Autos und Menschen. Wie auch die vielen Obdachlosen immer
wieder… Wir spazieren den kompletten Tag durch die Stadt, d.h., entlang der meisten
großen Attraktionen. So sind wir wieder Ameisen auf der weiten National Mall
zwischen Capitol und Washington Monument sowie dem Lincoln
Memorial – und wärmen
uns die Glieder im botanischen Garten (kostenlos und schön gemacht!). Obama
konnte unserer Audienz nicht stattgeben und ließ sich, zu Antons Begeisterung,
durch eine Truppe Eichhörnchen vertreten. Am Anfang haben wir alles dran
gesetzt, um diese zu fotografieren. Mittlerweile wissen wir, dass dies die
amerikanischen „Tauben“ sind. Man wird sie kaum mehr los und immer recken sie
die Hälse, ob man nicht doch etwas aus der Tasche für sie holt– aber süßer sind
sie allemal. So betrachten wir die Präsidentenresidenz also nur von außen –
nachdem wir erst fälschlich x Bilder vor dem Finanzministerium gemacht hatten
;). Immer von der Sonne begleitet, bewegen wir uns langsam auf das Lincoln
Memorial
zu. Wenn man am Reflecting Pool entlang geht, hat man unweigerlich
Jenny im Kopf, die laut „Forest“ rufend in ihren langen Kleidern durch das
Wasser rennt. Und während man so träumt, befindet man sich an dem Ort, an dem
Martin Luther King sein berühmtes „I have a dream…“ ausgerufen hat. Heute ist
übrigens ihm zu Ehren ein Nationalfeiertag. Wir beschließen unseren Spaziergang
mit einem Endspurt auf den riesigen Friedhof von Arlington, während die Sonne
untergeht und die Meere von weißen Grabsteinen und Kreuzen in nächtliche
Schatten setzt. Unsere Rückkehr mit dem Zug war wiedermal unkompliziert, nur
der letzte Meter vom Bahnhof ins Hotel eine kleine Odyssee. Wenn die Landstraße
nicht so befahren wäre, es Bürgersteige gäbe und Tageslicht dazu, hätte man
sicher problemlos laufen können, aber so und mit Kinderwagen…da wartet man dann
schon mal für eine
Fünf-Minuten-Autofahrt ca. eine Stunde lang auf ein Taxi. So
langsam kapieren wir, warum den meisten Amerikanern ab dem 16.Lebensjahr ein
Auto an den Hintern wächst… Aber auch
wir sind froh, unseren Bus zu haben und bewegen uns damit in diverse Park-,
Wald- und Seengebiete der Umgebung. Wir genießen das Frei-sein, die Sonne und
die autofreien Zonen und erfreuen uns der Geländegängigkeit von Antons
neuem
Sportflitzer. Das Auto ist nun wieder reisetauglich, alle Gepäckträger wieder
angebaut und unsere Sachen in den Schränken verstaut. Mit dem Platz müssen wir
aber noch ein bisschen haushalten lernen. Unser
nächster großer Ausflug geht nach Annapolis, der beschaulichen Landeshauptstadt
Marylands. Die Stadt ist bekannt für ihre vielen Segelboote, eine schöne
historische Altstadt und die größte US-navy-academy. Uns begegnen vor allem wohlhabende
Hunde- und Segelbootbesitzer, uniformierte Marines, Freiluftkunst, schöne alte
Häuser (viele davon zum Verkauf) und eine Batterie Nussknacker und
Räuchermännchen. Antons favorites waren die
vielen Enten im Hafenbecken und das
stundenlange Schaukeln auf unserm ersten amerikanischen Spielplatzbesuch. Gestern
waren wir in Calverton bei Familie English eingeladen. Das sind Paul, Renatte
und die 10monatige Elisabeth. Renatte ist die Nichte von Andreas Chefin,
deren Bruder Joe auch anwesend war. Wir
wurden schon in den vorangegangenen Tagen – Barbara sei Dank - per email herzlich
begrüßt und begleitet, und der Empfang wurde auch vor Ort sehr warm und offen.
Warm auch am Kamin, in dem zu Antons großer Freude „eia“ – Feuer – brannte. Es
gab Essen, das nicht nur sehr lecker, sondern auch nach Heimat geschmeckt hat,
dabei selbstgebackenes Brot. Anton hat sich von Elisabeth die Liebe zu Cheerios
abgeschaut (diese kleinen runden Cornflakes, die man im Fingerfood-Alter so
toll in den Mund stecken kann). Wie wir so dort sitzen, Joe ab und an ins B
ayrische
verfällt und wir uns über unsere Kulturen und Erfahrungen austauschen, erleben
wir so manches déjà-vu. Es fühlt sich ein
bisschen an, wie damals in Brasilien…
Apropos, morgen fliegen wir genau dorthin. Der Bus darf grandioserweise bei den
Englishs stehen bleiben und wir verlassen Laurel und unser Hotel. Wir hatten
uns schon fast daran gewöhnt, täglich mit Anton durch die Betten zu springen,
das Beste aus dem Frühstück herauszuholen, das allabendliche Zimmer-Picknick
mit der rhetorischen Frage „was essen wir denn wohl heute?“ zu zelebrieren, die
Klimaanlage einzuschalten…doch zugegeben, die Aussicht auf Sommer in Brasilien
in der herzlichen Familie Baumgratz, macht einem den Abschied nicht besonders
schwer. Wir kommen am 10.Februar wieder in die Staaten zurück und dann geht das
Bus-Leben erst richtig los.
Bis dahin, see you later, calculator…
© www.bus-travel-diaries.de
örlich
länger wird. Unser USA-Trip erhält nun seinen Auftakt beim Einlösen der
Gutscheine des Flugunternehmens bei Burger King – endlich Fastfood ;).
Anton findet Flughäfen grandios. Man hat so furchtbar viel Platz,
lauter große und kleine Menschen, die freundlich zurück lächeln, wenn
man die Nase rümpft und aus den großen Fenstern kann man allerhand
beobachten. Pünktlich zum Abflug ist
er
dann eingeschlafen und blieb dann ein Viertel der Flugzeit im
Sandmannland. Wir erhalten natürlich nicht die Plätze mit viel
Beinfreiheit, die Familien bekommen (waren andere wohl schneller).
Dafür haben wir das unauffälligste und zufriedenste Kleinkind. Anton
ist ein großartiger Flugbegleiter! Auch die Landung verschläft er
wieder pünktlich. Er schläft, und schläft, und schläft, und…das ist
auch gut so, denn an der Einreise (Passkontrolle und
Aufenthaltsgenehmigung) stehen wir geschlagene 1,5h an - immer mit
einem Auge auf die Uhr, die das Verpassen des bereits umgebuchten
Anschlussfluges voraussagt. Und so kommt es dann auch. Schade nur, dass
wir uns noch den Stress gemacht haben, mit dem gesamten Gepäck (und
Gewicht!) zum Gate zu rennen, uns dort kein Mensch sagt, dass die
großen Rucksäcke vielleicht doch eher woanders abgegeben werden
müssten, der Officer mit einer (Entschuldigung!) Arschruhe unsere
Dokumente durchblättert und man uns im Sicherheitscheck entspannt die
Schuhe, Jacke
n und Co. ablegen lässt und kontrolliert. Aber Ende gut, alles gut! Continental sponsert eine Nacht im Hotel in New York
und vor allem bekommen wir einen Flieger für den nächsten Morgen, der
direkt nach Baltimore fliegt – nicht wie in Berlin umgebucht 3h nach
Charlotte um dann 2h zurück nach Baltimore zu fliegen. Wir erreichen Baltimore
bei Sonnenschein (und so sollte es die nächsten Tage auch bleiben) –
was für ein Geschenk! Zum Glück können wir direkt in den Mietwagen
(einen Allrad-Jeep Commander V8) umsteigen und sind damit mobil genug,
um in den nächsten Tagen die wichtigen Besorgungen zu machen und vor allem, um ein bisschen Land und Menschen kennen zu lernen. Wir wohnen in Laurel
im beschaulichen „Days Inn and Suites“ an einer Art größeren Landstraße
irgendwo zwischen Washington und Baltimore. Wie haben beschlossen, die
nächsten Tage hier zu bleiben. Damit haben wir eine gute Basis für
Ausflüge und Anton hat eine „gewohnte“ Umgebung. Er liebt es auf den
Betten herum zu turnen, packt mit Freuden seinen kleinen Koffer aus und
ein und bewegt sich hier schon ganz selbstverständlich. Jeden Morgen
geht es mit dem Fahrstuhl nach unten zum Frühstücksraum – man könnte
diese eine Etage auch laufen, aber das Treppenhaus ist so umständlich
zu erreichen, dass es wirklich wenig Sinn macht. Obwohl dies wiederum
nach so einem amerikanischen Frühstück angebracht wäre... Wir haben zur
Wahl: Toast, Muffins, Rührei, Haferflockenmix, Cornflakes, Waffeln und
allerlei Getränke. All das serviert auf Einweggeschirr. Der Kaffee ist
nicht wirklich gut und Himbeerlimonade auch nicht jedermanns Geschma
ck.
Wir bringen seit ein paar Tagen unseren eigenen
Butter-Käse-Wurst-Vorrat mit. Hier läuft zum Frühstück permanent die
Glotze mit einem Nachrichten- oder Wettersender. Am Anfang haben wir
ständig gedacht, es gäbe schlimme Nachrichten, schließlich kennt man
diese Bilder und Einstellungen immer nur aus Katastrophenmeldungen. Die
Bilder sind aber eben einfach so. Oder da sitzt zum Beispiel ein stark
übergewichtiger Hotelgast genau vor dem Bildschirm und isst Waffeln
mit Ahornsirup zum Frühstück, während Werbung für Abnehmen und gesunde
Ernährung läuft. Welcome to America... Wir gewöhnen uns auch nur
langsam an die Ernährungsumstellung und bedauern, dass man hier nur
eine Mikrowelle im Zimmer benutzen kann – wenigstens das. Das Gesetz
verbietet Küchen in Hotels. Wir haben vom Portier erfahren, dass auch
die Fenster alle aufgrund der Gesetzeslage verschlossen sind. Für
frische Luft muss man ernsthaft die Klimaanlage anschmeißen.
Die
ersten organisatorischen Dinge sind geklärt – Anton hat einen neuen
Sportflitzer (Jogger) und einige Probegläser Babyessen (gibt’s nicht so
viele),
Andreas
ein GPS-Navi, wir alle neue Turnschuhe und ein paar Klamotten und vor
allem seit gestern den Bus, der soweit fast unbeschadet das
Hafengelände verlassen hat –leider haben die Trottel die Standheizung
angelassen so das Tank und Batterien leer waren, unser Statussymbol,
den Stern, haben sie auch geklaut und zu guter Letzt hat wohl jemand
versucht, durch ein kleines Seitenfenster rein zu kommen und es so
beschädigt, dass nun jeder, der eine Zange hat, in null-komma-nix das
Fenster öffnen könnte. Zum Abholen aus dem Hafen braucht man hier in
den USA mittlerweile einen sogenannten Escort-Service, der mit einem
Zertifikat berechtigt sein muss, auf dem Hafengelände manövrieren zu
dürfen. Unser Fahrer in Kapuzenpulli und weiten Hosen hat seinen Job
etwas maulfaul und energiesparend, aber dafür problemlos erledigt.
Jetzt steht der Bus also hier bei uns unterm Fenster, als wär das immer
schon so gewesen. Am Sonntag soll er dann, für die Zeit, die wir in
Brasilien verbringen, im geschichtsträchtigen Gettysburg bei Barbaras Nichte untergestellt werden.
Einen
Kurztrip nach Mexico haben wir auch schon gemacht: Wir sind mit unserer
ersten Schmutzwäscheladung in einen sogenannten Laundromat gegangen,
der sich als riesiger Waschsalon entpuppte. Dort haben sonntags
allerlei Hispanic-Familien ihre Wäscheberge (bei mexikanischem
Fernsehen) bezwungen. Nebenan im“ SuperpanamSupermarkt“ lief
Latino-Musik und die Regale waren voll mit Importgütern aus Mexiko. Das
war unerwartet für uns eine besondere Begegnung.
Nach
den ersten Tagen Shopping-Mall-, Fastfood- und Supermarkt-Abenteuer
haben wir mit großer Begeisterung ein Natur- und Wildreservat (Patuxent
Research Refuge) ausfindig gemacht, das zwar pünktlich schließt, uns
aber einen großen Augenblick Durchatmen und Freiheit geschenkt hat. So
sind wir also bereits hin und wieder mit touristischen Augen unterwegs,
haben neben Vöglen, auch Eichhörnchen und Rehe gesehen. Einen halben
Tag haben wir in Baltimores grandiosem Aquarium verbracht, wo man
verschiedenste Fische, Quallen und andere Meerestiere beobachten kann,
einer amerikanischen Delfin-Show beisitzen und etwas über Umweltschutz
erfahren kann und einen Rundgang durch australische Welten macht.
Wirklich ein ganz toll gemachtes Museum – Anton hatte große Freude (und
Augen!). Der Inner Harbour – Baltimores touristisches Herzstück - ist
schon eine eindrucksvolle Kulisse. Unser Spaziergang hat uns dann durch
„little italy“ geführt und einzig die Kälte hat uns davon abgehalten,
die Stadt noch weiter per pedes zu entdecken.
Morgen
wird Andreas das letzte Mal den Jeep über die Highways ‚jagen‘ und ab
dann sind wir mit dem großen Blauen unterwegs. Es ist noch nicht
sicher, ob wir das weiße Haus mit dem blauen Haus besuchen. Vielleicht
nehmen wir den Zug – haben wir nach Baltimore auch schon getestet.
Ihr werdet es in Kürze erfahren und wieder von uns und unseren amerikanischen Abenteuern hören.
Nur
noch am Rande, um unsere Heimatverbundenheit zu verdeutlichen: unsere
Uhr läuft noch auf deutscher Zeit und nach dem chinesischen Essen stand
im Glückskeks ‚you are deeply attached to your family and home‘ – kann
das Zufall sein?
See you soon! Have a great time! ;)
© www.bus-travel-diaries.de
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