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Reisebericht USA IX 26.03. - 11.04.2011

(San Francisco, Santa Cruz, Monterrey, Laughlin, Williams, Grand Canyon National Park, Page, Vermillion Cliffs, Paria Canyon, The Wave, Zion National Park)

    Grand Canyon NP overview Vermillion Cliffs Leben in der Steppe Grand Canyon NP Stockbrot am abend Vermillion Cliffs the Wave

Eigentlich wollen auch wir San Francisco bald verlassen, doch Andreas braucht einen kompletten Tag Bettruhe, bevor er seine anklingende Grippe besiegt hat. Dann heißt es „1000 Dank!“ an Misha und Janosch, die uns weiterhin großzügig Asyl gegeben haben. Der Bus hat fast eine Woche Ruhepause in der 7th Ave genossen und die Nachbarn womöglich befürchtet, das Koloss bliebe ewig vor ihrer unterwegs Minenlaster zum besteigen Tür abgestellt. Vor der Abreise erhaschen wir nochmal einen sonnigen Blick auf die Golden Gate und dann orientieren wir uns auch schon nach Süden auf die Küstenstraße 1. Nach einer kurzen Fahrt durch Silicon Valley erreichen wir die Küste bei Halfmoon Bay. Immer wieder bekommt man dann tolle Blicke auf die Steilküste und das tosende Meer. Einladende State Beaches geben sich hier die Hand. Natürlich fahren wir einen Abstecher durch den Ort Santa Cruz, dessen Namen jeder, der Andreas kennt, schon auf mindestens einem seiner T-shirts gelesen haben muss. Ja, dieser Ort hat irgendetwas mit Skateboards zu tun. Es gibt eine Skateschule, jede Menge coole Jungs und stark überteuerte Santa Cruz Klamotten. Um in alten Erinnerungen zu schwelgen, nimmt sich Andreas einen Bildband über verschiedene Designs und Bemalungen mit. Am Rollercoaster mit Strandblick fahren wir dieses Mal nur vorbei. Nach der Übernachtung an Salinas‘ Walmart besuchen wir Monterey und vor allem ausgiebig den großen Spielplatz. Nicht nur, dass man in einer alten Lokomotive herumsteigen kann, es gibt einen Irrgarten und Kletter- sowie Rutschkomplexe für jede Altersstufe. Das kann Amerika wirklich gut – Spielplätze bauen, die ordentlich Spaß machen. Am alten Hafen (Fishermans Wharf) essen sich die Männers durch Clamchowder (Muschelfrikassee) und wir beobachten fröhlich brüllende Seelöwen. Dann beginnt der besonders schöne und bekannte Küstenabschnitt, der sich fast 200km bis San Luis Obispo zieht. Williams unser Camping Wildblumen, Rehe, menschenleerer wunderschöner Strand, so sind allein die ersten Eindrücke direkt hinter Monterey. Abgesehen von den wohlhabenden Hausbesitzern, die sich diesen Blick für immer gekauft haben. Kurz hinter Carmel by the Sea hat dann unsere Bewunderung ein Ende. Nachdem uns Schilder schon irritiert hatten, bestätigt ein Ranger, dass die 1 in ca. 15km gesperrt ist. Ein komplettes Stück Straße sei fortgespült worden. Für uns heißt das, sollten wir diesen Küstenabschnitt kennenlernen wollen, müssten wir ca. 180km fahren, um von Süden heran zu kommen und dann natürlich das Ganze wieder rückwärts, denn der nördliche „Ausgang“ ist ja wie gesagt gesperrt. Den langfristigen Abschied vom Pazifik hatten wir uns eigentlich anders vorgestellt. Wahrscheinlich ist keinem von uns so richtig bewusst, dass wir zum einen länger kein Meer sehen werden und zum anderen vor allem nicht dieses. Eine landschaftlich reizvolle aber sehr kurvenreiche Nebenstraße führt uns auf die uns bekannte 101 zurück und wir bleiben für die Nacht bei good old Walmart in Paso Robles. Ein netter Einwohner hatte uns sogar eingeladen, bei ihm im nahegelegenen Wohngebiet sicher vor der Haustür zu stehen. Von hier aus treffen wir in Kürze auf die Landstraße, die wir bereits mit Daniel gefahren sind und es macht Spaß, alte Orientierungspunkte wieder zu finden. Obwohl er nicht direkt auf der Route liegt, machen wir einen erneuten Abstecher zum Red Rock Canyon State Park, da wissen wir, wie landschaftlich toll wir schlafen :). Am nächsten Tag rollen wir entlang der Interstate 15, an der sich bald die Route 66 entlang schlängelt, die wir bereits gefahren sind. Diesmal nehmen wir die Abbiegung in Richtung Laughlin un Grand Canyon NP Ausblicke d landen überrascht – wir hatten nichts weiter gelesen – in einer Art Las Vegas Schwester. Es wird bereits dunkel, als wir vom Berg auf den Colorado und das dahinterliegende Spielerstädtchen zufahren. Vor dem beeindruckenden „Colorado Belle“, einer Art überdimensionalem Mississippi-Dampfer, stehen wir zum Essen, werden zur Übernachtung aber auf das Nachbarcasino verwiesen. Hier steht bereits eine Kolonie Wohnwagen auf dem Parkplatz und wie sollte es anders sein, Andreas gesellt sich zu den Cowboys im Casino, spielt und gewinnt insgesamt einen Cent nach verschiedenen Einsätzen und Gewinnen. Im uns vertrauten Kingman füllen wir unsere Vorräte auf und erreichen am Nachmittag Williams und seinen einladenden Campingplatz. Umgeben von alten Eisenbahnwagons, die als Motelzimmer ausgebaut sind, Wald und einem kleinen Spielplatz fühlen wir uns so wohl, dass wir nach 15Minuten beschließen, gleich eine weitere Nacht zu zahlen. Die Ruhe, die warmen Badezimmer, das Internet (der Kontakt zu unseren Lieben) und das Stehenbleiben tun uns ausgesprochen gut. Nun beginnt unsere große National-Park-Tournee. Wir beginnen mit dem überraschend beeindruckenden Grand Canyon, den irgendwie jeder schon auf Bildern gesehen hat. Als wir dann den ersten Blick über die Felskante hinaus werfen, sind wir erst einmal überwältigt. Kein Bild kann diesen Blick wirklich festhalten und wiedergeben und so albern es auch klingen mag: das muss man einfach gesehen haben! Wir quartieren uns auf dem örtlichen Campingplatz ein und nehmen wenig später den Shuttlebus zum „Westrim“. In einer Mischung aus Busfahrt und Wanderung erkunden wir diesen Teil des Parks und betreten dabei vornehmlich unebene nicht asphaltierte Pfade. Unendlich viele Bilder sind bereits mit der Kamera eingefangen und das Staunen hält an. Man schaut in einen in der Welt einmaligen Querschnitt durch ca. 2Milliarden Grand Canyon NP tapfer wandern Erdgeschichte, an dem der Colorado auch heute noch weiter hobelt, modelliert und nagt. In allen erdenklichen Farben leuchten die verschiedenen Gesteinsschichten von weiß, über leuchtend rot , blau-grau, purpur, grün-grau bis braun. Dabei haben Wind und vor allem Wasser zauberhafte Formen aus den Felsen gebildet. Wir blicken beispielsweise auf „Tempel“, die nach verschiedensten Glaubensrichtungen benannt sind. In der Ferne erahnen wir die Nordkante (Northrim) des Canyons, dessen höher liegende Zufahrt um diese Jahreszeit gesperrt bleibt. An einem zweiten Tag wagen wir uns ein wenig ins Innere des Tales und marschieren einen sehr windigen „Kaibab-Trail“ hinab. Anton steckt die Nase tief in den Tragerucksack und schläft, während wir überlegen, an welchem Punkt wir sinnvollerweise umdrehen. Es gilt nämlich den gesamten Abstieg auch wieder hinauf zu steigen und da wir unsere Kräfte nicht überschätzen wollen, drehen wir nach einem wunderschönen Ausblick gemütlich um. Anton liebt bereits das nun eingeführte Picknick beim Wandern und wir genießen, Nüsse, Müsliriegel, Saft und Co. ab jetzt beinah rituell. Anton, der neuerdings immer auf der Suche ist nach einem Buch, „was du noch nicht kennst“, liebt es auch die parkeigenen Buchläden oder Visitorcenter zu besuchen und die Kinderabteilung zu durchstöbern. Zufrieden und mit lediglich einer Postkarte für sein Album verlassen wir dann den Laden wieder. Feierlich führen wir Anton ins Stockbrotbacken ein und in Folge müssen wir immer wieder Teig besorgen und auf Grillwetter hoffen. Grillwetter ist dabei lediglich auf Trockenheit beschränkt, denn in der zweiten Nacht gehen die Temperaturen schon unter null Grad. Mit einem letzten Ausblick auf den Colorado, den man gewöhnlich vom Rim aus nur selten sieht, verabschieden wir uns am dritten Tag und nehmen Kurs auf Page. Auch wenn der Walmart hier, der bisher mit Abstand am Vermillion Cliffs Coyotes Buttes (2) landschaftlich attraktivsten gelegene ist, suchen wir uns ein Plätzchen in der wenig entfernten Glen Canyon National Recreation Area am Powell See. Von hier aus ist es nur ein Katzensprung zum uns empfohlenen Paria Canyon/ Vermillion Cliffs National Monument, eine Felsablagerung, die noch höher geschoben wurde, als der nördliche Teil des Grand Canyons. Wir haben uns neugierig machen lassen auf eine besondere Felsformation, deren Besuch an eine große Portion Glück in der allmorgendlichen Lotterie gebunden ist. Es dürfen täglich nur 20 Menschen dorthin, zehn haben langfristig reserviert oder werden via Internet ausgelost, die anderen zehn werden per Bingokugeln bestimmt. Für die erste Ziehung sind wir zu spät, erfahren aber, dass ca. 50 Anwärter da waren. Wir lassen uns all die reizvollen Ziele in der Umgebung erklären und unternehmen unsere erste Wanderung durch einen „Slotcanyon“. Nach einigen Kilometern durch ein Flussbett betritt man die vom Wasser mühevoll geformten schmalen Felsschluchten. Der rote Stein, die uns umgebenden Mauern, das teilweise einfallende Sonnenlicht…es ist toll! Dann quartieren wir uns für (unerwartet) fünf Nächte auf einer Art Western-Ranch-Camping ein. Wir haben Strom, Duschen, es gibt Wiese, Kiesel und viele Pferde und wir werden nach langem mal wieder sehr persönlich willkommen geheißen. Unsere erste Lotterieteilnahme glückt nur teilweise. Nachdem die Ziehung für „the wave“ negativ für uns ausgefallen ist, bemühen wir uns um die wenige Vermilion Cliffs festgefahren im Sand r bekannten „Coyotes Buttes“ und bekommen eine Erlaubnis für den Folgetag. Bei eher bedecktem Wetter besuchen wir die „Krötensteine“, eine durch Erosion entstandene Felsformation, bei der bräunliche Felsen wie auf Säulen sitzen. Wir bewundern sie in verschiedenen Größen und Formen und treten nach dem üblichen Picknick wieder den Rückweg an. Anton spielt den Rest des Tages auf dem Billiardtisch im Gemeinschaftsraum, der „Cowboy“ (der Manager ist Original-Texaner und kleidet sich auch so) bringt ihm ein ordentliches „Jiiieha!“ bei, Andreas organisiert ein Update und ich beteilige mich, wo ich kann. Schon am zweiten Morgen hat sich unser vom Wecker organisiertes Frühaufstehen gelohnt, denn wir erhalten in fast letzter Instanz den „Permit“ für den morgigen Besuch von „the wave“. Doch zunächst steht die Wanderung zu „Coyotes Buttes“ an, was einige Einheimische der etwas hochgepuschten „wave“ sogar vorziehen. Trotz Regenvorhersagen erleben wir Sonne und tolles Fotowetter. Wir hätten ein Abenteuer auslassen können und die bereits mit Warnungen versehene Sandstraße nicht bergauf fahren sollen. So können auch wir jetzt erzählen, dass wir uns einmal freischaufeln mussten und uns ordentlich festgefahren haben. Mit klopfenden Herzen und technischem Geschick haben wir aber auch dieses Stück Reiseabenteuer glimpflich überstanden. Die „Coyotenhügel“, die sich kegelförmig in allen Gelb- und Rottönen gestreift vor uns auftun, sind alle Mühen wert. Wir sind mal wieder sehr erstaunt, was die Natur für Kunstwerke schafft und die Kamera läuft schier heiß. Wir wollen die Rückfahrt von der anderen Seite herangehen und entscheiden uns unwissend für einen ordentlichen Umweg entlang der Vermillion Cliffs the wave Dimensionen beeindruckenden Vermillion Cliffs, über den Colorado, wieder nach Page und so weiter. Dann ist es soweit, unser Wave-Besuch steht an. Mit Wegzehrung, einem Bilderwanderplan und Sonne im Rücken machen wir uns auf die drei-Meilen-Tour. Anton marschiert tapfer große Teile der Strecke und stärkt sich hin und wieder mit geliebten Gummibären und M&Ms. Nach einem letzten steilen Aufstieg erreichen wir den geschwungenen Eingang und sind entgegen unseren Befürchtungen dennoch sehr beeindruckt. Obwohl nur wenige Touristen Zugang haben, muss man doch immer wieder warten, um menschenfreie Aufnahmen der gestreiften wunderschön geschwungenen Formation machen zu können. Nach dem unverzichtbaren Picknick, Seifenblasen und Unmengen von Bildern, verabschieden wir uns und gehen den Rückweg an, an dessen Ende Anton auf Andreas Schultern müde zusammenfällt. Nach einem kühlen Ausruhtag verabschieden wir uns dann von Cowboy und Co. und treten die Weiterfahrt zum Zion National Park an. Unterwegs bewundern wir aus der Ferne eine Büffelherde auf weißer Flur und Anton zappelt vor Aufregung, bevor er den ersten Fuß in den Schnee setzen kann. „Wir haben Glück, Mama, es gibt Schnee!“ jubelt er. Noch glücklicher sind wir über den Sonnenschein, der die wunderschönen Felsenwände am Osteingang des über 100jährigen Parks erleuchten lässt. Die beeindruckende Fahrt führt dann durch einen ca. 1,5km langen Tunnel, den wir mit unserem Format zum Glück ohne Eskorte und damit verbundener Gebühr durchfahren dürfen. Der Ausblick beim Verlassen des Tunnels ist gigantisch und mit den anschließenden Serpentinen fast gefährlich, wenn man Zion NP Ausblicke zulange erstaunt ist. Hinter uns steht eindrucksvoll „Great Arch“, ein in der enormen Felswand entstandener Bogen. Im Tal fließt von frühlingshaft begrünten „Cottonwood“-Bäumen begrenzt der Virgin River. An eben diesem liegt auch der Campingplatz zu Füßen des „Watchman“, einem im Abendlich rot leuchtenden Felsmassiv, wo wir uns für zwei Nächte niederlassen. Am Besucherzentrum treffen wir auf Sabine und Olaf und ihren Hund Paco, die seit Dezember 2009 im ausgebauten Iveco-Allrad-LKW auf unbestimmte Zeit unterwegs sind. Unsere Wanderung führt zu den „Emerald Pools“, die aus mehreren Wasserfällen (zum Teil von weit oben) gespeist werden. Nach so viel Bewegung schläft Anton auf der anschließenden Shuttlefahrt direkt ein und verpasst den Hinweg entlang des nördlichen Flusslaufs. Trotz vieler anderer Besucher begegnen wir Rehen, Eichhörnchen, wilden Truthähnen und einem Kranich und treten zufrieden die Rückfahrt zum Campingplatz an. Dort machen wir die Bekanntschaft einer Großfamilie, die uns zu „S’mores“ am abendlichen Feuer einladen. Für diese, bei Kindern beliebte, sehr amerikanische Nachspeise, röstet man Marshmallows über dem Feuer, um sie dann mit Schokolade zwischen zwei Keksen zu vertilgen. Nur nach und nach entwirren wir die Familienverhältnisse, wo Großeltern, Zion NP Natur geniessen Kinder und Enkelkinder lebendig durcheinander wirbeln, Spielen, zu Beatles-Songs auf der Gitarre singen, fröhlich erzählen und uns interessiert befragen. Am Nächsten Morgen verabschieden wir uns und machen uns auf den Weg zurück durch den Tunnel, an den leuchtenden Felswänden vorbei bis zu den Büffeln, die mittlerweilen auf einer grünen Wiese grasen. Es sind nur wenige Kilometer bis zum Bryce Canyon National Park, doch dazu gerne ein anderes Mal…

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Zion NP Felsen im Schnee Williams Pfannkuchentorte einfach nur so Grand Canyon am Abgrund NP Vermillion Cliffs Coyote Buttes Detail

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