Welcome to the states! Mit einer großen Portion Sehnsucht nach Lateinamerika im Bauch, sind wir nach langem Hin und Her nun auf der „anderen Seite“. Vor uns breitet San Diego in der Dunkelheit seinen Lichterglanz aus und wir suchen uns unseren ersten Walmart-Schlafplatz. Es tut ganz gut, ab und an Spanisch zu hören und den deutlich mexikanischen Einschlag der
Menschen hier zu spüren. Die äußere Erscheinung ist ansonsten durch und durch amerikanisch. Alles ist groß, die Straßen 8-spurig und mehr, die Supermärkte erschlagen mit ihrem Warenangebot (wer braucht 5 verschiedene Milchsorten?), und Ortsgrenzen sind nur schwer auszumachen, weil alles ineinander übergeht. Wir erkunden bei Tageslicht zuerst den Innenstadtbereich und suchen lange nach einem passenden Parkplatz. Die Parkuhr gibt uns zwei Stunden Zeit, die uns natürlich nicht reichen. Wir werden von einem Flugzeugträger und der umliegenden „military-art“ begrüßt. Das große Kampfgerät wirkt hinter dem küssenden Pärchen in Übergröße bald wie ein friedlicher Ausflugsdampfer. Das muss Amerika sein :)! In der Bucht tummeln sich die kleinen Segelboote und man kann genüsslich entlang der Küste spazieren. Vorbei an Kunst und künstlichen Touristenattraktionen
(Seaport Village – ein angelegtes Fischerdorf) führt unser Weg ins Gaslamp Quarter District. Viele der Backsteinbauten umgeben von alten Gaslaternen beherbergen Restaurants und Bars, die am Abend bestimmt einladendes Flair versprühen. Wir landen unterdes im Bücherausverkauf und entdecken Antons neues Lieblingsbuch „good night, california“. Es sind alle wichtigen Reiseziele des Staates enthalten und wir werden nun Stück für Stück alles gemeinsam erobern. Wie versprochen machen wir noch eine Straßenbahnfahrt (obgleich teuer und viel zu kurz), um dann herzklopfend zum Bus zu hasten, der unversehrt an der abgelaufenen Parkuhr auf uns wartet. Wenn man so durch die Stadt fährt, fühlt man sich ab und zu wie in einem King-Kong-Film, wenn die Flugzeuge in Übergröße so dicht an einem vorüber fliegen und den sehr innenstadtnahen Flughafen
anpeilen. Das passiert uns auch, als wir am Folgetag friedlich mit der Seilbahn über dem Zoo gondeln. Einen ganzen Tag (und auch mehr) kann man im großen San Diego Zoo verbringen, der uns mit genüsslich frühstückenden Koalas begrüßt und gemütlich zu Abend essenden Pandas verabschiedet hat. Wir bewandern alle Kontinente, fahren Seilbahn und Bus (da kann man so wunderbar einschlafen…) und erobern Spielplatz und Streichelzoo. Anton weiß gar nicht mehr, was ihm eigentlich am besten gefallen soll :). Auch San Diegos Outlet Läden füllen mit uns die Kassen und die Männer bessern ihren Kleiderbestand etwas auf. Wir lassen bunte Attraktionen wie Sea-World-Aquarium und Legoland links liegen und tun Anton einen größeren Gefallen mit der Übernachtung im Statepark in Strandnähe. In San Clemente gibt es dieses kleine geschützte und dadurch ausnahmsweise mal unbebaute Stück Steilküste. Trotz Feuerchen kann man bei den vorfrühlingshaften Temperaturen leider nicht lange draußen verweilen. Mit
einem Zwischenstopp in der Surfer-Metropole Huntington Beach und dem Besuch seiner Seebrücke erreichen wir Los Angeles, oder vielmehr den Wust an aneinandergewachsenen Orten, dessen Herzstück LA ist. Wie auch schon in San Diego gestaltet sich die Schlafplatzsuche etwas kompliziert, doch eine Lösung findet sich immer, wenn auch manchmal sehr spät. Die Campingplätze (sogar die staatlichen) sind einfach zu teuer und dann muss sich ein Platz finden, der sich sicher anfühlt und möglichst belebt ist. Freundlich gewährt man uns die Nacht bei verschiedenen Supermarktketten, sogar auf Nachfrage. Wir unternehmen einige Stadtrundfahrten – manchmal zwangsweise, wenn wir uns verfahren – und verstehen, warum bei diesem Straßennetz und den Entfernungen die meisten Menschen hier Auto fahren. Wir fahren häufiger auf der „Car Pool“ Spur, die für Autos mit mehr als einem Insasse gedacht sind und staunen nur so über die vielen, mit allein einem Fahrer besetzten, im Stau stehenden
Nachbarn. Natürlich rollen wir auf dem Sunset Boulevard und drehen eine Ehrenrunde durch Beverly Hills – ohne auch nur einen joggenden George Clooney oder so zu treffen. Wir hätten uns vielleicht doch so eine „Star Map“ anschaffen sollen, die in den Seitenstraßen angeboten werden. Jede Menge Stars sehen wir dann auf dem berühmten „Walk of Fame“, wo es nur so von Cat-Womans, Elmos, Elvis-Imitaten, Spidermans und Co. wimmelt. In so ein wunderbar plüschiges Kino gehen wir dann ein anderes Mal, aber wir bewundern sie ausführlichst von außen. Es gibt aber auch jede Menge Mitmenschen zu beobachten, die eher wie aus anderen Galaxien wirken. Wir haben Spaß mit schrägen Brillen, hüpfen von Stern zu Stern und können einfach nur staunen. Entlang dem Santa Monica Drive rollen wir – vorbei an bunten Menschen und Cafés – zum gleichnamigen Strand mit Seebrücke. Hier dreht sich ein großes Riesenrad, dass man bei Dunkelheit schon von weitem blinken sieht, am Ende der legendären „Route 66“. Wir nehmen den Ausblick auf die riesige Bucht und den farbenfrohen Sonnenuntergang, Anton einen Miniatur-Schulbus als Erinnerung mit. Noch farbenfroher und intergalaktischer waren die Begegnungen, die wir am Vormittag in Venice Beach am
bekannten Ocean Frontwalk haben konnten. Zwischen Sonntagsspaziergängern wie uns fahren Skateboards und Rollschuhe umher; man fällt schon fast auf, wenn man nicht tätowiert ist; immer wieder wird Werbung für Dr.XY gemacht, der Verordnungen für Marihuana verschreibt (der Konsum ist mit dem entsprechenden Schein hier in Kalifornien legal); die „Muscle Centers“(Fitness-Center im Freien) sind noch spärlich besucht – auch Muskelpakete scheinen zu frieren ;); jede Menge schräger Vögel wollen noch einer wichtigen Mission nachgehen; jede Menge (Hippie-) Kunst und Souvenire sind im Angebot und nebenan rauscht das Meer bei unbesetzten „Baywatch“-Rettungsschwimmertürmen. Das ist wirklich grandioses Fernsehen! Wo wir gerade beim Thema sind: Natürlich darf in der Filmstadt ein Besuch der Studios nicht fehlen. Wir haben uns für Spaß statt Bildung entschieden und sind mit vielen anderen durch die Tore der Universal Studios in eine kitschige Spiel- und Spaßwelt eingetreten. Es fängt alles an mit einer „Studio Tour“, auf der man in einer Art Parkeisenbahn durch verschiedene Kulissen, vorbei an Studiogebäuden in filmreife Begegnungen mit KingKong, dem weißen Hai, einer Bruchlandung, einem Filmregen mit Sturzflut
etc. fährt – und alle sehen dabei immer wieder selten komisch aus mit ihren 3D-Brillen. Auf der Suche nach einer Ruheoase nach all der Reizüberflutung finden wir einen schönen Spielplatz und eine große Ballspielkuppel, in der man Schaumstoffbälle sammeln, aufsaugen, erkunden und vor allem herum schießen kann. Zeitweilig sieht man hier mehr Erwachsene als Kinder :)(von wegen Ruhe…). Shrek in 4D ist witzig und für Anton zum Glück kurz, der noch keine Freude an lautem Hollywood-Gedröhn hat. Dann statten wir doch lieber den Filmtieren einen Besuch ab, wo Hund, Katze, Maus, Taube, Schwein und Co. lustige Einlagen bringen und mit amerikanischem Charme von der Filmtierarbeit berichtet wird. Danach heißt es wieder auf dem Kinderwagenparkplatz das richtige Fahrzeug aufzusammeln – wirklich erstaunlich, wie viele Kleinkinder hier unterwegs sind. Für Eltern von diesen gibt es ein nettes Anstellsystem, wo nur ein Partner an den Attraktionen warten muss und der andere dann in einem speziellen Aufenthaltsbereich eine Sonderkarte bekommt, die einen dann in die erste Reihe befördert. Nichtsdestotrotz wäre die animierte Simpsons-Achterbahnfahrt zusammen noch lustiger gewesen. Andreas fährt sie vor lauter Freude gleich nochmal :). Anton
macht Pause, spielt und bleibt verschont von einer Menge bunten Flackerbildern. Ähnlich ist es auch auf der Flussfahrt durch den „Jurassic-Park“ und „Die Mumie“Kulissen. Immer lässt sich auch für den kleinen Besucher eine kleine Attraktion finden. Am meisten haben wir uns bei der Vorführung in der „Waterworld“ amüsiert, wo wie im Actionfilm „Gut“ gegen „Böse“ kämpft und dabei alle Wasserski fahren, herumballern, Explosionen zu sehen sind, jemand gefangen und befreit wird und zu guter Letzt auch noch ein brennendes Flugzeug auf dem Wasser landet. Während wir versuchen, das Geschehen bloß nicht kritisch zu hinterfragen, schläft Anton endlich völlig erschöpft ein – knalle was wolle. Gut so, denn die vielen Lichter auf dem sogenannten Universal City Walk, eine Art hauseigene Amüsiermeile, hätten ihm sicher sonst den Rest gegeben. Jetzt aber nichts wie raus aus dem Gewühl und rein in
die Natur. Wir verlassen Los Angeles, besuchen eine letzte Outlet-Mall (es müssen warme Jacken her…), wobei wir alle fröhlich im Legoladen verweilen. Anton spielt begeistert und Andreas macht die besten Schnäppchen und ergattert Geschenke für die nächsten Jahre. Die Reise führt uns nun östlich der Stadt direkt in die Wüstenlandschaften Kaliforniens. Eine besonders reizvolle Umgebung finden wir im empfohlenen Joshua Tree Nationalpark mit seinen vielen Joshua Kakteen und bizarren Felsformationen. Hier ist es einfach nur dunkel, wenn die Sonne untergeht, wir machen uns ein Feuerchen an und immer wieder genießen wir die Einsamkeit. Im „Wonderland of Rocks“ verbringen wir gute zwei Tage, bewundern Kletterer in ihrem Paradies „Hidden Valley“
, wandern, spazieren, staunen und fotografieren unaufhörlich. Nur die Temperaturen wollen nicht wirklich wüstenartig werden – besonders nachts! Da traut sich keine der angekündigten Klapperschlangen auch nur andeutungsweise heraus. Wir entscheiden uns, auf der Weiterfahrt ein Stück von der legendären „Route 66“ mitzunehmen. Amerikas erste richtige durchgehende Verbindung von Nordost nach West ist mehr Mythos, als aufregend. Sie führt vor allem durch viel karges Wüstenland. Wäre nicht ab und zu ein buntes, mit diversen Antiquitäten von damals ausgestattetes Örtchen, könnte man sich überall glauben. In Oatman laufen jede Menge Esel frei herum und die Häuser sehen ein bisschen aus, wie aus einem Western. Natürlich gibt es einen Saloon und zwei Mal am
Tag gibt es eine Schießveranstaltung. In Kingman steht eine wunderschöne alte Lok und im naheliegenden alten Teil der Stadt wird antikes jeder Klasse verkauft. Anton bekommt völlig überraschend ein quietschgelbes Küken geschenkt, dass unwesentlich kleiner ist als er. Die beiden werden unzertrennlich und wir haben bereits die erste Osterdeko. Zur Feier des Tages führen wir „Küken“ in ein „Diner“ aus – so ein typisch amerikanisches 50er Jahre Restaurant mit roten Bezügen auf Sitzbänken und Barhockern und Bildern von Marylin, James und Elvis an den Wänden – und essen Burger und fettige Pommes. Wir beziehen den Walmart-Parkplatz für zwei Tage und unternehmen noch einen Ausflug nach Seligman. Auf dem Weg passieren wir typisch verschilderte alte
Tankstellen und „General Stores“ und spazieren im völlig verschlafenen Ort umher. Wahrscheinlich ist hier am Wochenende oder zu den typischen Biker-Treffen jede Menge los, heute sind wir fast alleine. Es finden sich immer wieder lustige Fotomotive und wir staunen, wie viele deutsche hier stolz ihre Nummernschilder hinterlassen und verewigt haben. Nach einer teuren Bremsenkorrektur und einem Spielplatzbesuch machen wir uns langsam auf den Weg nach Norden. In zwei Tagen sind wir mit Andreas Freund Daniel im glitzernden Las Vegas verabredet. Nur wenige Meilen vor der Spieleroase besuchen wir Amerikas großen Stolz – den Hoover Dam, über den jetzt neuerdings noch eine große Brücke gespannt ist, um den langwährenden Stau auf dem Damm zu beenden. Wir schmunzeln beim Einführungsfilm und sehen bei einer Tour in den Bauch des Betonriesen auch nicht mehr als auf d
en Bildern vom Flyer. Trotz allem ist es sehr beeindruckend zu wissen, dass der Bau bereits 75 Jahre alt ist und man mit der Menge an Beton hätte eine zweispurige Straße von New York nach San Francisco bauen können. Es werden mehrere umliegende Staaten mit Energie und Wasser versorgt und mit dem Lake Mead ist ein schönes Naherholungsgebiet inmitten der Wüste entstanden. Wenig später schon befinden wir uns in Las Vegas und bereits bei Tage fragen wir uns, wie viel der vom Hoover Dam produzierten Energie und des Wassers hier versickern. Ganz ursprünglich befand sich hier ein von Mormonen gegründeter Kontrollpunkt für den Postverkehr. Die Zeit brachte Durchgangsverkehr, Hotels, Amüsement und Gesetzeslücken…und mit den Jahren wuchs der Hafen vieler Glückspieler ins unermessliche. In den letzten Jahren findet ein regelrechter Wettkampf zwischen den Resort, d.h. Hotel-Casino-Komplexen, statt und jeder muss schauen, dass er besonders, attraktiv und wettkampffähig bleibt. Jeder kennt die Bilder von Komplexen wie „New York, New York“ und der Achterbahn auf dem Dach, die riesigen von Musi
k begleiteten Wasserfontänen des „Bellagio“, etc.. Wir verbringen die erste Nacht auf dem Campingplatz eines Vororts, der sich a ls Wohnort einiger gestrandeter herausstellt. Schon von hier aus sieht man Casino-Schilder funkeln und irgendwie sind die vielen kaputten Menschen die wir sehen erschreckend, aber wenigstens ein ehrlicher Eindruck. Wenn man dann auf dem berühmten „Strip“ unterwegs ist, bekommt man von den dunklen Seiten des funkelnden Glücksspiels nämlich kaum noch etwas mit. Wir bedauern Daniel schon ein bisschen, der morgen nicht nur das erste Mal in Amerika zu Besuch ist, sondern seinen Einstieg hier in dieser verrückten künstlichen Welt bekommt. Ihr kennt das Schild „Welcome to fabulous Las Vegas“…:)…Wahrheit oder Schein…
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