Dann ist er plötzlich da, unser letzter Besucher – wir holen Daniel und sein unförmiges Übergepäck (unser neuer Kühler) am Flughafen von Las Vegas ab. Den halben Tag haben wir schon ein bisschen Sightseeing aus dem Auto gemacht, sind den Strip bei Tag abgefahren und haben schon die ein oder andere „Wedding-Chapel“ aus dem Fenster heraus bestaunt.
Bereits kurz nach seiner Ankunft wird Daniel ins kalte Wasser geworfen und muss mit uns den Strip bei Nacht – die man hier vor lauter Lichtern fast nicht bemerkt - abfahren. Dann fallen wir alle erschöpft in die vorgebuchten Hotelbetten, die wir genialerweise schon früher beziehen und bereits ausgiebig die Badewanne und ähnliche Luxusgegenstände genießen konnten. Anton lässt jetzt ab und zu stolz ein paar Tröpfchen durch seine Kinderklobrille fallen und hüpft auch nach über einem Jahr noch freudig auf den Betten herum. Weil unter der Woche die Hotelpreise ordentlich purzeln, buchen wir am nächsten Morgen kurzerhand ins „Excalibur“ – eine Art überdimensionale Legoritterburg – um. Wir sind beeindruckt und bereits mitten im Casino-Leben, als wir uns den Zimmerschlüssel organisieren. Wenn man in dieser Art Hotelkomplex, wie sie hier in Las Vegas üblich sind, unterwegs ist, wird man permanent an den einarmigen Banditen und Spieltischen vorbeigelenkt. Es gibt kein Tageslicht, um das Spielerleben zeitlos werden zu lassen. Kinder dürfen in Begleitung an
allem vorbei gehen, aber nicht anhalten. Wir bahnen uns zunächst den Weg durch das blinkende und klingelnde Labyrinth zum „Ritterrestaurant“, wie Anton sagen würde und essen vom Buffet, soviel wir schaffen. Schließlich müssen wir für den Fußmarsch über den langen Strip gestärkt sein. Am „New York, New York“ vorbei rattern einem die Achterbahnen über den Kopf. Die Kulissen der Hotels sind wirklich großartig – obgleich, wie bereits beschrieben, einfach nur größenwahnsinnig. Von New York, nach Paris, dann Venedig… wir marschieren ordentlich weit. Anton erwacht pünktlich zum Besuch des „Circus, Circus“, einem der wenigen Komplexe, in dem Kinder ziemlich uneingeschränkt erlaubt sind. Oberhalb der Casinoetage befindet sich ein Vergnügungsparadies für Kinder bis 99. Kamelwettrennen, Entenangeln, Körbewerfen, Gummihuhnschleudern, … für jeden Geschmack ist etwas dabei und wir amüsieren uns köstlich. In regelmäßigen Abständen werden artistische Kunststückchen im über uns gespannten Zeltdach aufgeführt. Die Etage mit den Achterbahnen ist doch etwas zu wild für uns, d.h. Andreas bekommt so langsam schon Appetit. Der ist dann schnell gestillt, als er im nahgelegenen „Stratosphere Tower“ gleich 2Fahrten bucht, bevor er sich auf der Besucherplattform in schwindelerregender Höhe (300m) fast erkundigt, ab man diese auch wieder zurück geben dürfte. Nach einiger Überwindungszeit beginnt er mit dem „Freefall“, der entgegen den Erwartungen eigentlich der größte Kick ist. Amüsiert und mit einem witzigen Foto verlässt er wenig später den „Xscream“, eine Art Achterbahnwagon, der mit Schwung vorgibt ins Leere zu fahren und dies mehrere Male. Wir sind dabei nur ermunternde Zuschauer und Fotografen – und das ist auch gut so. Um endlich unser Tagesticket zu benutzen (mit schlafendem Kind im Wagen durften wir den Bus nicht betreten!) nehmen wir noch eine kleine Reise auf
uns. Es geht ins alte Downtown, die „Freemont Street“. Hier gibt man sich alle Mühe, um die Touristen vom Strip zu locken und gleichzeitig dem Verfall der Gegend vorzubeugen. Hierzu wurde der gesamte Komplex überdacht und mit Lautsprecherbatterien ausstaffiert. Bei Dunkelheit wird nun zu jeder vollen Stunde über 300m ein wahres Lichterspektakel projiziert. Wir begnügen uns mit etwas Werbung an der Decke und nehmen einen Bus zurück gen „Bellagio“, um kurz bevor Anton die Augen zufallen, noch den Springbrunnen tanzen zu sehen. Schön kitschig und ein guter Tagesabschluss bei gedämpftem Licht und sanfter Musik. Andreas verlässt die Rittergemäche noch einmal, um das große Glück zu wagen, während der Rest der Bande erschöpft die Rüstungen in die Ecken stellt. Am Roulette-Tisch sehen die Teilnehmer zu ernsthaft aus, um nur auf Rot oder Schwarz zu setzen und unser Wunschmillionär begnügt sich mit kleineren Automaten. Tapfer spielt er das wieder herein, was er ausgibt, um dann an dieser Stelle einen aufregenden Tag zu beenden. Bevor wir uns von Las Vegas verabschieden, lösen wir ein Versprechen bei Anton ein und besuchen das dreietagige M&M-Kaufhaus, in dem es nicht nur alle möglichen Farben, neusten Füllungen und lustige Verpackungen, sondern auch ein Kino und jede Menge überteuerte Merchandise-Artikel gibt. Zur Feier des Tages füllen auch wir uns eine kleine bunte Tüte ab und amüsieren uns über Antons grandiosen Geschmack von Pink, über Lila nach Gold. Jetzt müssen wir nur noch die Vorräte auffüllen und dann nichts wie ab in die Wüste. Schluss mit dieser verrückten Welt! Von Süden her erklimmen wir einige Höhenmeter um schließlich die steile Straße hinab ins „Death Valley“ zu rolle
n. Im Sommer wird Leihmobilen eine Fahrt in dieses Tal verboten, das dann über 50°C heiß werden kann, bei der Talausfahrt enorme Steigungen hat und schon so manchen Kühler und Keilriemen gekostet hat. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit passieren wir den tiefsten Punkt (84 unter NN) „Badwater“. Für zwei Nächte – angenehm lau aber windig – quartiert sich Daniel in sein kleines Zelt ein und wir genießen es, mal wieder ohne zu frieren draußen sitzen zu können. An einem reich gefüllten Tag erkunden wir eine Vielfalt an Naturphänomenen. In von Quellen gespeisten Wasserbecken tummeln sich kleine „Pupfishs“, die Nachfahren von Kreaturen sein sollen, die bereits im vor 12000Jahren hier befindlichen See herumschwammen. Ganz in der Nähe befinden sich über eine weite Fläche vom Wind aufgetürmte Sanddünen, die man nach Lust und Laune erkunden kann. Unsere erste längere Wanderung führt in den „Marble-Canyon“, vorbei an beeindruckenden Farben und Felsformationen. Anton wandert heldenhaft, wir müssen etwas ungewollt vom Felsen springen und die Sonne brennt uns ordentlich auf den Pelz. Zum perfekten Zeitpunkt erreichen wir noch „Artist Drive“, wo im Abendlich rote, gelbe, grüne und violette Vulkanascheschichten um die Wette leuchten. Den dahinterliegenden „Zabriskies Point“ besuchen wir noch vor dem Verlassen den Parks am Folgetag. Hier haben Wind und Regen den Felsen und Gesteinen bizarre Formen verliehen. Wir verlassen den Nationalpark gen Westen und erklimmen mühevoll die hohe Bergkette. Oben treffen wir auf enormen Wind u
nd irgendwelche verrückten Army-Düsenflieger, die filmreif aus einer Schlucht heraus gejagt kommen. Passanten sagen, es seien drei gewesen und wir bedauern fast, dass kein weiterer kommt, um wirklich glauben zu können, was wir da eben gesehen haben. Wir haben uns entschieden den Sequioa-Kings Canyon Nationalpark mitzunehmen und nehmen deshalb einen kleinen Umweg in Kauf. Abgesehen davon sind um diese Jahreszeit die meisten Pässe in westlicher Richtung gesperrt und beliebtes Skigebiet. Im schönen Red Rock Canyon Statepark verweilen wir aus Zeitgründen nur bis zum nächsten Morgen und nehmen die Fahrt auf nach Bakersfield. Dort füllen wir unsere Vorräte auf und fahren die ersten Kilometer durch Kaliforniens Obstgarten. Um uns herum befinden sich zahlreiche Plantagen und vor allem Orangen wachsen in Hülle und Fülle. Gegen frühen Abend erreichen wir Three Rivers, das Tor zum Sequoia Nationalpark. Es will sich keine bezahlbare feste Unterkunft für Daniel finden und wir überreden ihn für eine Busflurnacht auf einem schön gelegenen Campingplatz, der schon mit heißen Duschen auf uns wartet. Schlechtwetterwarnungen hatten uns bereits bei der Anreise erreicht, so dass wir noch am Abend auskundschaften, ob wir ohne Winterräder und Schneeketten überhaupt in den Park dürfen. Man beruhigt uns, die Straßen seien frei und der Neuschnee käme frühestens in den Abendstunden. Um die häufig über 1000Jahre alten Sequoias (Mammutbäume) bewundern zu können, müssen wir unzähligen Serpentinen auf das auf 2000m liegende Hochplateau
folgen. Erschwerend kommt eine Baustelle hinzu, die nur alle 2h geöffnet wird und die Straße geführt einspurig befahrbar macht. Wir stehen also immens zeitig auf, erreichen die Baustelle in der letzten Minute und halten dann vor riesigen Schneebergen am Besucherzentrum unser aufgeschobenes Frühstück ab. Im Wald liegt momentan so viel Schnee, dass nur wenige viel besuchte Wege zu Fuß betretbar sind. Dem Besuch des weltdicksten Mammutbaumes „General Sherman Tree“ steht nichts im Weg. Der 83m, ca. 13 Etagen, hohe Baumriese hat einen Durchmesser von 12m. Wir wirken daneben nur wie kleine Wurzelgnome! Ringsherum liegt Schnee und es ist ein bisschen, wie eine Wunderwelt zu betreten. Anton jubelt, rutscht und staunt. Die rote Rinde leuchtet bei dieser Witterung umso mehr. Weil wir die große Freude am Schnee entdecken, entscheiden wir uns spontan zu einem Besuch der „Winter-Spiel-Gegend“ (im Sommer Picknick Gelände). Auf unserer riesigen Legotüte haben wir jede Menge Rodelspaß. Bei der dafür nötigen Überquerung einiger Wasserläufe entdecken wir sogar große Spuren im Schnee (Bären, Berglöwen?). Wir wagen uns auf einen weiteren Wanderweg, der, den Eingangspfosten nach zu urteilen, ca. 1m unter uns liegt, um noch ein paar Baumriesen aus der Nähe zu bewundern. Da der Schnee aber an vielen Stellen nachgibt und einige Strümpfe bereits nass sind, halten wir den Ausflug etwas kürzer und treten die Weiterreise über den Nordausgang des Parks an. Der sich im Norden anschließende Kings Canyon ist aufgrund der Witterungen noch geschlossen. Wir verbringen die Nacht in der Nähe von Fresno bei Walmart und nehmen am nächsten Morgen die Fährte zum Yosemite Nationalpark auf. Bereits auf halber Strecke, in Oakhurst, stehen Straßensperrungen und unbedingte Notwenigkeit von Schneeketten angeschrieben. Wir erkundigen uns also spontan nach Mietwagen und den aktuellen Wetterkonditionen und erfahren zu einen, dass der Schnee auch vor Yosemite nicht Halt gemacht hat und zum anderen, dass wir wohl oder übel zurück nach Fresno und dem dortigen Flughafen müssen. Dort bekommen wir einen roten allrädrigen Leihflitzer und gestehen uns nach dem Hin und Her ein
gemeinsames Motelzimmer samt Riesenpizza. So verweilt der große Blaue brav auf dem Flughafenparkplatz, während wir in den stark verschneiten Yosemite Nationalpark fahren. Wir finden das wiederholte Erfragen unserer Reifenart und des Allrads nach kurzer Zeit sehr verständlich und sind nur noch erstaunt über das enorm viele Weiß, dass auf den Straßen liegt, vom Himmel fällt und bereits an den Rand geschoben wurde. Der Himmel ist so verhangen, dass wir lediglich bei der Einfahrt in das Yosemite-Tal die so typischen Granitfelswände der Sierra Nevada erahnen können. Nach einem Besuch des Visitor Centers und einem Mittagssnack in der Cafeteria wagen wir uns für einen längeren Spaziergang ins Schneetreiben. Anton, der über jede abbekommene Schneeflocke jammert, schläft im Tuch versteckt einfach ein und erwacht am Ende zitternd wieder. Daniel, der sich noch am Vorabend mit neuen Wanderschuhen eindeckt, hat als einziger warme, trockene Füße. Um nicht gänzlich hier oben eingeschlossen zu werden (nur eine der Zufahrtsstraßen ist noch geöffnet), verlassen wir den Park am Nachmittag und betrachten erneut kopfschüttelnd das Schneetreiben vor den Fensterscheiben. Damit die Spannung bleibt ist unsere Heimstrecke für eine gute Weile aufgrund von Aufräumarbeiten gesperrt. In der Autovermietung hat man zum Glück Verständni
s und bereits in der Dunkelheit tauschen wir den Roten gegen unseren großen Blauen zurück. Nach einer guten Tagesfahrt sind wir schon in „Baynähe“, und verbringen die Nacht nach ausführlichem Outlet-Shopping für Daniel in San Jose. Es ist noch eine knappe Autostunde bis San Francisco, wo uns zum Abend Daniels alter Freund Misha und sein 13jähriger Sohn Janosch erwarten. Beate und die zwei Monate alte Mila sind bereits zu den Großeltern geflüchtet (nicht nur wegen uns, aber für alle die beste Lösung). An dieser Stelle sei Euch allen 4 noch einmal ein GROSSER DANK für die unkomplizierte und großzügige Unterbringung ausgesprochen!!! Unser erster Besuch der Golden Gate Brücke fällt buchstäblich ins Wasser – Nebel ist ja hier nichts Ungewöhnliches. Ein spontaner Versuch, ins „Exploratorium“ (Anfass-Technik-Museum) zu gehen, scheitert aufgrund der Öffnungszeiten. Ganz in der Nähe unserer neuen „Leihheimat“, der 7th Ave, essen wir (ganz klar!) in einem chinesischen Restaurant. Großzügig dürfen wir Janoschs Zimmer beziehen und Anton ist begeistert von seiner Leihbibliothek. Trotz gruseliger Wetterprognosen liegt ein wunderschöner Tag vor uns, der zunächst zu einem Spaziergang durch den „Fishermans Wharf“ und einem Besuch bei den berühmten Seelöwen am „Pier 39“ einlädt. Immer wieder überholen uns wunderschöne alte Straßenbahnen und natürlich steigen wir, wie es sich gehört für einen kurzen Ausflug in eines der berühmten „Cable Cars“. Die alten Holzstraßenbahnen werden über ein unterirdisches Kabelsystem auch
steile Hügel (und davon gibt es in SF viele!) hinaufgezogen und müssen bergab zweifach gebremst werden. Im zugehörigen Museum lernen wir noch ein bisschen über Technik und Geschichte des Gefährts. Auf einem Spaziergang durch „Little Italy“ suchen wir vergeblich nach einem schnellen (und günstigen!) Essen für Anton, der aufgibt und lieber einschläft. Nebenan geraten wir ins quirlig bunte „Chinatown“ und lernen „Dim Sum“ (kleine Vorspeisen) als Snack zu schätzen. Es macht einfach nur Spaß, sich die bunten Auslagen anzusehen, ob Kräuterladen, Bäckerei, Souvenirshop oder Imbiss. In den großen Läden findet jeder seinen Spaß: Anton am Miniklavier, Andreas und Daniel beim Entdecken unnützer Spielzeuge und ich beim Durchstöbern der asiatischen Keramik. Unsere Armatur schmückt nun eine winkende goldene Katze und Anton speist von einem „echten“ Teller. In großer Runde treffen wir uns dann am Familientisch und genießen Essen aus dem Ofen – Lasagne, hmm! Daniels letzter richtiger Reisetag ist leider sehr verregnet. So verbringen wir einige Stunden im „Exploratorium“ und lernen, probieren und spielen, wo es nur geht. Als wir endlich im richtigen Bus sitzen, machen wir eine halbe Stadtrundfahrt bis nach Downtown. Im Abendlicht kehren wir bei „Lori’s Diner“ ein, um auch Daniel vor seiner Abreise nochmal in die amerikanischen 50iger Jahre zu versetzen. Während er am folgenden Vormittag noch seine Sachen packt und die Nähe seines alten Freundes genießt, machen wir einen Spaziergang durch den naheliegenden Golden-
Gate-Park mit dem Ziel Haight-/Ashburystreet. Nach einem ausführlichen Spielplatzbesuch flanieren wir durch die Haightstreet, dem einstigen Treffpunkt der Blumenkinder und Friedensbeweger. Wir fühlen uns recht wohl hier zwischen den bunt gemischten Menschen allen Alters und Geschmacks und betrachten all die Fenster, in denen sich alles von Second Hand bis Edelboutique findet. Dann heißt es schon, Abschied nehmen und mit Daniels Abflug beginnt schon unsere letzte Reiseetappe. Durch Anton halten wir auch diesen Besuch wieder länger bei uns. Jedes Mal, wenn Vogelzwitschern zu hören ist, sagt er „wie Dani!“, denn der konnte das ganz wunderbar nachahmen…

| < Zurück | Weiter > |
|---|