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Welcome to Belize! Wir haben unser vertrautes Mexiko verlassen und sind bei Chetumal über die Grenze gefahren. Der Papierkram ging relativ schnell und unkompliziert, wenn man von der Unfreundlichkeit der Beamten mal absieht. Zudem sind wir nicht ganz sicher, ob uns der Grenzpolizist der mexikanischen Seite nicht eventuell gelinkt hat – wir haben eine „doppelte Einreise“ verlangt, wo man gegen etwas Geld seine Touristenkarte behalten darf und bei der
Wiedereinreise keine Formalitäten mehr zu erledigen hat. Es kann sein, dass aktuell die Gesetzeslage verändert wurde und man eh problemlos eine neue Karte bekäme – vorher gab es jedenfalls öfter die Situation, dass Reisende bei der Rückkehr nach Mexiko nur ein Transitvisa von 14Tagen bekommen hatten und das wollen wir auf jeden Fall umgehen. Nun gut, wir sind da. Belize…damit die Umstellung nicht so schwer ist, wird im Norden noch viel Spanisch gesprochen. Soll heißen, für uns ist und bleibt es die ganze Zeit irgendwie komische, die Menschen in Englisch anzusprechen, wo das doch ihre Landessprache ist. Die Bilder verändern sich; die Holzhäuser in bunten Farben, die deutlich dunkelhäutigeren Menschen, die alten Ami-Schulbusse, die hier als öffentliche Verkehrsmittel herumfahren, die schmalen „Highways“, die kleinen Orte…
Eigentlich hatten wir gedacht, die erste Nacht ziemlich grenznah in Corozal zu verbringen. Uns gefiel der Campingplatz aber gar nicht und es war noch viel zu früh am Tage. So machen wir uns auf die staubige Rütteltour nach Sarteneja, einem kleinen Fischerort. Die Straße fordert in ihrem Zustand ganz
schöne Nerven und scheint schier unendlich. Eine kleine Abwechslung bringen uns die zwei Flussfähren, die noch per Hand betrieben werden. Unter hohem körperlichen Einsatz kurbeln zwei Männer ein Drahtseil auf und ab. Ein Tramper belohnt uns bei der Ankunft in Sarteneja mit der Ernte vieler Mangos, die hier gerade die Bäume schmücken. Wir hatten gar nicht gewusst, wie viele Sorten Mango es überhaupt gibt. Wir bleiben diese Nacht vor dem Eingang von „Backpackers Paradise“ stehen, einem zurückgezogenen Mangoparadies, dass zwei junge Francoschweitzer betreiben und mit zwei Pferden, Hühnern und einer wilden Meute Moskitos bewohnen. So verbringen wir den Rest des Nachmittags im moskitodichten Aufenthaltsraum, bevor wir im Ort etwas essen gehen und das groß angekündigte Fest beobachten. Für die Karibik recht ungewöhnlich, traut sich hier scheinbar kein Mensch zu tanzen und das, obwohl sich die drei Livesänger und die Band völlig verausgaben. Wir ziehen uns ein wenig auf die Mole zurück, da kann man alles gut sehen, denn die Lautstärke ist ziemlich heftig. Kurioserweise schlafen all die mitgebrachten Babies und Kleinkinder der Dorfbewohner auch direkt vor den Boxen. Wir flüchten vor der Hitze (trotz Meeresnähe) und den Moskitos und bezwingen die Staubstraße nach Orange Walk. Unterwegs überholen wir einige Mennoniten. Wir hatten schon einiges von dieser Volksgruppe gehört und es ist schon ein ungewöhnliches Bild, diese hellhäutigen, gr
oßgewachsenen und häufig blonden Menschen in ihren Trachten und Pferdekutschen zu sehen. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, man sei 100 Jahre in die Vergangenheit gereist. In Orange Walk organisieren wir für den Folgetag die Tour zu den Ruinen von Lamanai, die man über den Fluss erreicht. Den Rest des Tages versuchen wir auf dem schattenlosen Campingplatz der Sonne zu flüchten, zu planschen im Familienbetrieb zu essen und unsere Weiterreise zu überdenken. Wenigstens haben wir hier Strom und können das Auto nachts auf angenehme Schlaftemperaturen herunter kühlen. Die Tour am Folgetag ist für uns ein wenig enttäuschend; man hatte uns den Besuch eines Mennonitendorfs angekündigt und einen Guide mit Allroundwissen über Natur und Archäologie versprochen. Die ewige Bootsfahrt von zwei Stunden war vor allem laut, wir haben nur für Klammeraffen angehalten, die etwas organisiert wirkten und ansonsten hat Wilfredo fleißig geschwiegen. In den Ruinen hat er dann losgelegt und in einem für uns nicht gut verständlichen Englisch munter erklärt. Dass Antons Kinderwagen sehr geeignet seien, finden wir später auch relativ, denn eigentlich tragen wir den kleinen König hauptsächlich in einer Sänfte über Wurzelwerk und Steine. Über die Ruinen kann man aber nicht meckern. Sie liegen toll am See, inmitten
von grünem Dschungel und es sind noch einige tolle Details zu sehen – und das nach Hurricane und Co. Die Rückfahrt ist zwar schneller, aber Erklärungen über Flora und Fauna gibt es auch diesmal nicht. Schade! Wir entscheiden bei einem Eis, heute noch die Nacht bei sicherem Strom zu bleiben und schlafen gut, bevor wir weiterreisen nach Community Baboon Sanctuary. Baboon bedeutet eigentlich Pavian, aber so werden die hier beheimateten schwarzen Brüllaffen genannt, die es nur hier, im Norden Guatemalas und im Süden Mexikos gibt. Neben 410 Einwohnern bevölkern ca. 3000 dieser Spezies die umliegenden 20.000m² Waldgebiet. Im Eintritt zum Park ist eine kleine Wanderung zu den Affen enthalten, auf die wir leider bis zum nächsten Morgen warten müssen. Unser Guide Robert scheint eher von der entspannten Sorte, singt den ganzen Tag laut vor sich hin, vertröstet uns erst auf die kühleren Abendstunden und dann ganz bis zum nächsten Tag. Zum Glück können wir die Wartezeit unter der Palappa im Schatten verbringen und Spielen, Hängematte aufbauen und Kochen. Zwischendurch kommen Kinder aus der Schule vorbeigelaufen, die uns allesamt neugierig beäugen und auf creolisch nach Antons Namen fragen. Wir beobachten die Vorschulklasse auf der Wiese gegenüber, die in der Nachmittagshitze unter lauten Rufen der Lehrerin in ihrer Schuluniform Sport machen müssen. Es wird wieder eine heiße Nacht. Der nächste Morgen belohnt uns mit der hautnahen Begegnung mit den
Brüllaffen, die aus der Hand essen und Anton kann bis heute sagen, was sie gerne mögen. Wenn nicht so viele Moskitos unterwegs wären – und Robert sagt, es seien sehr wenig – könnte man glatt noch ein wenig bleiben, um sie zu beobachten. Da werden Erinnerungen an die Arbeit im Affenpark in Bolivien wach… Von CBS fahren wir weiter nach Belize City – eigentlich auch nur, um dort etwas zum Essen zu kaufen, wir hofften auf einen Supermarkt. Wir sind so verwöhnt von Mexikos Einkaufsmärkten, dass wir uns kaum an die Idee gewöhnen können in kleine Läden alles zusammen zu suchen. Der einzige Markt, der sich hier findet – Broadies – ist so schweineteuer, dass nur reiche Leute und vor allem Weiße ein- und ausgehen. Ausversehen fahren wir durch die halbe Innenstadt, die als nicht ganz ungefährlich gilt. Nach einer sicheren Rundfahrt geht das letzte Stück skurilerweise mitten durch den Friedhof. Wir trauen uns aber nicht anzuhalten. Unser nächster Schlafplatz ist etwas ungewöhnlich, denn wir stehen in Reihe mit einigen Schiffen einem kleinen Hafen mit Rederei. Der Platz ist für Kreuzfahrttouristen so ausgebaut, dass sie im kleinen Museum, Restaurant und Kunststrand Belize und seine Attraktionen in Kürze kennenlernen können. Wir sind vor allem mal wieder von den Preisen geschockt, finden den Strand nicht wirklich attraktiv und genießen vor allem das Internet, um Euch den letzten Mexikobericht zu schreiben. Ein kleiner Schock bleibt mir allerdings noch ein Weilchen im Gedächtnis: gerade als wir ins
Bett gehen wollen, stehen im Laternenlicht hinter unserem Bus zwei schwer bewaffnete Männer, die auf den ersten Blick ein bisschen wie Freizeitguerillas wirken. Der große Schock vergeht erst, als sich der eine umdreht und auf seinem Rücken die „Security“-Aufschrift auftaucht. Es bleibt aber doch unheimlich, wie sie so um den Bus schleichen. Da steht man schon auf einem mit Kamera überwachten Platz und dann so ein Gruselfilm. Erst gegen Mittag fahren wir weiter und machen den ersten Stopp von Belizes größtem Gefängnis in Hattieville. Hier werden die Insassen seit Jahren in einer Art Resozialisierungsprogramm in verschiedenen Arbeits- und Handwerksbereichen eingesetzt. Eigentlich gibt es einen tollen Laden mit allerlei Holz- und Schmuckwaren, in den man sein Geld investieren kann, statt es sich woanders rauben zu lassen. Allerdings wird dieser gerade renoviert und umgebaut, so dass wir mit leeren Händen weiterfahren. Unser Ziel heute ist der Zoo, der inmitten von Dschungelwald die heimischen Tiere in ihrer natürlichen Umgebung hält. Anton ist am meisten fasziniert vom Tapir und natürlich vom Jaguar. Die Hitze macht uns aber ordentlich platt. Wir steuern geradewegs auf unsern Schlafplatz beim Restaurant „Amigos“ zu, wo wir gegen ein Abendessen hinter dem Haus stehen bleiben dürfen. Wir genießen den Schatten, Anton den Platz zum Klettern und Rennen, Andreas einige Bier und die Wirtsleute sind total nett. Die Nacht wird zum Desaster, als uns hunderte von Sandflies
attackieren, die durch jedes Mückennetz schlüpfen. Die Stiche jucken noch Tage später und wir müssen wohl oder übel bei geschlossenen Fenstern bis zum Morgen ausharren. Als dann vormittags kurz der Motor nicht starten will ist die Katastrophe komplett. Zum Glück nur kurz, denn der Fehler ist schnell gefunden – pünktlich kurz vor Anpfiff zur Fussballweltmeisterschaft. Auch Anton interessiert sich kurz für das Geschehen auf dem Bildschirm und wundert sich über die leidenschaftlichen Ausrufe der vier Männer am Tresen – einer davon ist sein Vater. Nach einem eher unspektakulären Spielausgang und Beseitigung des Chaos im Bus machen wir uns wieder auf die Straße. Zunächst geht’s in die übersichtliche Landeshauptstadt Belmopan zum Markteinkauf und zur Post. Gegenüber sieht man die wie Mayatempel angeordneten Regierungsgebäude, die ein bisschen wie auf einem Unicampus liegen. Dann fahren wir weiter nach Dangriga, der zweitgrößten Stadt des Landes. Um dorthin zu gelangen, fährt man auf dem wunderschönen Hummingbirdhighway. Dieser windet sich durch sattgrüne Hügel, vorbei an unzähligen Zistrusfruchtplantagen und kleinen Dörfern mit bunten Holzhäusern. Größe ist hier in Belize relativ, denn wir haben Dangriga in Nullkommanix erlaufen. Dies ist einer der Orte, in denen die Garifuna-Kultur, die vor Jahrhunderten aus einer Mischung aus westafrikanischen Sklaven und Kariben entstand, sehr lebendig ist. Etwa 7% der Bevölkerung von Belize gehören ihr an. Typisch sind zum Beispiel eine Trommelbauart und dazugehörige Rhythmen und vor allem Tänze, die
in Alltag, Riten und Religion tief verankert sind. Wir fragen uns durch den Ort, wo wir übernachten können und dürfen am Ende auf dem Grundstück von Phil und seinen „Djungle Huts“ stehen, direkt am Fluss. Es ist wieder eine warme Nacht und wir beschließen am nächsten Tag unbedingt an den Strand fahren zu müssen. Dann heißt es Abschied nehmen von Phil, seiner Frau Rebecca und den lustigen vier Kindern, die am Vortag neugierig den Bus und vor allem den armen Anton total belagert hatten. Der einzige Ort außerhalb von den vielen Inseln, an dem es wirklich Strand gibt, ist die Halbinsel Placencia. Unser mit Hoffnung angefülltes Ziel…allerdings wissen wir auch hier im Vorhinein wieder keinen Campingplatz. Die Straße ist zum Glück entgegen den Erwartungen und mit „Herrn Lehmanns“ 3.Teil „kleiner Bruder“ im Laufwerk reisen wir mit ein bisschen Berlin-Heimweh durch die Lande. Den halben Nachmittag verbringen wir damit, bei Hotels, Resorts und ähnlichem anzufragen, ob wir dort stehen könnten. Immer wieder heißt es auf die Frage, ob eine kleine Familie im Wohnmobil bleiben kann: „gerne, unsere Zimmer kosten…“. Danke schön! Ein Einheimischer bringt uns auf sein Grundstück in Strandnähe, preist Dusche, Stromanschluss etc. an, aber als wir dann an den Strand laufen und mindestens zwei Meter breit im Müll stehen, der hier vor kurzem angespült wurde, haben wir langsam die Nase voll. Es kommt wie es kommen musste, wir beißen in den sauren Apfel und nehmen uns ein Zimmer in einem netten Hotel außerhalb des großen Touristenrummels. Anton springt mal wieder freudig über die Betten und in den Pool, wir entspannen so langsam wieder und genießen die kühle Brise, die das Meer auf den hier aufgeräumten Strand bringt. Was für ein Chaos im Kopf! Belize macht es uns wirklich nicht leicht, vom Land begeistert zu sein. Es ist sicher eine Mischung: wir haben nicht die Knete, um diese tollen Inseln zu besuchen, die sicher
faszinierend sind – da haben die Amerikaner einfach die Preise zu hoch getrieben. Alles ist überhaupt teuer hier – teils teurer, als zu Hause! Ein anderer Hotelgast beschreibt zum Beispiel, dass er so gerne herkommt, weil man für nur (!) 200US$ diese Schnorcheltouren machen kann:(. Dann ist gerade Regenzeit und auch wenn wir bisher Glück hatten mit Regenfällen, so gibt es doch deutlich mehr Insekten um diese Zeit. Wenn nicht die netten Begegnungen mit einigen Einheimischen gewesen wären, verließen wir das Land sicher mit einem größeren Groll im Bauch. So nehmen wir einfach die positiven Eindrücke, Kultur und Menschen, Landschaft und Natur in der Erinnerung mit. Durch Zufall stehen wir gerade im kleinen asiatischen Supermarkt, als das erste Spiel der deutschen Mannschaft angepfiffen wird. Die Besitzer sind gleich ganz aus dem Häuschen, weil ausgerechnet wir jetzt da sind und gemeinsam bejubeln wir die vier Tore. Anton kann mittlerweile auch schon laut "Toahh!" sagen. Wir verbringen noch eine Nacht bei San Ignacio auf dem Campingplatz bei „Caesars“. Hier gibt’s mal wieder Internet und wir bringen Euch auf den neuesten Stand. Dazu fällt ein ordentlicher Regenguss bestimmt zwei Stunden lang. Da kühlt alles schön ab und wir verbringen mal wieder eine angenehme Nacht. Der Folgetagtag vergeht mit Internetbaustellen und Spielzeit, wobei Anton am Nachmittag von Caesars Kindern umringt wird. Lonzelle, Gyula und Frida haben ordentlich Power und Anton braucht ein Weilchen, um aus seiner Beobachterstarre wieder aufzutauchen und kichernd am Geschehen teilzuhaben. Eine Nacht werden wir auf jeden Fall noch im Land bleiben, bevor wir nach Guatemala einfahren, Tikal bewundern und hoffen, dass die westlichen Gebiete problemlos zu durchqueren sind, nachdem Agatha das Land durcheinander gebracht hatte. Wir freuen uns auf Berge, Kühle, moskitofreie Zonen und viel indigene Kultur.
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