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Reisebericht Guatemala III


Reisebericht Guatemala III 28.08.-06.09.2010

(Calderitas-Mexico, San Ignacio-Belize, Potun, Finca Ixobel, Quirigua, Anguiati)

Calderitas, Ausblick und Action Finca Ixobel Fragipan Blüte Finca Ixobel Pferdekacke Finca Ixobel haarige Aussichten

Wieder einmal haben wir das uns sehr ans Herz gewachsene Mexico verlassen. Nach den mittlerweile drei Wochen fällt uns der Abschied von Calderitas, dem schönen Platz und sicheren Hafen und den netten Menschen dort, sehr schwer. Wir bekommen von Beto, einem der Köche, sogar Abschieds-Glücksbringer und nur unter Anstrengung sind Tränen bei der Abfahrt vermeidbar. Wir wagen uns kaum umzuschauen, denn unser treuer Freund „Amigo“, gibt alle seine Kräfte, um Calderitas, Jonathan und Beto verwöhnen Anton uns humpelnd zu verfolgen. Er muss den Abschied bemerkt haben und hat sicher gehofft, nachdem er es in den letzten Tagen gemütlich und köstlich bei uns hatte, dass er jetzt ein Teil der Familie geworden ist. Wir haben schon immer Anton davon abhalten müssen, ihn zu streicheln, der ihn mit der Zeit sehr lieb gewonnen hatte und morgens immer als erstes nach ihm gefragt hat. Auf die Erklärung, er sei „schmutzig“ und müsse zum Arzt, antwortet er nur mit „Amigo waschen“. Damit wir genug Zeit haben uns auf den Abschied einzustellen, vergeht noch etwas Zeit mit Einkauf, Tanken, Tankdeckel-vergessen und Wieder-zurückkommen-müssen…

Das Grenzprocedere nach Belize bringen wir dann in Rekordzeit hinter uns – wir kennen uns ja schon bestens aus. Anton ist pünktlich mittendrin eingeschlafen und er darf gnädigerweise weiterschlafen. Der Zollbeamte fragt mich grinsend „are you hippies“, als ich die Bustür öffne, während ich per Handzeichen versuche seine Stimme zu drosseln. Von unseren „geschmuggelten“ Esswaren, Pepsis und Bieren will offenbar keiner etwas wissen – die darf man eigentlich wegen des Monopols der Firma „Belkin“ nicht einführen. Und dann sind wir wieder im englisch-sprachigen Belize und können uns kaum daran Finca Ixobel, Anton im Waldkindergarten gewöhnen. Mit dem Plan, das Land schnellstens zu durchqueren, wird uns dieses Mal erst richtig bewusst, wie klein Belize ist. Obwohl wir erst mittags den Platz in Mexiko verlassen haben, erreichen wir gemütlich am frühen Abend „Ceasar’s Place“ in San Ignacio unweit der guatemaltekischen Grenze. Nachdem wir den sicheren Hafen verlassen haben, tut es sehr gut, zu wissen, wo man hinfährt und was einen dort erwartet. Am nächsten Morgen fahren wir beizeiten los und noch vor dem Mittagessen sind alle Grenzformalitäten erledigt. Auch hier geht wieder alles schnell und ein guatemaltekischer Beamter erinnert sich sogar noch an unsere letzte Einreise vor zwei Monaten. Damit wir uns noch willkommener fühlen, läuft auf dem Flachbildschirm des Grenzpostens ein St.Pauli-Bundesligaspiel :). Jetzt sind es noch 2,5h Fahrt bis nach Poptun zur „Finca Ixobel“, auf Teer, etwas Schotter, durch Wald und später „Teletubbie-Hügel“. Anton schläft fleißig, Andreas fährt tapfer und ich verschwinde solange in Isabel Allendes „Siegel der Tage“. Wir richten uns auf dem Camping, den wir mal wieder für uns haben, gemütlich ein und freuen uns auf zwei entspannte Tage im Mikroklima von Pinienwald umgeben. In der ersten Nacht regnet es so gewaltig, dass man am nächsten Tag mit Finca Ixobel, geliebte Herzen Gummistiefeln bewaffnet bestens „Schiffchen“ spielen kann und Blätter u.ä. durch ein Ablaufrohr schicken kann. Man könnte meinen wir hätten Anton im Waldkindergarten abgegeben:). Wir besuchen alle Tiere, treffen alte und neue Bekannte und genießen das leckere Abendbuffet. Wir haben schon während Antons Mittagsschlaf und der Recherche bzgl. der weiteren Routenplanung beschlossen, dass wir noch eine Nacht länger bleiben. Doch dabei sollte es nicht bleiben. Unser kleiner Mann wacht mit fast 40°C Fieber am nächsten Morgen auf und mit großer Sorge und ohne Frühstück im Bauch lassen wir uns ein Tuktuk rufen, um ins örtliche Krankenhaus zu fahren. Dort werden wir ohne viel Zeitverlust und sehr freundlich aufgenommen und Anton untersucht. Um alle bösartigen Dinge auszuschließen muss ein Bluttest vorgenommen werden. Die Ärztin verschreibt uns mit Verdacht auf eine erneute Infektion des Magen-Darm-Traktes ein Antibiotikum und Paracetamol mit Himbeergeschmack und wir sollen in ca. sechs Stunden nach den Testergebnissen fragen und  Anton wiedervorstellen. Das sind die längsten und sorgenvollsten sechs Stunden unseres kleinen Familienlebens und man muss über den Ozean hinweg die Steine vom Herzen haben purzeln hören, als Dengue und Co ausgeschlossen wurden. Um den Infektionsherd aufzuspüren, denn den haben die Blutwerte ganz klar dargestellt, lassen wir noch eine Urin- und eine Stuhlprobe da. In unserer Aufregung war zunächst alles selbstverständlich, aber im Nachhinein wurde uns erst klar, wie geduldig und zugewandt man uns alle Fragen beantwortet und jeden Gefallen getan hatte – und das mal wieder völlig ohne Rechnung, weil öffentlicher Sektor. Wir verpassen leider den Moment und haben Finca Ixobel, Ping Pong auch nicht die richtige Idee, um uns irgendwie beim Krankenhausteam zu bedanken, schade! So soll gegen sechs Uhr abends unser letzter Tuktuk-Ausflug ins Krankenhaus die unauffälligen Testergebnisse des Nachmittags mit sich bringen und die Hoffnung, dass sich in den nächsten Tagen alles wieder reguliert. Das Fieber stellt uns noch eine ganze Zeit lang auf die Probe, bis es dann endlich zu sinken beginnt – trotz Paracetamol (wir bevorzugen Zäpfchen, ohne Geschmack :)). Unterdessen erkundigt sich schon die halbe Finca nach Antons Wohlergehen und so manche Guatemaltekin (Mutter, oder auch Krankenschwester) gibt uns Tipps für diverse Kräuter und Bäder, zur Fiebersenkung. Ja, etwas verunsichert sind wir aufgrund der „Chemiekeule“ schon, aber so unterwegs im Ausland und bei so schnellem hohem Fieber ist es wohl die sicherere Methode, hoffen wir! So verbringen wir insgesamt 10 Tage auf der Finca, gehen das Leben ruhig an, genießen es, abends bekocht zu werden, essen gutes Finca-Brot, versuchen Antons ansteigenden Elan im Zaum zu halten und gleichzeitig dem kranken Hasen eine schöne Zeit zu bescheren und stellen fest, dass jeder Toilettengang (besonders abends) zu einer Art Zoobesuch, Abteilung Insekten, werden kann. Da trifft  man auf Finca Ixobel, mein Traktor mit Rasenmäher ausgefallenste Spinnen, Gottesanbeterinnen, Grashüpfer wie ein Blatt geformt, Taranteln, … da sind uns farbenfrohe Raupen und Schmetterlinge, die Anton fleißig entdeckt und beobachtet, am Tage lieber! Es gibt so manche (Neu-)Entdeckung für Anton und wir sind fleißig damit beschäftigt, diese mit ihm zu teilen: den Traktor mit dem großen „Rasenmäher“ dran, Tischtennisspielen sogar mit Schläger, Feuer in der Bäckerei und der Küche, Würfeln … und  natürlich die Tiere. Andreas staunt immer wieder (positiv), dass es möglich ist, so viele Stunden ohne den Computer zu verbringen – die Verbindung ist dieses Mal schneckengleich und der Empfang nur an der Rezeption sicher. Schade, denn gerade könnte man so viele Geburtstage via Skype feiern! Ab und an sitzen wir bei Nelson im Tuktuk, der uns nun schon gut kennt und faire Preise verlangt, und spazieren durch den Markt und die Straßen Poptuns. Ein sympathisches Örtchen mit freundlichen und offenen Menschen. Kurz vor unserer Weiterfahrt treffen wir in der Finca noch auf unsere Rettungsärztin beim Familienausflug, die wir in „zivil“ fast nicht hätten zuordnen können. Wir erzählen eine Weile und werden seit langem mal wieder zu Deutschlands Wiedervereinigung befragt. Als wir Anton für Ruinas Quirigua Vergleich reisefit halten und nur noch wenige Portionen „Mehissien“, wie Anton sagt, ausstehen, heißt es Abschied nehmen von der Finca und den freundlichen Menschen dort. Anton winkt, wirft Küsschen und wir brummeln im großen Blauen davon. Wieder liegt ein bekanntes Stück Weg vor uns, denn wir fahren vorbei an Rio Dulce – einem ehemaligen Schlafplatz – und biegen erst später von der großen Hauptader zu den Ruinen von „Quirigua“ ab. Schon vorher haben wir einen regen Straßenhandel mit Bananen bemerkt und lange Zeit einen vollbeladenen LKW verfolgt, aber das hier übertrifft alles. Weit und breit nur Bananenbäume, in blaue Tüten verpackte Stauden, Schienentransportsysteme und jede Menge Transporter. Wir stellen den Bus auf dem Parkplatz der archäologischen Stätte ab und entscheiden uns, aufgrund der frühen Schließungszeit, sie erst am Folgetag zu besichtigen. So bleibt uns jede Menge Zeit, das rege Treiben, der Bananenwelt zu beobachten, zu kochen und uns den Nachbarn vorzustellen. Die Souvenir-Verkäufer bauen abends alles ab und schlafen dann auch hier vor Ort. Erst stehen wir unter einem großen Baum, der bei jedem Windstoß kleine weiße Blüten schneien lässt. Im Bus sieht es schon aus wie auf einer Hochzeitsfeier. Dann werden wir gebeten, doch lieber umzuparken, denn die Äste seien nicht vertrauenswürdig und der Wind recht stark. So stehen wir dichter an unseren Nachbarn, nebenan schwelen Kokosnüsse gegen Moskitos und der laufende Fernseher gaukelt uns vor, mitten im Weltgeschehen zu sein. Am nächsten Morgen begrüßen wir nach dem Frühstück eine Hundertschaft (so erscheint es) von Parkmitarbeitern und machen uns auf, „die Stadt der Stelen“ zu entdecken. Quirigua soll als Handelszentrum für Jade und Obsidian zwischen Tikal und Copan (Honduras) gedient haben und befindet sich in einem sehr fruchtbaren Gebiet, dass Ruinas Quirigua und Anton jährlich durch den über die Ufer tretenden Rio Motagua genährt wird. Die diesjährlichen Überschwemmungen durch „Agatha“ haben allerdings ein ungeahntes Ausmaß angenommen. Der Platz an dem wir übernachten durften stand über einen Meter rief im Wasser, viele Menschen mussten evakuiert werden und auch an den alten behauenen Steinen und Mauern sind noch Spuren seit Mai zu erkennen. Wir bewundern zum Teil sehr gut erhaltenen Stelen von ca. 750 - 800 n.C., die größte über 10m hoch, die die verschiedenen Herrscher und ihren Aufstieg und Niedergang beschreiben. Desweiteren sind verschiedene „zoomorphe“ Altäre zu bestaunen, die zum einen wegen ihrer Form (Jaguar, Kröte etc.) zum anderen durch kleine Details beeindrucken. Weil wir bei Ruinenbesuchen Klettern gewohnt sind, erklimmen wir natürlich auch die Akropolis, die einzigen freigelegten Gebäude der Anlage und finden auch dort überraschende Details – neben fleißigen Arbeitern. Jetzt besorgen wir nur noch die Postkarte für Antons Sammlung und dann brechen wir auf in Richtung Chiquimula. Die Fahrt ist bis auf die Hitze gut zu bewältigen. Anton schläft einfach ein bisschen und ich lese in den letzten Seiten meines Buches. Kurz hinter dem Ort findet sich ein Einkaufszentrum, das vor allem durch seine gekühlten Räume zum Verweilen einlädt. Wir kaufen noch ein wenig ein, spazieren durch diese überraschend fremde Glimmer-Plastik-Welt, Quirigua, ausgerechnet Bananen Anton sitzt in diversen Kinder-Hubschraubern und –Flugzeugen und dann treten wir so langsam die Weiterreise an. Vor uns liegen noch ca. 50km bis zu el salvadorianischen Grenze, davon das letzte Stück bestens neu geteert. Das erste Mal seit langem ist Andreas‘ Geduld gefragt bei der Abwicklung der Grenzformalitäten. Ein Hin und Her, man möchte auch Kopien bei der Ausreise … und fast hätten wir vergessen uns auszustempeln, d.h., wir hatten gedacht, das „C4-Gesetz“ zwischen Guatemala, El Salvador, Honduras und Nicaragua, sehe das anders vor. Mitten im Stress rennt hinter Andreas eine aufgeregte Hundemeute her – der letzte schnappt ihm doch tatsächlich noch ins Bein, zum Glück durch die Hose! Was für ein Abschied! Adios, Guatemala, cuidate! Hoffen wir, dass keine schlimmen Unwetter mehr über Dich kommen und das Land genug Kraft hat, alles Geschehene gut zu versorgen und zu reparieren. Da war unsere Kleiderspende am Atitlansee nur ein minikleiner Versuch, zu unterstützen.
Wir machen uns jetzt auf nach El Salvador und berichten von dort, was wir entdecken und kennenlernen durften. Hasta la vista!

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Finca Ixobel Mandarinen Fussball Ruinas Quirigua und Anton Calderitas, tägliche Entdeckungen Calderitas, Amigo folgt auf Schritt und Tritt

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