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Reisebericht Guatemala I 15.06.-26.06.2010

(Melchor de Mencos, Tikal, Potun-Finca Ixobel, Rio Dulce, Lago Izabal, Ciudad Guatemala, Antigua)

Antigua, Auto Ruinas Tikal, Grille Antigua, Reste des Klosters La Recolecion Anton abends im Bus

„Dias“ wiederholt Anton jetzt fröhlich, wenn wir jemanden begrüßen. Wir sind zurück im Spanischen und haben, nach einem Wechsel und einer weiteren Runias Tikal Templo del Jaguar Nacht auf dem Ingelwood-Camping bei San Ignacio, Belize verlassen. Das Grenzprocedere verlief ohne Komplikationen und die guatemaltekischen Zollbeamten waren ausnahmsweise sogar mal humorvoll. Direkt im Ort Melchor de Mencos finden wir noch eine Bank, um die nötigen Quetzales abzuheben und tätigen einen Einkauf, der vielleicht aufgrund der Grenznähe preislich keinen großen Unterschied zu Belize hat merken lassen. Unsere heutige Tour führt nach Tikal, dem größten Zeremonialzentrum des ganzen Mayalandes inmitten der Urwälder der Petén-Region. Die Straße erweist sich entgegen den Warnungen bis auf einige Pistenabschnitte als außerordentlich gut. Von Überfällen und unsicheren Gegenden haben wir nichts bemerkt und landen unversehrt im Gelände der archäologischen Stätte.

Da wir erst nachmittags ankommen gelten die Eintrittskarten gleich für den folgenden Tag mit. Wir machen uns auf eine erste zweistündige Exkursion und wollen uns einen ersten Eindruck vom Weltkulturerbe und seiner tollen Umgebung verschaffen. Forscher haben in Tikal auf 16km² - dem Zentrum der Stätte – Überreste von 3000 Bauwerken  verzeichnet. Es ist Wahnsinn, wenn man sich vorstellt, dass die Ruinas Tikas, Akropolis del norte Stadt noch viel größer war und der Urwald noch so manches unter sich verborgen hält. Wir verbringen unseren ersten Besuch vornehmlich auf dem Hauptplatz, wo sich der „Jaguar“-Tempel und der „Tempel der Masken“ gegenüberstehen. Wir alle – auch Anton – klettern und staunen, genießen Aus- und Ansichten, bewundern Details und Größe der Bauwerke und beschließen einstimmig, dass dies hier die für uns wohl am beeindruckendste Anlage von allen ist, die wir im Mayaland besucht haben. Zur Krönung dürfen wir noch am abendlichen Spektakel der örtlichen Papageien und einem Familienausflug von Klammeraffen teilhaben. Der nächste Tag beginnt wieder zeitig, denn wir haben viel vor uns: Steine, Steine, Steine und dazu den Dschungel mit seinen Pflanzen und Tieren. Vom Templo IV hat man die Postkartenaussicht auf die Tempelspitzen, die aus dem Meer aus Wald herausragen. Gut, dass wir diesen Aufstieg nehmen, denn den Templo V besteigt man fast senkrecht und hoffentlich schwindelfrei – wir also besser nicht :). So verbringen wir den halben Tag in dieser mystischen Zauberwelt, treffen Affen, Nasenbären und hören Brüllaffen … und wir sind ganz sicher, dass wir bei weitem nicht alles Finca Ixobel, täglicher Ausflug zu den Schafen gesehen haben.  Ca. 180km entfernt, in der Nähe von Poptun, fahren wir von der Landstraße ab und entdecken ein besonderes Stückchen Erde: Finca Ixobel. Hier inmitten eines Hügellandes, mit Kiefernwäldern und angenehmen Temperaturen, liegt dieses Gehöft mit Badeteich, Gemüsegarten, Pferden, Schafen, Hühnern, Baumhäusern, Campingplatz, Hotelzimmern…und leckerstem Essen. Eigentlich sollte dieser Punkt auf der Landkarte nur eine Zwischenübernachtung werden. Wir fühlen uns hier so wohl, genießen das Klima, die Ruhe, das Mal-wieder-irgendwo-ankommen und Anton verliebt sich in alle Tiere. So bleiben wir drei Nächte, besuchen mindestens dreimal täglich die Tiere und entdecken einige bunte Raupen am Frangipanibaum – daraufhin musste „die kleine Raupe Nimmersatt“ aus der Kiste gezaubert werden. Wir sehen die WM-Fußballspiele morgens um 5:30 Uhr, essen lecker vom Abendbuffet, sehen endlich „Baby Ronja“ via Skype und zum Abschluss gönnen wir uns einen Ausflug zu Pferde. Für Anton ist es sicher nicht verkehrt, dass diese eher vom gemütlichen Schlag sind. Der arme Andreas muss aber permanent seinem „muneco“ gut zureden, damit er überhaupt einigermaßen Schritt hält – eigentlich trottet er mehr so hinterher. Nachdem Anton Bäume, Blumen und auch „Bäge“ (Berge) von meinem Rücken aus bewundert hat, regt ihn Finca Ixobel, Reitausflug die Rüttelei doch noch zu einem Vormittagsnickerchen an. Noch am gleichen Tag legen wir die ca. 80km nach Rio Dulce zurück und übernachten am Hafen von „Brunos Hotel“. Der Blaue hat die ersten Berge erklommen und ist somit auf die große Reise ins Hochland Guatemalas vorbereitet. Hier am Lago Itzabal übernachten wir wirklich nur auf einen Zwischenstopp und der Ort ist für uns auch nicht besonders reizvoll. Wir baden im Pool und Anton freut sich an den anderen Kindern und endlich mal wieder einer Schaukel. Wir sind auf eine 6-7stündige Fahrt eingestellt und beruhigen uns mit dem Gedanken, dass wir auch im Notfall eine Zwischenübernachtung finden würden. Am liebsten ist uns aber, dass wir an einem der beschriebenen Schlafplätze ankommen und das gefährliche Chaos der Landeshauptstadt „Guate“ schön hinter uns liegen lassen. Und so ist es dann auch. Wir durchqueren die vollen Straßen und Baustellen von Ciudad Guatemala erstaunlich gut und problemlos und steuern die alte Hauptstadt Antigua an. Eigentlich wollen wir in einem Naturpark noch außerhalb des Ortes bleiben, aber bei der steilen Talfahrt und schon leicht riechenden Bremsen verpassen wir irgendwie die Abfahrt. So bringt uns der Zufall doch ins Herz der Stadt und auf einen irgendwie besonderen Platz. Vom eigentlich ausgeschriebenen Parkplatz schickt man uns weg und zu Antigua, Chicken Busse einem privaten Parkgelände. Hier darf vor allem während der weltbekannten Osterprozessionen geparkt werden, aber wir dürfen auch jetzt bleiben und bewundern den Anblick der umliegenden Vulkane und Klosterruinen. Nachts ist der Park geschlossen und eine kleine Familie lebt hier und bewacht, am Tage arbeiten fleißige Gärtner und im hinteren Teil unterrichtet ein Sportlehrer Aerobic- und Tanzgruppen. Antigua hält mehr für uns bereit, als wir je vermutet hätten und so verlängern wir unseren Aufenthalt täglich auf insgesamt fünf Nächte. Unser „Bewacher“ Isaac meint mit einem Schmunzeln, wir könnten auch gerne ein ganzes Jahr bleiben. Anton liebt diesen Ort. Zuerst entdecken wir die örtliche Feuerwehr und dürfen nach einer freundlichen Begrüßung sogar die Fahrzeuge von innen besichtigen. Dann beschreibt Anton mit „noch“ und „noch“, wie viele von diesen typischen bunten, schrill hupenden „Hühnerbussen“ hier herumfahren. Alte US-Schulbusse werden aufgepeppt, gekürzt und liebevoll dekoriert und durchkreuzen schnaufend und oft stinkend das ganze Land. Da gleich in der Nähe, am Markt, der Busbahnhof ist, besehen wir uns die lustigen Ungestüme mal aus der Nähe und wir wissen gar nicht, was wir zuerst fotografieren sollen. Toll sehen sie aus, vor dieser Kulisse mit Vulkan und Kolonialstadt. Antigua liegt auf angenehmen 1500m Höhe umgeben von drei Vulkanen, von denen „fuego“ (Feuer) noch immer ab und an Asche spuckt. Die Stadt hat sich viel aus der Atmosphäre des 16. Bis 18.Jahrhunderts bewahrt, wo sie Hauptstadt des Königreiches Guatemala und damit als wirtschaftliches, geistiges und kulturelles Zentrum des Antigua, vom Erdbeben im 18Jh. zerstörte  Kathedrale Subkontinentes galt. Die Stadt war eine Stadt der Kirchen, Klöster, Konvente und Kapellen und im erbitterten Machtkampf um Geld, Einfluss und Besitz wurden im 18.Jahrhundert noch immer neue Kirchen und Orden gegründet. Die Stadtgründer hatten nur keine geologischen Erwägungen gezogen und die Kraft der Naturgewalten unterschätzt. „Die Götter der Unterwelt“ verwandelten 1773 in einem verheerenden Erdbeben in nur wenigen Minuten die Stadt in einen Trümmerhaufen und beendeten somit die kirchliche Macht kolonialer Prägung. Wie wir so in den mächtigen Trümmern der alten Kathedrale und des Recolección-Klosters stehen und vor uns riesige Teile aus Bögen, Säulen und Mauern liegen, können wir uns kaum vorstellen, dass überhaupt irgendetwas diesem Beben hätte widerstehen können. Gleichzeitig waren wir uns einig, dass man sich in einem nach oben offenen Gotteshaus, dem Himmel eigentlich viel näher fühlt :). Antigua versprüht Charme mit seinen Kolonialbauten, den pastellfarbenen Hauswänden (an denen zum Teil deutlich der Zahn der Zeit nagt), den Pflastersteinstraßen, den vielen Kirchen, der großen grünen Plaza in der Mitte, der überschaubaren Größe…der unübersehbare Tourismus macht sich zwar breit, ist aber für uns in erträglichem Maße. Vor allem die Freundlichkeit der Menschen fällt uns immer wieder auf, einfach in der Begegnung, im Antigua, Verde Eventos unser Kontakt. Die Sonne meint es gut mit uns und außer an einem ersten grauen regnerischen Tag und eventuellen Nachmittagströpfchen setzt sie den Ort in ein bezauberndes Licht. Wir genießen es, auf dem Markt einzukaufen (auch wenn wir uns wieder nicht trauen, Bilder zu machen:) ), spazieren, halten auf Plätzen inne und besichtigen so viele Kirchen, wie sonst nie. Anton findet dies spannend, fragt nach “ie“ (Marie), bewundert die Kerzen und Lichter und schimpft immer, wenn wir die Gebäude wieder verlassen. Eines Nachmittags bekommt er von einer alten Frau, die wir zuvor schon freudig beobachtet hatten, einen Ball geschenkt. Wir seien hier an einem Kindertreffpunkt und da spiele man eben Ball. Sie scheint Kinder zu kennen und muss gemerkt haben, wie Anton zielstrebig auf die ballspielenden Kinder zugegangen war. Schade, dass wir sie nicht nochmal wieder getroffen haben, um ihr zu berichten, dass Anton nichts anderes mehr spielen will und in kürzester Zeit ein großer Fußballfan geworden ist. Wie passend, denn so langsam werden auch die WM-Spiele spannender und er ruft schon begeistert „Tor“, wenn er munter gegen den Ball tritt. Auf unseren Ausflug zu „Cerro de la Cruz“, einem nahegelegenen Hügel, lassen wir uns, wie empfohlen, polizeilich begleiten. Begleiten ist aber eher relativ gemeint, denn eigentlich rennen wir dem ersten Polizisten im Sportschritt hinterher, während der zweite auf dem Motorrad immer wieder für uns anhalten muss. Echter Frühsport! Auch vor Ort ist die Antigua, Ausblick auf die  Vulkane von cerro de la cruz Polizei präsent und zwischen den anderen Touristen fühlen wir uns alles andere als unsicher. Einen weiteren Ausflug machen wir ins nahe gelegene San Antonio de Aguas Calientes, dass für seine Webereien bekannt ist. Natürlich fahren wir in so einem faszinierenden Hühnerbus und Anton ist mal wieder die Attraktion. In „unserem“ Park wird fleißig an Isaacs Auto repariert und Andreas nutzt die Chance und heuert den Mechaniker an, unseren Ölwechsel vorzunehmen und die Bremsen noch einmal richtig einzustellen. Das ist auch gut so, denn die Fahrt zum Atitlan-See wird nochmal eine ordentliche Herausforderung. Gegenüber in einer Spezialwerkstatt lassen wir noch den Anlasser, der uns in San Cristobal/Mexiko verlassen hatte, reparieren. So sind wir wieder gerüstet für eventuelle Notfälle. Der Himmel zieht etwas zu, bevor wir die Stadt verlassen und wir fahren mutig in noch höhere Berge auf unser nächstes Ziel, den Atitlan-See, zu. Nos Vemos! Hasta Pronto!

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Antigua, Vulkan Fuego spuckt Rauch Finca Ixobel, Burger-Time Finca ixobel, Raube auf Frangipanbaum Ruinas Tikal, zwei beim klettern

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