Uff, wir rollen! Wir haben nochmal Glück gehabt und der Bus ist mit Anrollen wieder in Schwung gekommen, nachdem der Anlasser uns mal wieder im Stich lassen wollte. Da uns dies einige Zeit gekostet hat und wir noch
einige Berge zu erklimmen haben, erreichen wir unseren Zielort Comitan erst in der angebrochenen Dunkelheit. Es ist aber ein gutes Gefühl, den Weg bereits zu kennen und zu wissen, wo wir die anstehende Nacht verbringen – Walmart lässt grüßen. Wir sind völlig überfrachtet von den Eindrücken, die uns der Shopping mitsamt den Massen, die hier unterwegs sind, entgegenbringt.Die Auswahl der Lebensmittel ist auf eine Art überfordernd, obwohl wir uns doch auch irgendwie darauf gefreut hatten. Verrückt, wie amerikanisiert uns dieses Mexiko auf einmal erscheint! Da uns die Fahrtüchtigkeit unseres Busses nun sehr am Herzen liegt, erkundigen wir uns am nächsten Morgen vor Ort nach einer Werkstatt. Weil wir vor verschlossenen Türen stehen und erfahren haben, dass es in Tuxtla Gutierrez eine Mercedes-Filiale gibt, beschließen wir kurzer Hand den Umweg in Kauf zu nehmen, an San Cristobal – unserem eigentlichen Ziel – vorbeizufahren und in Tuxtla das Auto wieder auf Vordermann zu bringen. Als wir endlich bei Mercedes vor der Tür stehen, wird zunächst ein umfangreiches Protokoll aufgenommen. Bei Einfahrt in den Hof/ die Werkstatt sind wir sehr überrascht über die gähnende Leere, denn weder Fahrzeuge (also Arbeit) noch Werkzeuge sind zu erspähen. Immerhin ist die Einstellung der
Bremsen (die Handbremse wollte partout nicht mehr) gut und schnell gemacht. Auch das Problem am Anlasser scheint schnell gefunden. Ein freundlicher Mitarbeiter will uns aber lieber an einen günstigeren Ort für diese Art Reparatur bringen und so landen wir einen Kilometer entfernt auf einem staubigen Hof. Man verspricht uns sogleich gute, schnelle und ehrliche Arbeit – warum auch immer dies zuvor so betont werden musste?! Nach sieben Stunden Aufenthalt sind all diese Versprechungen relativiert. Zum Glück gab es Steinchen, Stöckchen und einen spannenden Bagger, um auch Anton bei Laune zu halten. Der ist am Ende einfach nur noch eingeschlafen. Der Arbeitseinsatz hielt sich auch in Grenzen, denn allein der Ausbau des zu wechselnden Teiles hat vier Stunden gedauert! Man erinnere sich an den schnellen Einsatz von Andreas und Mathias im Mai, die die komplette Prozedur in dieser Zeit vollbracht haben! Der Meister will uns zwischenzeitlich alte oder nicht kompatible Teile andrehen, versucht bei der Besorgung neuer Teile Profit herauszuschlagen – so viel zum Thema ehrliche Arbeit – und ist am Ende sauer, als Andreas, den im Kofferraum befindlichen alten Anlasser herausholt und diese verbaut werden soll. Jeden Handgriff muss man verfolgen, damit auch ja alle Schrauben wieder sitzen – später
fehlt dann doch noch etwas. Was für ein verhunzter Tag! Wenigstens fährt das Auto wieder und wir lassen uns in dunkler Nacht dann endlich auf unserm bekannten Camping im schönen San Cristobal nieder. Es ist auch hier auf über 2000m ordentlich frisch in der Nacht und der Tag beginnt mit vielen warmen Zwiebelschichten, die so nach und nach erst abgelegt werden können. Unser erster Tag, der letzte in diesem Jahr, ist von Erschöpfung dominiert und wir sind kaum richtig eingestellt, auf einen lauten, bunten und fröhlichen Jahreswechsel. Wir begrüßen Antons Lieblingsplaza vor der Kathedrale mit einem kleinen Fußballspiel, bestaunen die vielen Gäste in der Fußgängerzone und erstehen auf dem Markt doch noch das ein oder andere Feuerwerk. Den Abend verbringen wir doch ruhig auf unserem Campingplatz, wo uns freundlicherweise die Besitzer auf ein Gläschen einladen. Der verspielte Papa dreht für seinen Sohn die Uhren schon einmal auf Mitternacht und zaubert das ein oder andere Spektakel, um die bösen Geister zu vertreiben und die guten feierlich zu begrüßen. Anton, der angemeldet hatte, dass ihm Feuerwerk viel zu laut sei, tanzt zu den sich drehenden Riesenwunderkerzen und staunt nicht schlecht über Sternenregen und Minivulkane. Während der kleine Mann sich in das neue, vielversprechende Jahr träumt, sitzen wir am Feuerchen und frösteln in die Mitte der Nacht hinein. Dann donnert es nur so um uns herum und wir sind sicher, dass kein böser Geist dies zu überleben vermag. Unserer Einladung auf ein Gläschen konnten wir aufgrund übermäßiger Müdigkeit leider nicht mehr nachkommen. Hoffentlich wird das neue Jahr energiegeladener, als wir es gerade begrüßt haben :)! Feliz ano nuevo! heißt es auf jeder kleinen Einkaufstüte und mirnichtsdirnichts sind wir schon mittendrin. Wir verbringen eine knappe Woche in dieser unserer
Lieblingsstadt. Es gibt einen kompletten Werkstatttag, an dem sehr qualifiziert allerlei gerichtet und gewechselt wird, der tropfende Kühler wird gelötet (bis er sich dann das nächste Mal meldet…), die Wasserpumpe wird getauscht, neue Gummis für Stabi und Federn, und und, und. Andreas beschließt einen sehr erfolgreichen Tag. Anton und ich sind derweil durch die Stadt gezogen, haben einen Spielplatz gesucht, Fußball auf der Plaza gespielt, Briefe in die Post gebracht und die schrill geschmückte Guadelupe-Kirche erklommen und bewundert. Dann heißt es langsam Abschied nehmen und dieses Mal für längerfristig. Die Weiterfahrt führt über Tuxtla Gutierrez, wo wir einen gelungenen Ausflug in den Zoo(mat) machen, der heimische Tiere in angenehm naturbelassener Umgebung beherbergt. Mit etwas Bauchkneifen rollen wir im Anschluss an der Hofwerkstatt vorbei und steuern auf Ocozocautla zu, wo wir auf dem Gelände des Kinderheimes nächtigen. Zuvor unterzieht Andreas, d.h. eine fleißige Mannschaft, den Bus einer ordentlich Motor- und Unterbodenwäsche. Dann haben wir den Salat und es tauchen einige zu schweißende Roststellen auf, die hier im Ort keiner bereit
ist, anzugehen. Im Kinderheim werden wir von den wenigen Anwesenden sehr freundlich aufgenommen. Gerade sind noch Ferien und von den über siebzig Kindern und Jugendlichen sind nur 15 vor Ort. Auf der großen Wiese gibt es richtige Wohnmobilplätze auf denen man umsonst stehen kann und Anton bestaunt auch den Spielplatz und die Schweine, Hühner und Schafe, die hier leben. Schade, dass wir nur auf der Durchreise sind, denn sonst hätten wir uns sicher mehr auf das Leben hier einlassen können. Eigentlich soll in der heißen Bucht von Tehuantepec die nächste Zwischenstation auf dem Weg an die Küste sein. Im bereits bekannten Hotel Cali lässt man uns aber nicht stehen und den vermüllten unbewohnten Campingplatz außerhalb lassen wir geschwind hinter uns. Wir bevorzugen die Weiterfahrt, obgleich sich die bergige Küstenstraße wie Kaugummi in die Länge zieht. So fahren wir leider in die Dämmerung hinein und erreichen die Bucht von Huatulco erst in der Dunkelheit. In Tangolunda steht man unter Palmen unweit vom Strand und neben uns zeltet auch die ein oder andere einheimische Familie. Obwohl der Ort an sich völlig uninteressant und von Hotels total zugebaut ist, stehen wir an einem netten Platz und genießen einfach Sand und Sonne – mit einem Tag Verlängerung. Hier begegnen wir auch Heinz, der vor 30Jahren mithilfe der Gewinne aus Dartspielen seiner Stammkneipe nach Canada gekommen und dort geblieben ist. Er ist ein lustiger Westfale mit einer witzigen Geschichte, der
Andreas gleich mal mit zum Einkaufen und auf Spritztour nimmt. Dann kommt es kurzerhand zu einem spontanen Busfreaks-Treffen. Seit einer Weile hatte Andreas schon die Reiseerlebnisse von Micha, Tanja und Hündin Tammy (die auch im Busfreaks-Forum vertreten sind) durch Nordamerika verfolgt und nun sind wir einander so nahe, dass wir uns in Zipolite, einem alten Hippie-Strandort, verabredet haben. Täglich verlängern wir den Aufenthalt und wechseln zwischendurch nur den Standort näher ans Wasser (auch viel günstiger). So sind es vier sonnige gemeinsame Tage mit viel Austausch, zusammen kochen/essen und genießen. Ab und an gesellen sich Lore und Peter hinzu, die mit den dreien immer wieder an vielen Orten aufeinander treffen, und wir erzählen und lachen fröhlich miteinander. Unser nächstes Ziel ist die zuletzt immer wieder durch Schlagzeilen bekannt gewordene Stadt Acapulco. Wir wissen, dass es zu viele Kilometer bis dorthin sind und stellen uns auf eine spontane Zwischenübernachtung ein. Ein von Bergdorfbewohnern geführter Streik kommt uns dazwischen. Gute 250km vom Zielort entfernt liegen große Steine quer über die Fahrbahn und von 6:00 bis
18:00 rollt dort kein Fahrzeug. Es gibt keine Gefahr für uns und wir haben quasi Glück, dass wir nachmittags dort ankommen, denn damit verkürzt sich die Wartezeit ungemein. Ganz überrascht waren wir auch nicht, dann andere Reisende hatten uns schon von diversen Streiks berichtet, die im Staat Oaxaca wohl öfter an der Tagesordnung stehen. Wenn es um mehr Rechte und Gerechtigkeit geht, nehmen wir auch gerne mal eine Wartezeit in Kauf. Im Schatten geparkt, beobachten wir die Großproduktion von Tamales für einen Feiertag und zwei lustige Kinder amüsieren Anton mit Versteckspielen. Die Tankstelle, die wir später in der Dunkelheit ansteuern, ist nicht gerade die beste Wahl. Dennoch schlafen wir sicher und erreichen die Bucht von Acapulco, die so gern von Kreuzfahrtschiffen (ich erinnere mich noch an Folgen der Serie „Loveboat“ :)) besucht wird und dem ersten
Eindruck nach nur aus Hotels und Condominios (Wohnanlagen) besteht. In diesem so harmlos aussehenden schicken Ort, bekämpfen sich die Drogenkartelle und es gibt zunehmend Todesopfer. Es dauert auch nicht lange, bis die ersten Spezialeinheiten an uns vorbeirollen, während wir entlang der Küstenstraße, am Zentrum vorbei, in den ruhigen Vorort Pie de la Cuesta fahren. Wir stehen mit Meerblick, umgeben von einer Menge deutschen Reisenden und Überwinterern, die Andreas fröhlich in das alltägliche Nachmittags-Boccia-Spiel integrieren. Es ist derart ungewohnt, so viele deutsche Unterhaltungen zu führen, dass Anton zunächst nicht einmal die Frage nach seinem Namen versteht – wir bitten die Leute, ihn sicherheitshalber auf Spanisch zu fragen. Eigentlich wollten wir nur die famosen Klippenspringer sehen und ein bisschen die Innenstadt erkunden. Dann werden doch mehrere Tage Aufenthalt daraus, denn die Elektrik, d.h. unser Spannungswandler und die Klimaanlage müssen in Schwung gebracht werden und das dauert. Zuletzt will dann auch noch der Kühlschrank nur noch auf 24V laufen. Im Moment ist etwas der Wurm drin und so langsam reicht es an Zwischenfällen.
Dafür verbringen wir sehr nette Zeiten mit unseren Nachbarn Uschi und Siggi, die sich zuletzt als Nachbarn von Freunden in Andreas Heimat herausstellen und leider eine andere Reiseroute haben. Wer weiß, wir sehen uns bestimmt bald einmal wieder! Auch profitieren wir sehr von Jörg-Erich und Giselas Reiseerfahrungen. Auf den Ausflügen in die Stadt, die mit einer kurvigen, beschallenden Busfahrt beginnen und enden, erkunden wir den Kinderpark „Papagayo“ und die eindrucksvolle Kulisse des Bucht von Acapulco und bewundern mit angehaltenem Atem die Klippenspringer. Aus steigender Höhe und aus bis zu 35m Höhe, springen junge Männer kunstvoll in die schmale Bucht, nachdem sie die Jungfrau geküsst und Applaus erhalten haben. Verrückt! Kurz bevor wir den Platz verlassen wollen, gesellen sich die Australier Math und Lara mit dem 2jährigen Tasman zu uns und wir bedauern, dass wir so wenig Zeit miteinander haben. Anton erholt sich
schnell von einem kurzen Fieber und wir verlassen die Küste ins bergige Inland. Wir haben uns für eine neue Route entschieden, nehmen noch einmal viele hohe Berge in Kauf und werden in wenigen Tagen im zentralen Mexico auf Johanna treffen.
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