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Wie im Fluge ist sie vergangen, die gemeinsame Zeit mit Andreas‘ Familie hier in Mexiko. Die Zeit war so reicht gefüllt an Ereignissen und Entdeckungen, dass wir erst jetzt im Nachhinein dazu kommen, alles zu dokumentieren, damit auch Ihr daran teilhaben könnt. Zunächst der erste Teil:
Den ersten Besuch mussten wir uns ganz schön verdienen, denn die arme Oma Ursel hat sage und schreibe 1,5h gebraucht, um überhaupt aus der Glastür herauszutreten, vor der wir schon sehnsüchtig gewartet hatten. Zu viele Flieger gleichzeitig, nur zwei geöffnete Schalter für die Einreiseformalitäten…aber immer mit der Ruhe, wir sind hier in Mexiko… Wie oft hatten wir Anton schon erklärt, dass „die Oma bald mit dem Flugzeug kommt und wir ihr dann das Meer zeigen“ – mittlerweile braucht man nur „Oma“ zu sagen und Anton macht seine typische Flugzeugarmbewegung und ruft begeistert „mea“.
Kaum steht Ursel wirklich vor uns, erstarrt sein Gesichtsausdruck und er muss scheinbar erst einmal ein Weilchen realisieren, dass sie es wirklich ist. Weil wir ja jetzt Omas Fahrer sind, dürfen wir ganz selbstverständlich vor ihrem Hotel parken und bekommen so einen guten Platz, dass wir für die nächsten Tage besser gar nicht mehr hier wegfahren. Brauchen wir auch nicht, denn für den einen gemütlichen Tag in Playa del Carmen ist kein Auto notwendig. Wir spazieren von Schatten zu Schatten durch die Fußgängerzone, entdecken doch noch einen tollen Spielplatz für Anton, Ursel isst ihre weltbeste Guacamole (damit teilt sie i
n den nächsten Wochen eine große Leidenschaft ihres Enkels) und wir erklären die Hotellobby (ein Palmendach im tropischen Garten mit Sofas und Internetempfang) für unser Wohnzimmer der nächsten Tage. Am Strand kann man kaum länger sitzen, weil im Moment ein so starker Wind bläst, dass kleine Sandburgenbauer nur wütend die Augen zukneifen und dazu gibt es für alle Peeling umsonst. Wenigstens können wir uns damit den Besuch in einem der vielen Spas der Umgebung sparen:). Am späten Abend des 1.Mai kehrt Andreas mit diesmal 4h Verspätung mit Mathias, Alice und dem Mietwagen aus Cancun zurück. Unsere beiden Australier waren fast zwei Tage hierher unterwegs und alle sind froh, als sie endlich da sind. Mathias haben wir schon lange nicht gesehen und Alice wollten wir nun endlich mal kennenlernen. Ganz schön mutig von dieser lebenslustigen Italienerin, sich kopfüber in 3,5 Wochen Familienurlaub zu stürzen. Aber wir haben uns natürlich alle auch recht anständig benommen :). Entgegen allen Verboten zur Nutzung der Hotelanlage haben wir ohne Probleme sehr wohl, Omas Dusche benutzt, gebadet und auf ihren Betten geturnt. Die nächste Nacht allerdings stellen wir uns wieder in Xcalacoco an den Strandplatz, weil
es dort nachts einiges kühler ist und krönen nebenan den ersten gemeinsamen Abend mit Steinofenpizza. Jetzt geht die Fahrt los. Unsere drei Gäste fahren mit einem Mietwagen und dem sogenannten Flexidrive durch das Land. Dabei haben sie in verschiedenen Orten verschiedene Hoteloptionen, die man am Tag zuvor benachrichtigt und dann mit einem Voucher bezahlt. Wir fahren die meisten Hotels direkt an, denn aktuell scheint keine Hauptreisezeit zu sein und es ist immer genügend Kapazität. Die erste Reiseetappe ist recht kurz, denn wir fahren ins naheliegende Tulum, um uns dort die Ruinen anzuschauen. Für Andreas beginnt jetzt so eine Art Revival, denn er war vor 10 Jahren schon einmal hier. Das Frühstück verschieben wir auf hinterher und machen, bevor die große Hitze kommt, einen ausgedehnten Spaziergang vorbei an uralten Mauern und Steinen, anmutig in der Sonne badenden Leguanen und der ein oder anderen Touristengruppe. Tulum besticht durch seine Lage und auch wir kommen nicht umhin viele Postkartenfotos mit dem türkisfarbenem Meer im Hintergrund zu machen. Es wird extrem schnell heiß und wir bedauern die Reisegruppen, die jetzt angekarrt werden, wo wir in den Schatten flüchten und ein verspätetes Frühstücks-Picknick genießen. Wir haben einiges eingekauft und kochen Kaffee und Tee im Bus – vielleicht können wir uns auch auf diese Art das selbst
kochen langsam abgewöhnen, ist doch eine ordentliche Umstellung… Den Nachmittag verbringen wir damit, für die letzten gemeinsamen Tage eine Unterkunft am Strand hier in Tulum zu finden. Wir entscheiden uns für die „via laktea“ und verbringen noch eine kleine Weile hier am Strand, bevor wir weiterfahren nach Cobà. Dort dürfen wir ganz selbstverständlich am Hotel parken und schlafen, den Pool benutzen und bekommen sogar auch das Begrüßungsgetränk. Während die anderen die Zimmer beziehen, genießen wir das kühle Nass und treffen uns dann alle zum gemeinsamen Abendessen. Hierbei entdeckt Alice ihre Leidenschaft für Ceviche (marinierter Fisch, manchmal roh, und/oder Meeresfrüchte). Am nächsten Morgen ist um halb kurz nach sieben Treffen am Bus zu einem schnellen Frühstück, bevor wir in den Dschungelwald gehen und die Ruinen von Cobà bewundern. Neben Wandmalereien, geschnitzten Stelen, einem Ballspielplatz (für Opferrituale benutzt) u.v.m. bewundern wir Yucatans höchsten Mayabau. Mutig erklimmen wir die steilen Treppen des 42m hohen Gebäudes und genießen die Aussicht auf ein Meer aus Dschungel. Ursel wird, während sie dabei auf uns wartet, von einem wunderschönen blauen Morpho umflattert, der sich von keiner Kamera einfangen lassen möchte. Gute 4 km spazieren wir durch den Wald und sind froh, dass es etwas schattig ist. Nach einer Erfrischung im Pool, sowie mit frischem Obst, geht die nächste Etappe nach Pisté. Das kleine durch und durch touristische Örtchen liegt nahe den am besten restaurierten Ruinen Yucatans „Chitchen Itza“ (Mund der Quelle der Itzaés). Wir werden freundlichst im Hotel aufgenommen und dürfen gerne im Bus
übernachten – man bietet uns sogar Strom an, denn ohne Klimaanlage könne man bei der Wärme nicht überleben… Schade, dass die eine Dose nicht funktioniert und bei der anderen gleich die Sicherung durchfliegt, schlecht für das Hotel, dessen Kühlkette daran angeschlossen war :(. Am Abend bestaunen wir die Light- and Soundshow der Ruinenanlage – Anton schläft ganz einfach im Kinderwagen dabei ein, wahrscheinlich von der Mayageschichte zur Ruhe gebracht. Am Morgen darauf heißt es wieder frühzeitiges Treffen für ein Busfrühstück und dann einer der ersten Besucher am Eingang sein, denn später werden Horden von Touristen angekarrt. So erhaschen wir menschenleere Bilder und beobachten amüsiert das emsige Treiben der Händler, die alle noch am Aufbauen sind und immer wieder die gleichen Dinge auf ihren Tischen ausbreiten. Die Anlage ist auch für Andreas neu, der vor 10Jahren vor den Touristen geflohen ist. Sehr beeindruckend, was es hier alles zu sehen gibt - so viele Details und so ein riesiges Gelände: Tempel, Theater, Kirchen, Observatorien, immer wieder die Schlangenköpfe… Anton hat große Freude am Steinchen sammeln und Treppen klettern. Da gehen drei Stunden schnell um und ich bin sicher, wir haben nicht alles gesehen. Schon fast ritualisiert amüsieren wir uns noch einmal im Pool, während die anderen packen und entspannen. Nächstes Ziel ist Yucatans Hauptstadt Merida. Es ist drückend heiß und wir sind froh, dass es keine allzu lange Fahrt ist. Im großen Hotel gibt es etwas Diskussion, bis
wir mit dem Bus bleiben dürfen und zwar direkt in der Einfahrt. Die letzte große Nachmittagshitze verbringen wir mit baden und spielen, während Mathias und Alice schon einmal die Stadt erkunden und erste Souvenirs ergattern. Nach dem Abendessen spazieren wir durch die hell erleuchtete Innenstadt und beobachten mit einem Eis in der Hand das rege Treiben an der Plaza – dem Zocalo, wie man hier sagt. Immer wieder wollen einem Frauen und Kinder etwas verkaufen, überall sitzen junge Leute mit ihren Laptops und im Hintergrund tauchen einige Gitarre spielende ältere Männer auf. Anton verschläft das alles friedlich. Das Hotel-Frühstück wird bis zum Ende Andreas‘ Favorit bleiben, denn es hat es in sich. Da wird aufgefahren, wie auf einer großen Feier und man kann gewöhnliches Müsli-Frühstück mit Braten und ähnlichem kombinieren, nach Herzenslust schlemmen. Andreas ist wahrscheinlich der einzige von uns, der den Preis auf jeden Fall ausgeschöpft hat, er wollte von allem probieren:). Jetzt wollen wir Merida auch noch bei Tage kennenlernen. Zuerst erstehen wir für Oma Ursel eine kurze Hose, damit sie diese Wetterverhältnisse einigermaßen ertragen kann. Dann finden wir die kleine Hängemattenfabrik wieder, deren Visitenkarte Andreas 10Jahre lang aufgehoben hatte. Der alte Besitzer ist so begeistert von unserem Besuch und Anton, dass er diesem erst einmal feierlich zwei kleine
Babyhängematten schenkt. Als alle eingedeckt sind, geht es ins Markttreiben der Stadt und damit auf unseren ersten richtigen mexikanischen Marktbesuch. Es ist so toll anzusehen, wie jeder auch nur das kleinste bisschen Angebot liebevoll dekoriert und aufbaut und alles leuchtet frisch und farbenfroh, es riecht nach Gewürzen, Blumen, Leben, irgendwo spielt einer Gitarre, dann dröhnt ein Radio karibische Klänge… und mittendrin ist Anton im Tragerucksack eingeschlafen. Weil man die Hitze draußen kaum aushält, flüchten wir ins Stadtmuseum und später in verschiedene Handwerksmärkte und -läden. Erst am späten Nachmittag verlassen wir dann die Stadt und steuern gen Uxmal. Jetzt ziehen auch wir mal in ein Hotelzimmer, denn ohne Strom/Klimaanlage ist die Wärme wirklich unangenehm. Vor allem hat unser Bus auch abends bei der Ankunft noch eine Innentemperatur von über 35°C, wie soll das so schnell wieder abkühlen?! Anton turnt jubelnd über die Betten und nach dem Abendessen schlafen wir entspannt und kühl. Am nächsten Morgen erwartet uns die Anlage von Uxmal mit seinem rundbauchigen Haupttempel, dem Gouverneurspalast, vielen Details, Steinmasken und alles bewacht von großen dunklen Leguanen und einem großen
Eulenpaar. Wie immer wartet zur Abkühlung schon der Pool auf uns und danach setzen wir die Reise in Richtung Campeche fort. Wir staunen über den Luxus, der im „Hotel Oceanview“ auf uns wartet. Auch hier wieder empfängt man uns herzlich und versucht uns sogar Strom zu bieten für die Nacht. Leider halten die dünnen Kabel der Sicherung nicht stand, also versuchen wir dickere Kabel zu besorgen, was in einer wilden Stadtrundfahrt ohne Ergebnis endet. Entnervt und mit einer Stunde Verspätung sammeln wir die hungrige Familie ein und lassen uns am Meer unter einer Palappa Meeresfrüchte und Fisch servieren. Die mexikanische Familie am Nachbartisch lässt diesen Abend zu einem authentischen Erlebnis werden. Wir bekommen leckerste Krebsbeine geschenkt, dafür aber auch einen kompletten Abend Unterhaltung und Lautstärke (der Alkoholpegel steigt), von der wir uns im Anschluss auf einem Spaziergang etwas erholen können. Jetzt entscheiden wir, welche Strecke wir weiterhin gemeinsam fahren wollen und streichen zu Mathias‘ und Alices Bedauern Oaxaca aus der Liste. Es ist einfach zu viel Fahrerei und die vielen Berge dazwischen kein Zuckerschlecken. Lieber haben wir hier noch etwas Zeit, können Zwischenstopps einlegen und können mit Ruhe San Cristobal erobern. Also haben wir einen ganzen Tag, den wir im malerischen patellfarbenen Kolonialstädtchen Campeche verbringen können, dabei seine Burgen und Burgbefestigungen erobern, einige tolle Museen besuchen und am Abend wieder gutes Meerestier verspeisen können. Wir haben unseren Schlafplatz auf einen edlen Yachtclub/Campingplatz am Stadtrand verlagert und treffen dort am nächsten Morgen die anderen,
bevor wir gemeinsam weiter fahren. Unser heutiges Ziel heißt Isla Aguada und ist somit eine alte Bekannte, die wir den anderen gerne vorstellen möchten. Ausnahmsweise muss das Zimmer hier extra gezahlt werden, da die anderen keine Hoteloption hier haben. Wir fanden es aber hier so schön und freuen uns auf gemeinsames Grillen und abends zusammensitzen. Die arme Ursel haben wir mit der Hitze der letzen Tage ganz schön geschafft, so dass sie, als die Zimmer endlich bezugsfertig sind, für den Rest des Nachmittags ruht. Wir staunen über den vollen Strand – klar, es ist Sonntag – und stellen fest, dass das Wasser nicht nur flacher, sondern auch enorm salziger geworden ist, und das in der kurzen Zeit! So ist unsere idyllische Erinnerung in kürzester Zeit viel farbloser geworden…Wir verbringen einen netten Abend und lassen uns trotz hoher Wellen am nächsten Morgen auf die überteuerte Insel-Boots-Tour ein. Wir sammeln schöne Muscheln und Schneckenhäuser – deren Duft uns noch über Tage begleiten wird:) – beobachten Vögel und sehen Delfine, die an anderen Tagen ausflugsfreudiger sind. Alice hatte uns am Morgen schon einen Hautauschlag gezeigt, der nach einem erneuten Bad in der Lagune wieder schlimmer
wird und so lässt sie sich in der nächsten Apotheke doch lieber etwas geben. Sicher hat sie auf den starken Salzgehalt im Wasser reagiert. Wirklich schade, dass dieser Ort nun zwei Gesichter für uns hat! Die folgende Strecke ist uns bereits bekannt. Diesmal nur fahren wir in die Gegenrichtung, also nach Villa Hermosa. Tabasco hat uns wieder. Allerdings nur für kurze Zeit. Im Hotel nehmen wir auch wieder ein Zimmer, es ist einfach zu heiß. Anton darf gleich noch ein Bad nehmen, bevor wir mit dem kleinen Auto alle in das Stadtzentrum zum Essen fahren. Am nächsten Morgen besuchen Andreas, Alice und Ursel den „Parque La Venta“ mit seinen Olmekenköpfen und Nasenbären, während Anton und ich spielen und Mathias mit leichtem Fieber im Bett liegen bleibt. Gegen Mittag heißt es dann aber Aufbruch und jetzt beginnt die große Fahrt nach Chiapas, der Heimat der Zapatisten und viel indigener Bevölkerung... ya basta !
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