Regresamos!
Wir sind zurück in Mexiko! Falls sich jemand erinnert, wir hatten dem
Grenzposten in Chetumal bei der Ausreise Geld bezahlt, dafür, dass wir
quasi einen doppelten Einreisestempel bekommen. Eigentlich hieß es, man
könne somit direkt ins Land einreisen ohne weitere Formalitäten -
Dachten wir - und wir wussten es sogar noch besser als der Beamte bei
der Ausreise der uns sagte dass es das nicht mehr gibt! Aber schon nach
20km werden wir von einem
Kontrollposten
zurück an die Grenze geschickt, wir bräuchten unbedingt einen
Einreisestempel. Und die doppelte Einreise gäbe es nicht mehr. Also
heißt es zurückfahren, erneut durch die Militärkontrolle einmal hin und
noch einmal zurück. Wir bekommen ohne Probleme die Stempel und auf dem
Rückweg werden wir noch gebeten, zwei zivile Militärs an Bord zu nehmen.
Sie erzählen uns, dass es tödlich sein kann in Uniform alleine
unterwegs zu sein. Wir schaffen es noch im Hellen in San Cristobal de
las Casas anzukommen und tätigen noch den nötigen Großeinkauf für
die nächsten Tage im vermissten Supermarkt. Im Rancho San Nicolas – dem
Campingplatz – ist kein anderer Camper in Sicht.
Das ändert sich aber schnell, denn nach bereits zwei Tagen sind wir nicht mehr allein. Da sind ein belgisches Pärchen im Zelt, Andy und Jana mit Motorrad aus Freiburg und Jürgen und Ana im italienischen Iveco. Schade, dass wir nicht genug Zeit haben, die neuen Bekanntschaften zu genießen… aber aus gutem Grund! In nur wenigen Tagen kommt meine Leipziger Familie zu Besuch und darauf freuen wir uns schon lange! Nach entspannten Tagen mit Fußball auf der Plaza vor der Kirche, Marktbesuch, am Auto bauen, Spazieren, Kochen und Ausruhen, lassen wir unseren großen Blauen etwas wehmütig auf dem Campingplatz zurück und steigen früh am Morgen in den Bus nach Tuxtla Gutierrez. Dort nehmen wir bei Europcar unseren roten, französischen Miniflitzer entgegen, der uns für die nächsten acht Tage ein treuer Begleiter sein darf. Auch den Rest des Tages verbringen wir
hauptsächlich mit Fahren. Ab und an wird eine deftige Autobahngebühr fällig, Anton genießt es, dass ich direkt neben ihm sitze und dann erreichen wir gegen frühen Abend Cordoba. Wir sind auf der Suche nach einem Hotel, was sich im Gewirr der Einbahnstraßen nicht gerade einfach darstellt. Eben auf einen Parkplatz eingefahren, um nähere Erkundungen einzuholen, knutscht uns das Heck eines freundlichen Anwalts. Eigentlich sind es nur minimale Lackschäden und Alan bietet uns eine Summe zur Entschädigung an, nur mit einem Mietwagen und deutscher Gründlichkeit, möchten wir lieber den Gutachter und Europcar mitreden lassen. Gut, dass das Ganze dann nur ca. 2h dauert, denn Anton hat so langsam die Nase voll vom Warten und wir wollten ja auch eigentlich nur noch etwas essen und ab ins Bett. Alan nimmt uns dann am Ende doch noch mit ins Haus seiner Familie und für einen kurzen Moment sind wir das Highlight des Abends. Die Einladung, im Haus zu übernachten lehnen wir dann aber doch ab und lassen uns nur noch ein nahegelegenes angemessenes Hotel zeigen. Der Lackschaden war dann auch mit umgerechnet 20,- € laut Gutachter erledigt. Erst am nächsten Morgen erspähen wir die schneebedeckte Spitze des Vulkanes Orizaba (5600m), die gülden im Morgenlicht glänzt und sind von den abendlichen Strapazen entschädigt. Jetzt liegt nur noch eine kurze Etappe von 2,5h vor uns und wir erreichen Mexiko Stadt, d.h. seine Ausläufer gegen Mittag. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis man sich durch das Verkehrschaos und den Stau gekämpft hat und dann endlich
erreichen wir das Hotel, in dem auch meine Familie morgen einkehren wird. Angekommen! Wir erkunden schon einmal ein bisschen das Centro Historico, bestaunen mexikanische Gewerkschafts-Demonstranten die sich zwischen dick gepanzerten Polizisten ihren Weg bahnen und finden am Ende doch noch einen Park mit einem Spielplatz. Dann sind sie endlich da, (Opa) Uli, (Oma) Steffi und Markus! Wir mussten uns am Flughafen lange gedulden und auch der Mietwagen wollte nicht nur schnell mitgenommen werden. Das eigentliche Auto könne gerade nicht fahren (hier gibt es je nach Endziffer im Nummernschild Fahrverbot an verschiedenen Tagen), also bekommen wir einen schnöden Ersatz und dürfen dafür am Folgetag ein „Upgrade“ abholen, der sowieso nach Tulum soll. Perfekt, denken wir. Spät genießen wir unser erstes gemeinsames mexikanisches Essen im letzten Lokal, das überhaupt noch geöffnet hat. Bei so vielen Plänen für den Hauptstadtbesuch müssen die gemütlichen Zeiten und Gespräche noch ein bisschen warten. Da stehen im Centro Historico einige der Wandgemälde von Diego Rivera an, die in vielen Jahren Arbeit entstanden sind und in denen immer auch irgendwo Frida versteckt ist. Die Innenstadt an sich hält noch vieles mehr für uns bereit: alte Gemäuer, wie „das Haus der tausend Fliesen“ oder das güldene alte Postamt im Jugendstil, die riesige Kathedrale am Zocalo, in die gerade der Kardinal, gefolgt von Presse und Weihrauch, einmarschiert, vor den Toren der Kirche stehen und arbeiten Heiler mit den unterschiedlichsten Methoden, daneben tanzen und
trommeln „Indianer“ - alles ist lebendig hier. Mit der Metro erreichen wir Coyoacan und machen uns auf die Suche nach der Casa Museo Frida Kahlo – dem blauen Haus, in dem Diego und Frida zusammen gelebt haben und das neben einigen Bildern und Fotos noch gänzlich eingerichtete Zimmer beherbergt und ausstellt. Anton findet vor allem den Brunnen toll und springt im idyllischen Garten zwischen Diegos Liebesbotschaften herum. Uli und Steffi hatten sich bereits in Berlin auf Frida eingestimmt und haben mit der großen Ausstellung eine Menge Eindrücke und Informationen aufnehmen können. Bei Kaffee und Keksen im Garten lassen wir alles auf uns wirken. Trotz schnellem Schritt, lässt man uns um die Ecke im Trotzki-Museum nicht mehr rein und so treten wir den Rückweg etwas früher an. Am Abend soll der Mietwagen noch einmal getauscht werden und wie sich das für mittelamerikanische Verhältnisse gehört, geht nichts nach Plan. Das „Upgrade“-Auto sei kaputt, ein anderes nicht angekommen,… und nur mit viel Diskussion, angeblicher Großzügigkeit und halb verdreckt bekommen wir den „Megane“ mit, den Uli ja sowieso bestellt hatte. Muchas Gracias! Bevor wir die erste lange gemeinsame Autofahrt antreten, bewundern Uli und Steffi noch die „Basilica de la Guadelupe“. In diesem modernen Gotteshaus und Pilgerstätte, kann man per Rollband an der Landesheiligen vorbeifahren. Immer wieder sind wir stark davon beeindruckt, was die Menschen für aufwändigen und teuren Blumenschmuck in die Kirchen tragen und den Heiligen zuliebe aufstellen.
Mit der Fahrt nach Oaxaca steht die nächste gemeinsame Etappe an. Nachdem wir uns gut aus den Krakenarmen der Hauptstadt entfitzt haben, finden wir nur zufällig eine Schraube in unserem Vorderreifen. Der wird neben der Tankstelle für keine drei Euro wieder geklebt und vulkanisiert und schon kann die Reise weitergehen. Jetzt sind wir alle wieder weitergebildet, wie ein schneller Reifenwechsel funktioniert :-). Wir unterbrechen die lange Fahrt mit einer Kaffeepause (und Kuchen, wie sich das für Geißlers gehört!) und sind uns einig, die Reisekulisse wird immer schöner! Die sattgrünen Berge werden zunehmend schroffer und alles ist mit langen dünnen Kakteen bedeckt. Hin und wieder sind ganze Bäume von Kakteen mit ausladenden Kronen und dicken Stämmen. Was für eine Freude, als wir endlich einen geeigneten Stopp für eine Fotopause finden ohne uns dabei auf der Landstraße in Lebensgefahr zu bringen! Es wird bereits dunkel, als wir Oaxaca
erreichen und wir sind froh, dass es im Hotel für uns noch leckeres
Essen gibt. Der folgende Tag gehört ganz der Erkundung der kolonialen
Innenstadt. Anton jubelt „icke irche“ (schicke Kirche) und besichtigt
mit uns die Kathedrale, den durch und durch goldenen Tempel „Santo
Domingo“ und weitere kleinere Kapellen, immer auf der Suche nach
„Marie“, die ihn weiterhin zu faszinieren scheint und die er jetzt mit
Freuden auch Oma und Opa zeigen kann. Oaxaca hält den mit Abstand
schönsten Markt für uns bereit und neben leckeren Tamales und Kuchen
probieren wir natürlich auch den hier typischen Mezcal (Agavenschnaps).
Markus muss leider vorerst seine Erkältung auskurieren und verabschiedet
sich für den Rest des Tages. Damit auch keiner vergisst, dass gerade
Regenzeit ist, werden wir noch ordentlich begossen und flüchten uns von
einem Souvenirsstand zum nächsten, dann ins Kaffee, später mit Markus
ins Restaurant „zur Oma“ und am Ende pitschnass ins Hotel. Wir kaufen am nächsten Morgen gleich mal Regenschirme in unauffälligem Rosa – es gab nichts anderes. Die Ruinen von Monte Alban sind im Nebel verhangen und vernieselt, wodurch die schöne Aussicht leider ausfällt. Wenigstens bekommt der erste Ruinenbesuch der Geißleins somit eine mystische Atmosphäre. Die lange Weiterreise unterbrechen wir mit dem Besuch eines Weberdorfes und einer Mittagspause an einer Mezcal-Destillerie. Uli nimmt sich für all das eine Auszeit, um die Strapazen der letzten Arbeitswochen und deren Auswirkungen zu verdauen und schläft so gut er kann. Nach vielen Serpentinen durch Kakteengebirge fahren wir immer weiter abwärts und so langsam erreichen wir feuchtwarmes Tropenklima. Weil es so gut passt, nehmen wir sofort das nächstbeste Kokoswasser an Bord. Das Ziel der Etappe, Tehuantepec, bzw. Hotel Calli, ist am frühen Abend erreicht und während wir uns schon auf ein gekühltes Zimmer freuen, genießen die anderen noch die Tropenhausstimmung. Die Luft schwirrt richtig vor Wärme, den Zikaden und Grillen, es ertönen allerlei bunte Vogelstimmen und die Vegetation verzaubert mit ihren Farben und Formen. Uli verabschiedet sich bis zum nächsten Morgen und tankt im Schlaf neue
Enerigien, wir erfrischen uns erst im Pool und dann im tiefgekühlten Restaurant. Nach dem Frühstück geht es direkt weiter in Richtung Tuxtla Gutierrez. Jetzt geht es wieder auf der anderen Seite die Berge der Sierra Madre hinauf und bald schon erreichen wir Chiapas. Als wir Tuxtla erreichen, bricht über uns der Himmel zusammen – meint man – und wir verschieben kurzer Hand den Bootsausflug in den Sumidero-Canyon auf den Folgetag. Dann können wir im gleichen Aufwasch den Mietwagen in Ruhe abgeben und er bringt uns noch die letzten Kilometer sicher auf die 2100m Höhe inach San Cristobal de las Casas. Natürlich legen wir einen Gedenktstopp an der Stelle ein, an der uns das letzte Mal der Anlasser verlassen hatte. Schnell erkundet Bany noch, ob der Bus noch heile auf dem Camping steht – natürlich! – und dann können wir bereits ein bisschen den Ort erkunden und feststellen, wie viele Touristen im Moment die Straßen und Plätze füllen. Nach einem plötzlichen Regenguss wirkt die Schlange am Beichtstuhl im der Kathedrale noch länger, als sie eh schon war. Weil wir alle wieder gesund und munter beieinander sitzen können, muss dies beim Argentinier mit richtig gutem Fleisch und Rotwein gefeiert werden! Für uns heißt es jetzt „wieder nach Hause kommen“, denn wir übernachten in unserem Bett im Bus. Es war eine gute Idee, den Canyon erst am nächsten Morgen zu befahren, denn dann begleitet uns die Sonne und wir können das Naturschauspiel genießen. Bany opfert sich und bringt das Auto zurück, während Anton und ich mit in das Boot steigen. Es gibt einige Veränderungen seit unserem letzten Besuch. Der Fluss steht nach dem vielen Regen um einiges höher und mittlerweile sind eine Menge Wasserfälle aktiv.
Eine Veränderung der besonderen Art treffen wir auf dem ersten Drittel der Strecke: aus den acht Zuflüssen der Umgebung hat sich eine dicke, 30m breite Müllschicht angesammelt, die jedes Boot knirschend überwinden muss und jeder Kapitän hofft, dass er es ohne Schaden am Antrieb schafft und vor allem nicht stecken bleibt. Auf der anderen Seite heile angekommen, begrüßen uns in der Ferne schon die sich in der Sonne räkelnden Krokodile und die in den Bäumen turnenden Klammeraffen. In San Cristobal haben wir den anderen noch eine Menge schöner Plätze und Dinge zu zeigen, essen auf dem Markt, besuchen das Kaffee- und das Maya-Medizin-Museum, spazieren, kaufen kleine Geschenke und Mitbringsel, genießen das Bergklima und unser Dasein. In einer kleinen „Auszeit“ lasse ich mir noch spontan die Haare schneiden – Danke, meine Lieben:-)! Sonntag ist großer Markttag in San Juan de Chamula und auch wenn dies der Tag unserer Weiterreise ist, soll uns das nicht von einem Besuch dieses eindrucksvollen Ortes abhalten. Dieses Mal kann man die komplette Kirche betreten und wir sind wieder gebannt vom weiten Kerzenmeer und beschreiten bedächtig die dick ausgestreuten Kiefernnadeln und verstehen die Riten etwas besser dank des
Museumbesuchs vom Vortag. Für Oma Steffi erstehen wir eine große Tüte voll Chilis und Bany bekommt seine bestellten „Autoritäten“-Sandalen, fußgenau angepasst. Schnell noch einen Abstecher nach Zinancantan gemacht und dann fahren wir durch Zapatistendörfer und an Militärkontrollen vorbei ins Tal nach Palenque, diesmal ohne Bremsenschäden am Bus :-). Die Kurven wollen kein Ende nehmen und wir lassen die anderen lieber vorfahren, die den Wasserfall „Agua Azul“ besichtigen möchten. Am Ende sind sie nur eine halbe Stunde schneller und wir treffen uns im Regen am tosenden Wasserfall. Lustig sind die zwei Eintrittstickets, die man auf der Fahrt dorthin kauft. Das erste ist eine Karte, die an einem EZLN-Posten gelöst wird, mit Stempel drauf, danach folgt eine Beschilderung „offizieller Eintritt“ und man erhält das staatliche Bändchen. Wieder schlängelt sich die Straße eine halbe Ewigkeit nach unten und eine Nachtfahrt
in Mexikos Bergstraßen ist alles andere als Zuckerschlecken. Doch wir erreichen sicher den Hafen, das uns schon bekannte Hotel. Mitten im Dschungel schläft man in Bungalows und auf dem Weg zum Frühstück trifft man dicke Leguane und bunte Vögel. Wir haben Glück, denn dieses Mal hat Chac Mol, der Regengott, uns eine trockene Ruinenbesichtigung zugestanden. Ernesto führt uns auf Englisch durch die Anlage und Teile des Dschungels und beantwortet freudig unsere Fragen. Palenque ist und bleibt unser Favorit unter den mexikanischen Mayaruinen – wahrscheinlich sind es die besonderen Türme, wie sie morgens aus dem Nebelwald auftauchen und sich so wunderbar mystisch in die Landschaft einpassen. Hinzu kommt der Gedanke, dass im Wald noch viel mehr Gebäude unter Wurzeln und Blattwerk schlummern. Nach einem kühlen Bad am Hotel packen wir unsere sieben Sachen und machen uns auf eine lange Weiterreise…
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