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Bienvenidos en Chiapas! Beladen mit frischer Ananas („Ananai“, wie Anton jubelnd sagen würde), überschreiten wir die Landesgrenze und schon beginnen
die ersten Berge. Die Straßen steigen und steigen, Serpentinen winden sich und wir kriechen mit 35km/h Durchschnitt die Berge hinauf. Mit viel Geschnaufe und einer kleinen Pause schaffen wir alles gut und erreichen wunderschöne Aussichten, bevor es wieder ins Tal hinab geht nach Tuxtla Gutierrez. Dort wohnen wir im/am besten Hotel der Stadt und haben über den Hintereingang Zutritt zu allen Bereichen. Kurzzeitig sind wir sehr besorgt um Ursel, die über Schwindel zu klagen beginnt und machen einen Abstecher ins örtliche Krankenhaus. Die Hitze der letzten Tage und Montezumas Rache haben ihr doch ordentlich zugesetzt. Im Hospital sind die Blutdruckwerte aber normal und als dann im Restaurant zu typischem Essen aus der Region auch noch Tänzer und Marimbaspieler auftreten, bekommt sie ihr schönes Lächeln zurück und vor allem wieder Farbe ins Gesicht.
Am Ende wird sie sogar noch mit einem (Plastik-)Blumenkranz gekrönt und während alle erschöpft sind, hält die Begeisterung sie wach. Auch Anton ist von den stampfenden Tänzern fasziniert, nur als sie Masken tragen hält er sich lieber etwas fest. Am nächsten Morgen ist Andreas mit einer Erkältung außer
Gefecht gesetzt und versucht sich nach dem Ausschlafen mit Kaffee und Orangensaft aufzupeppeln. Mutig setzt er sich mit uns in eines der Boote, was in der heißen Mittagssonne in den Sumidero-Canyon hinein fährt. Hier fallen bis zu 1000m hohe Felswände in die Tiefe und bilden verschiedenste Formationen, die es zu bestaunen gibt. Am Fluss können wir verschiedene Vögel, Krokodile, Leguane und Klammeraffen beobachten – immer eine Hand an der Kopfbedeckung, wenn der Kapitän mal wieder richtig Gas gibt. Von Tuxtla sind es keine 80km mehr bis ins schöne, mitten in den Bergen gelegene San Cristobal. Allerdings gehen diese durchweg bergauf, schließlich müssen wir auf 2160m Höhe! Der arme Bus schnauft und gibt sein bestes, während wir alle Heizungen aufdrehen, damit nichts zu heiß werden kann. Ca. 20km vor dem Ziel machen wir doch eine kurze Pause. Während die indigenen Frauen kichernd Anton bewundern, öffnet Andreas die Motorhaube und stellt dann den Motor ab. Welch ein Verhängnis! Denn als wir dann amüsiert zu unseren mexikanischen Nachbarn sagen, „bis zum nächsten Parkplatz“, springt das Auto erst gar nicht mehr an. Surrrrrr, macht der Anlasser und ist damit in den Streik getreten. Schöne Sch…! Nach etwas Abwarten, ob vielleicht mit Abkühlen oder so…nix, das Teil muss ausgetauscht werden. Zum Glück war Andreas so schlau, dieses Ersatzteil mitzubringen und so stellt
sich nur noch die Frage, wie und wie schnell wechselt man das acht Kilogramm schwere Ding aus. So packen wir kurzer Hand um und á la „Frauen und Kinder zuerst“ dürfen Anton und ich mit im Mietwagen vorfahren, während Andreas und sein Bruder Mathias sich an die Arbeit machen. Regen zieht auf und als wir die Stadt erreichen, ist es deutlich frischer geworden. Nachdem wir die schönen Zimmer bezogen haben, bekommen wir auch schon den Anruf, dass die Jungs jetzt das Teil ausgebaut hätten, aber zum Einbau sicher nochmal solange bräuchten. Sie würden sich dann melden, wenn sie fahrtauglich sind. Wir stillen erst einmal unseren Appetit und wärmen uns im hoteleigenen Restaurant an Suppen auf. Gerade als Anton in Alices Zimmer eingeschlafen ist, klopfen zwei rabenschwarze ölverschmierte Jungs an die Tür. Die Retter! Das Geräusch des neuen Anlassers ist eine wahre Freude und jetzt wissen wir, dass mit dem alten einiges im Argen war. Auch wenn das Hotelbett bequem war, ziehen wir brav wieder in den Bus, in dem man ausnahmsweise mal ohne Ventilatoren bei angenehmen Temperaturen schlafen kann. Überhaupt hält die Stadt ihr Versprechen und wartet am Tage mit angenehmer Sonne und Wärme auf und lässt uns nachts angenehm kühl schlafen. Einzig der tägliche Regen am Nachmittag kommt immer wieder unvorbereitet, da ständig zu anderen Tageszeiten. Wir bleiben fünf Nächte in der bunten, kolonialen, indigenen und lebendigen Stadt. Es gibt einiges zu entdecken und erlaufen: wie z.B. wunderschöne Kathedralen und Tempel, Handwerksmärkte, Museen, eine
Papierwerkstatt, Plätze, Cafés…und immer wieder stößt man auf die Zapatistenbewegung, ob in Form von Literatur oder Bildmaterial, genähten Püppchen, oder einfach der Anhängerschaft verschiedener Lokalitäten. Anlässlich des Inkrafttretens des Freihandelsabkommens zwischen den USA, Mexiko und Kanada (NAFTA) am 1. Januar 1994 besetzten Indio-Guerilleros der EZLN (Ejército Zapatista de Liberación Nacional) fünf mexikanische Bezirkshauptstädte, darunter auch San Cristobal. Unter der Leitung von „Subcomandante Marcos“ kamen sie, um die seit langem von der Regierung versprochenen Verbesserungen und Rechte zugunsten der indigenen Bevölkerung Mexikos einzufordern. Nach 12 Tagen bewaffneter Kämpfe wurde auf Druck der Zivilgesellschaft in den mexikanischen Großstädten ein Waffenstillstand erreicht. Unter Vermittlung des katholischen Bischofs Samuel Ruiz kam es zu Verhandlungen, die zwei Jahre später zur Unterzeichnung der Verträge von San Andrés führten, die die Aufnahme von Autonomierechten für die indigene Bevölkerung in die mexikanische Verfassung vorsahen. Allerdings wurden diese Verträge trotz einer massiven Kampagne seitens der zapatistischen Rebellen und Teilen der internationalen Zivilgesellschaft nie in die Verfassung aufgenommen.
Unsere Oma Ursel hat vor allem mit ihrem rebellischen Schlaf zu kämpfen. Sie verbringt am schönsten Ort ihrer Reise so manche durchwachte Nacht – vielleicht die
Höhe, die Kälte nachts? Der schönste Ort ist es deshalb – und das können auch wir bestätigen – weil man sich inmitten der indigenen Bevölkerung bewegt und die Märkte, die Farben, die Kleidung, die Traditionen, die Sprachen…einfach alles faszinierend ist. Um San Cristobal besuchen wir mehrere Dörfer und bekommen Einblick in das Leben der Tzotzil (San Juan de Chamula, San Lorenzo Zinancantan) und Tzeltal (Amantenango del Valle). Chamula ist bekannt durch seine kerzenerleuchtete, unbestuhlte Kirche, in der sich Protestanten, Heiler und andere Religionen in ihren Riten und Praktiken mischen. Da wird auch schon mal ein Huhn geopfert. Touristen ist es hier, wie auch auf dem Friedhof untersagt, Bilder zu machen. Mit den Photos ist das eh so eine Sache. Es bieten sich hier ständig wunderschöne Motive und Situationen, aber die Scheu und der Anstand verbieten es uns, die vielen schönen Menschen einzufangen. Um in Chamula das große Marktreiben noch zu erleben, muss man früh aufstehen (lohnt sich auch, um großen Touristenschwärmen in Bussen zu entgehen). In kurzer Zeit werden es immer weniger Händler und auf der kleinen Plaza nebenan, scheint eine Versammlung stattzufinden, denn die Würdeträger des Dorfes schreiten in Begleitschutz und typischer Kleidung anmutig an allen
vorüber. Andreas ist so fasziniert von den Schuhen der Würdenträger dass er es nicht lassen kann sie anzusprechen ob es denn eine Möglichkeit gäbe die Schuhe zu kaufen – kurz um zum Schuster an die nächste Ecke, mit einem Stück leder Maass genommen, Telefonnummern getauscht und den Abholtermin für Ende Juli geplant. Das werden wohl die ersten handgemachten Schuhe für den Preis von normalen Vans sein.Ein tolles Bild erleben wir auch in Zinancantan, wo in der Dorfkirche eine Trauung stattfindet und alle Frauen in ihren typischen Gewändern ein Meer aus Blau und Violett bilden, als sie in Schwärmen die strahlen weiße Kirche verlassen. In Amantenango del Valle lockt uns ein kleines zweijähriges Mädchen zu ihrer Familie und wir dürfen zusehen, wie hier traditionelle Tonarbeiten gemacht werden. Begeistert holen die Kinder ein Buch aus dem hölzernen Wohnhaus der Familie, das in Bildern den Besuch eines deutschen Ehepaares dokumentiert. Die beiden aus Berlin-Tiergarten kommen bereits seit 18Jahren einmal jährlich zu Besuch und scheinbar sind sie auch Künstler. Für die Kinder ist das wie ein Glückstreffer, das wir auch aus Alemania sind, wir müssten doch die beiden sicher kennen :). Jedes Familienmitglied ist am Spektakel des Alltags beteiligt: Oma mit einem Kind auf dem Rücken schichtet mit einem Enkel Ziegel, eine kleine Tochter siebt mit einer Tasche das Tonmehl, die Mutter formt auf dem Boden sitzend ein Gefäß, die einjährige Tochter s
itzt erst im Tuch auf dem Rücken, dann angelt sie sich Mamas Brust, die flinke Zweijährige ahmt eifrig ihre Mutter nach und formt mit unheimlichen Geschick ein Gefäß nach dem anderen und das offenherzigste von allen Kindern trägt eifrig Anton hin und her, damit er auch ja alles zu sehen bekommt. Wir nehmen etwas Gebranntes mit und müssen jetzt nur einen geeigneten Platz im Bus dafür finden. Auf dem Weg zurück nach San Cristobal machen wir noch einen Besuch in einer langen Grotte voll zauberhafter Felsformationen. Zauberhaft liegt auch unser nächster Zielort: die Ruinen von Palenque. Dazu müssen wir die Berge über Serpentinen wieder hinunterfahren, vorbei an Ocosingo bis ins Tal, wo der Urwald die alten Mauern versteckt hält. Wir schaffen es noch nicht einmal bis Ocosingo, als unsere Bremse anfängt heiß zu werden. Offensichtlich hatte Mercedes in Cancun sie etwas zu sensibel eingestellt. Wenn man dann bergab und immer wieder an Topes bremsen muss, werden sie doch recht schnell warm und dehnen sich aus. Nach einer Pause fahren wir weiter, um irgendwann festzustellen, dass es fast schlimmer riecht, als vorher. Also zurück zu der Stelle, wo etwas von Mecanico dran stand, denn man weiß nie, was noch vor einem liegt. In einem offenen Holzschuppen hängt Werkzeug ordentlich aufgereiht und ein 10jähriger Junge bedeutet uns zu warten, denn sein Vater käme gleich wieder. Zu zweit lösen sie die Bremse, die wirklich
komplett festgefahren war und stellen alles noch ein bisschen passender. Der kleine Mann ist dabei ein eifriger Werkzeugbringer und Helfer. Sein kleiner Bruder will mir immer wieder in halb Spanisch, halb Tzotzil verständlich machen, dass er unser Bobbycar haben möchte, am liebsten geschenkt. Es tat uns unendlich leid, dass wir den anderen mit unserer Bremsenaktion die Ausflüge nach Ocosingo sowie zum Wasserfall „Agua Azul“ genommen haben! Es ist aber schon reichlich spät geworden und da wir uns gerade auf einer der überfallreichsten Straßen des Landes bewegen, möchten wir doch lieber in Ruhe weiter fahren und vor allem die Dunkelheit vermeiden. Palenque empfängt uns mit Regen und wird uns auch wieder damit verabschieden. Wir werden Teil der bunten Regenponchobesucher in der Ruinenanlage und sind fasziniert von den Tempeln und Mauern, wie sie da inmitten des Dschungels gewachsen sind und erhaben daraus emporschauen. Eigentlich unterstreichen das Regenwetter und der Nebel, der alles einhüllt nur die Dramatik dieses Ortes. Einzig die Brüllaffen, die scheinbar nicht nass werden wollen, hätten wir gerne gehört – die gehören hier nämlich zum Inventar. Zum Glück ist es nicht kalt, so kann man recht entspannt alles erlaufen bzw. erklettern und versuchen den Ort im
Geiste wieder lebendig werden zu lassen. Die nächste Etappe auf der Reiseroute ist Chicana. Wir übernachten im sogenannten Ecoresort, wo man uns nicht im Bus schlafen lässt – das sei gegen die örtliche Philosophie – dafür gibt es im teuren Restaurant noch nicht mal einen Kinderstuhl. Nichtsdestotrotz freuen wir uns auf den Abschluss unserer Ruinentournee, den die drei Orte Chicana, Becan und Xpuhil bilden. Sie beeindrucken nicht durch ihre Größe, aber mit Details wie Masken, Fratzen, Gebetsgängen und ähnlichem. Wieder und wieder dürfen wir Zeugen fleißiger Kolonnen von Blattschneideameisen werden, die eifrig ihre Trassen von Bäumen hinein in den Dschungel ziehen. Um unseren Maya-Forschungen das I-Tüpfelchen aufzusetzen besuchen wir in Chetumal das anschauliche und lehrreiche „museo maya“. Anton nutzt, wie immer in Museen, die Situaon mal wieder zum Lauftraining und hat großen Spaß daran den Mayakalender anzukurbeln („deht sis“). Nachdem die letzten beiden Tage schon ordentlich eingeregnet waren, fallen nach einem sonnigen Tag Bindfäden auf uns und wir beginnen uns ernsthaft um die Strandtage zu sorgen,
die noch vor uns liegen. Bereits bei unserer kleinen Pause an der türkisfarbenen Laguna Bacalar lacht die Sonne und lässt uns dann in Tulum kaum mehr aus den Augen. Wir verbringen eine Nacht ohne die anderen dort und weil die Besitzer heiraten, dürfen wir eine Cabana mit Meerblick beziehen. Auf der Terrasse können wir abends immer noch ein bisschen gemeinsam sitzen. Ursel, Mathias und Alice verbringen noch eine Nacht in Playa del Carmen und landen per Upgrade sogar in einer Suite. Dann wird das Mietauto abgegeben und wir treffen uns hier in „la via laktea“ zum entspannten Urlaubsausklang. Einen Tagesausflug verbringen wir noch im Naturpark „Xel-Ha“, wo man -bei europäischen Eintrittspreisen - in natürlicher Umgebung Schnorcheln, Schwimmen, Delphine und Manatis beobachten, wandern etc. kann. Am all-inclusive-Buffet kann man auch schwer vorbeigehen und Anton schleckt hier mit Ganzkörpereinsatz Schokoladeneis. So vergehen die letzten gemeinsamen Tage mit Andreas‘ Familie entspannt in Meeresnähe und mit viel Zeit füreinander. Anton genießt die Zeit mit seiner Oma – und umgekehrt – und wir alle finden den Gedanken befremdlich, dass wir einander so schnell nicht wiedersehen können. So, wie sie in Etappen angekommen sind, reisen die drei auch wieder ab. Zuerst
bringen wir Mathias und Alice zum Busbahnhof und so ist es Abschied in Portionen. Mit Ursel entdecken wir zuletzt noch ein tolles Fischrestaurant – simpel, aber einfach nur lecker – das hätte Alice sicher auch sehr gefallen! Aber auch Antons Oma Steffi wird es mögen, wenn sie Ende Juli hier mit uns einreist…im Geiste planen wir schon ein Weilchen, wie die Reise mit den Leipziger Großeltern werden wird, aber bis dahin reisen wir noch ein kleines Kapitel weiter…
Der Tag Ursels Abreise ist gekommen und fast noch im Stress erreichen wir den Flughafen und man knöpft der armen Oma auch noch Geld für Übergepäck ab – wahrscheinlich waren das genau unsere mitgegebenen Sachen :-/. Anton braucht noch eine Weile, um den Abschied wirklich zu realisieren und fragt uns noch tagelang regelmäßig nach „OOOma?“ – anfangs immer direkt nach dem Aufwachen. Es war eine sehr intensive und schöne
Zeit für uns und wir möchten uns an dieser Stelle nochmal sehr bei unseren „Gästen“ bedanken!!! Nicht zuletzt auch für die Geduld mit uns, unserem Schneckenauto, unserem Kleinkinderrhythmus und überhaupt. Wer wird jetzt so geduldig und einfühlsam mit Anton spielen? Jetzt müssen wir also erst einmal wieder lernen, alleine zurecht zu kommen…Wir gehen es ganz ruhig an, stehen auf einem Campingplatz am Meer, für Anton steht wieder die Wanne bereit, wir kümmern uns um die Reiseberichte und den Kontakt zur Außenwelt und das alleine kochen genießen wir sogar ein bisschen. Wir hatten schon Sorgen, dass wir Anton nicht mehr von der Guacamole „losbekommen“:). Andreas‘ Immunsystem ist leider etwas angegriffen, aber so schalten wir eben noch einen Gang zurück und schauen, dass wir alle in Form sind, bevor weitere Reisepläne gemacht werden. Hasta luego ! „ego“ würde Anton sagen…
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