Mexiko I
13.04 - 26.04.2010
(Veracruz, Catemaco,
VillaHermosa, Isla Aguada, Calakmul, Chetumal, Bacalar)
Jetzt sind wir
schon über achttausend Kilometer unterwegs seit Beginn der Reise und die
Zeit ist so schnell vergangen, dass jetzt schon unser erster
Besuch ansteht. In wenigen Tagen
schon holen wir Andreas Mama in Cancun ab, wo nur zwei Tage darauf auch
sein Bruder Mathias und dessen Freundin Alice landen. Uns stehen fast
vier Wochen Reise in Familie bevor, auf die wir uns sehr freuen und auf
die wir sehr gespannt sind.
Doch zuvor sollt
Ihr ein wenig von dem erfahren, was uns in den letzten Tagen so bewegt
hat und begegnet ist:
Unsere Tage am Strand bei „el zorro“ vergehen
schnell. Wir genießen die Sonne, Andreas kann glücklich endlich seine
Angel einweihen und Anton bleibt neben ein paar Runden
Sandschnellkrabbeln der Badewannenkapitän.
Zwischenzeitlich dient uns die Palappa, das Palmenblattdach, eher als Regenschutz, obwohl sie sicher ursprünglich Schatten spenden soll. Ein bisschen Magengrummeln bereitet uns der hinterlassene Müll der mexikanischen Zeltnachbarn – schade, dass wir immer wieder erleben, dass es hier Menschen gibt, die sich darüber so gar keine Gedanken machen. Von Plastikgeschirr, fliegenden Tüten und Mülltrennung wollen wir gar nicht erst anfangen:(! Natürlich waren wir noch einmal bei Andreas Familienrestaurant-Entdeckung essen und die Oma hat gleich mal Anton entführt(ausnahmsweise mal sehr sanft und liebevoll), der stocksteif auf ihren und anderen Armen der Dinge ausgeharrt hat, die da kommen. Kann einer von Euch Psychologen uns mal die Sorge nehmen, dass das hemmungslose „Angreifen“ der mexikanischen Frauen Anton keine bleibende Traumatisierung beschert?! Seit diesem Tag haben wir jedenfalls einen riesigen Becher mit „mole poblano“ – einer traditionellen Soße aus Puebla mit 8 verschiedenen Chilisorten, Zwiebeln, Knoblauch, Schokolade, etc. – im Kühlschrank, die jetzt so manches Hühnchen beleben wird. Wir haben lange überlegt
, ob wir uns eine bunte und laute Hafenstadt wie Veracruz ansehen wollen und haben uns am Ende dagegen entschieden. In einem kleinen Vorort, direkt am vorbeirauschenden Fluss haben wir übernachtet und sind dann weiter von dort in die Tuxtla-Berge gefahren. Es handelt sich um eine Vulkanregion, die wunderschön grün und hügelig ist und einen Vulkansee im Herzen hat, an dessen Seite wir länger als gedacht verweilt haben. In Catemaco haben wir eine uns sehr angenehme Mischung gefunden: der Campingplatz liegt ganz im Grünen am Fluss, mit Blick auf ein Vogelparadies, es gibt ein Schwimmbecken, Hängematten und Anton verliebt sich in die Papageien, die der amerikanische Besitzer hier hält. Keine zehn Minuten Fußmarsch entfernt, ist man in dem beschaulichen Örtchen mit seiner schönen Plaza, der Uferpromenade, wo einem alle Nase lang jemand eine Bootsfahrt anbieten will, den unheimlich freundlichen Einheimischen, dem Markt auf dem es auch allerlei Hexen- und Schamanenbedarf gibt… Wir genießen die Atmosphäre und die Ruhe, besuchen aber auch den Ort und lassen uns doch noch auf eine Bootsfahrt ein. Es hätte in dieser Region noch viel mehr zu sehen gegeben, von Dschungel über Buchten und Wasserfälle… Der Ausflug beginnt an der „Affeninsel“, wo in den 70er Jahren thailändische Affen zu wissenschaftlichen Zwecken ausgesetzt wurden. Wir beobachten leider, dass die Tiere (an-)gefüttert werden und so sehen sie leider auch aus – eine merkwürdige Attraktion. Ein Zwischenstopp legen wir in „Nanciyaga“ ein, wo ein
Privatmensch mitten im Dschungel Wege und Olmekenrepliken angelegt hat. Der Spaziergang mit unserer eifrig erklärenden Parkbegleitung ist immer wieder gespickt von Wellnessangeboten. Wir lehnen die Schwitzhütte, die Fango-Gesichtsmaske und den Schamanenbesuch erstmal ab. Dafür finden wir die Idee, frisches Quellwasser in aus Blättern gebundenen Bechern zu servieren großartig. Die Anlage war übrigens Drehort zu „medicin man“ mit Sean Connery und „Apokalypse“ mit Mel Gibson (wir kennen beide nicht ;)).Die Zeit verfliegt und nach vier Nächten müssen wir doch langsam weiter. Unser nächstes Ziel ist „La Venta“, ein in den 40erJahren entdeckter Ausgrabungsort der Olmekenkultur (Blütezeit (800-400v.Chr.). Wir übernachten ganz in der Nähe inmitten einer großen Ranch, wo uns als erstes ein riesiger Leguan über den Weg läuft und kurz vor Verlassen am nächsten Tag im Spülkasten eine Schlange begegnet. Da die meisten Funde in la Venta in den 60erJahren nach VillaHermosa in den „parque la venta“„gerettet“ wurden, fahren wir weiter in die Nähe der Stadt. Im Gelände einer großen Badelandschaft verbringen wir den überheißen Nachmittag und die Nacht. Nachdem wir ausgiebig gebadet haben fragt uns ein fließend englisch sprechender junger Mann, ob uns denn keiner Bescheid gegeben hätte, dass montags immer das Wasser chemisch gereinigt werde. Wir sollten uns nur ordentlich abduschen, das würde dann schon gehen. Zum Glück sind uns bisher keine Folgen aufgefallen! Am nächsten Morgen brechen wir früh auf, um vor der großen Hitze im Park zu sein. Da sich hier auch ein Zoo mit einheimischen Tieren befindet, hat auch Anton jede Menge Spaß. Wir bewundern die
typischen Olmekenköpfe, Figuren und Säulen. Anton entdeckt einen Nasenbären und Andreas einige Brüllaffen. Seit Catemaco haben wir ein Plakat im Bus hängen mit allerlei Dschungeltieren. Die bestaunt Anton regelmäßig und da er schon einige in natura gesehen hat, kennt er auch die meisten Namen schon. Von Villa Hermosa aus wollen wir nochmal ans Meer. Das türkisblaue Wasser der Laguna de Terminos in Isla Aguada hat uns eingeladen, mal wieder eine Verschnaufpause zu machen. Wir stehen nur durch einen Drahtzaun vom Strand getrennt unter Palmen allein auf dem Campingplatz und als die Fischer abends zurück kommen, kaufen wir direkt am Boot unser Abendessen. Andreas wirft die Angel aus und hat mirnichtsdirnichts zwei tropische Fischlein gefangen, einen mit breiten Flügeln, einen der sich gleich aufbläst. Aus Sicherheitsgründen werden sie mit Arbeitshandschuhen vom Haken entfernt, bevor sie wieder davon schwimmen dürfen. Anton sitzt mit seinem kleinen Schwimmbecken in seinem eigenen kleinen Meer und verliert auch so langsam die Scheu und begleitet uns schon mal ins große Nass. Nach einem Tag Ruhepause setzen wir zu einer sehr langen und vor allem sehr warmen Fahrt an. Den Höhepunkt erreichen wir bei 39°C und die eben gekaufte Sprühflasche kommt sofort zum Einsatz, auch wenn Anton es nicht witzig findet nass gespritzt zu werden. Unterwegs
werden wir seit langem mal wieder an einem Militärposten angehalten und sie sind kurz davor, den Drogenhund hineinzulassen. Wir erklären wieder einmal freundlich woher wir kommen und was wir vorhaben und nachdem der Chef alles für gut befunden hat und der kleine Soldat einen Blick in den Bus geworfen hat, dürfen wir ohne Probleme weiter. Wir machen Pause in einem kleinen Restaurant an der Straße und setzen Anton auch hier erstmal direkt glücklich in seine Wanne. Zum Glück hat die Köchin selber Kinder und somit nichts dagegen, dass Anton sein Wasser mit Freuden in ihrem Eingang verteilte. Wir haben lange hin und her überlegt und uns dann doch dafür entschieden, der Hitze zu trotzen und die 60km von der Hauptstraße weg zu fahren, um an die Ruinen von Calakmul zu gelangen. Eine gut geteerte aber schlängelige Straße führt mitten in den Dschungel und trotz der Wärme treffen wir unterwegs sogar einige Tiere: Pfauentruthühner, Weißbartpekaris, eine Schlange und jede Menge Schmetterlinge und Vögelchen. Die Nacht verbringen wir vor den Toren Mexikos wohl größter Ruinenanlage auf dem Parkplatz mitten im Dschungel. Wir gesellen uns zu den Zelten mexikanischer Studenten, die hier die Woche über
arbeiten und Tierbeobachtungen dokumentieren. Vor dem Schlafengehen trifft Andreas noch einen Nachbarn – ein Skorpion dreht unter unserem Bus seine Runden. Wir stehen – nicht zuletzt wegen der Wärme im Bus – bezeiten auf, frühstücken schnell und machen uns dann auf zur Entdeckung der alten Mayastätte. Mehrere Pyramiden, über hundert geschnitzte Stelen, u.v.m. erwarten uns inmitten dieses grünen Meeres. Auf eine Pyramide wagen wir uns hinauf und sind sehr beeindruckt von der Höhe und der Weite des Ausblickes. Man verliert quasi die Orientierung, weil man nur Dschungel sieht. Von hier aus sind es kaum 30km bis über die guatemaltekische Grenze. Das ist unser Einstieg ins Mayaland. Wir entscheiden uns für den mittellangen Wanderweg durch die Anlage und auch Anton klettert mit Begeisterung zwischen den Steinen und bewundert blühende Bäume und sammelt verschiedene Samen. Auf dem Rückweg gen Hauptstraße klettert das Thermometer wieder deutlich höher und auch die nächste Etappe ist warm und lang. Wir fahren ganz nach Osten, fast an die Grenze zu Belize nach Chetumal. Das heißt wir fahren noch ein kleines Stück nördlicher davon auf einen Campingplatz direkt am türkisen Meer. Es gibt zwar statt
einem Strand eine ordentliche Brandung, aber dafür einen tollen Ausblick in die Bucht von Chetumal – den wir sogar vom Bett aus genießen. Wir stehen mal wieder unter Palmen, sind froh über den permanenten Wind und Anton will ständig im Pool baden gehen. Einen Ruhetag gönnen wir uns hier, der zu allem Glück auch noch mein Geburtstag ist. Ich darf an diesem Tag nichts tun und der Tag wird gekrönt von einem Besuch im Restaurant vor Ort, wo wir edel und sehr schmackhaft bedient werden. Für Anton ist es der erste Ausgang dieser Art und er sitzt regelmäßig mit offenem Mund in seinem Stuhl und staunt was der Kellner alles bringt. Die vom Koch empfohlene Suppe hätten wir ihm gar nicht bestellen brauchen, denn Anton hat mit großem Appetit Bohnenpüree und Guacamole mit Nachos verputzt, die es als Vorspeise gab. Gehörige Ablenkung verschafft ihm allerdings die Videoleinwand, auf der ordentlich laut erst Fußball, dann Vicente Fernandes mit seinem Mexikanerhut und später Wim Wenders „Buena Vista Social Club“ zu sehen sind. Für mich war es das schönste Geschenk – neben den schönen Anrufen meiner Familie und den lieben Wünschen per Mail – mit meinen beiden fröhlichen Männern lachen zu können und mir mal wieder bewusst
zu werden, was für ein Glück ich habe! Schade, dass wir unseren Zeitplan jetzt genau einhalten müssen, denn ausgerechnet jetzt treffen wir auf Lothar, Nicole und Marissa (2), die schon ähnlich lange wie wir unterwegs sind und mit denen wir via Internet schon eine Weile zusammenreisen. Aber vielleicht haben wir Glück und unsere Wege kreuzen sich einfach etwas später nochmal wieder !
So geht die Reise weiter, wenn auch vorerst nur ein kurzes Stück: wir verbringen die Nacht am schönen Bacalarsee, einer Süßwasserlagune, so türkis wie das Meer. Es ist unendlich warm, auch in der Nacht, und in diesem zurückgezogenen kleinen Paradies, was von zwei Deutschen betrieben wird, gibt es keinen Strom. Am nächsten Morgen baden wir uns im glasklaren
Wasser die Wärme einfach wieder weg. Wir kommen bestimmt noch einmal an dieses Fleckchen Erde zurück, doch zunächst setzen wir die Fahrt fort. Mit einer Badepause für Anton an den Toren der Ruine Tulum unterbrechen wir die Tagesfahrt und bleiben keine 15Min. Fahrt von Playa del Carmen entfernt über
Nacht. Man muss dazu sagen, dass außer an uns und einem französischen Camper nicht sofort erkennbar ist, dass es sich hier um einen Campingplatz handelt. Seit Jahren leben hier Nordamerikaner, die ihre Supermobile mit Strohdächern und Mauern und teilweise sogar Vorgärten versehen haben. Wir verbringen hier die teuerste Nacht und versuchen den Strand und das Schwimmbad mit Meerblick unendlich auszukosten. Mit Brille und Schnorchel ausgerüstet, kann man sogar schon die ersten Fischlein verfolgen. Schon verrückt, wie jetzt alles anders ist. Die vielen Touristen, ein Resort am anderen... wir vermissen die Ursprünglichkeit und verteufeln die wild attackierenden Moskitos. In Playa del Carmen versuchen wir unser Glück und wollen das Hotel, in dem Andreas Familie unterkommt überreden, uns auch irgendwie mit dem Bus aufzunehmen. Keine Ahnung, ob es daran lag, das Anton aufgrund seines Mittagsschlafs nicht an der Rezeption dabei sein konnte, oder ob sie dort wirklich so stur sind, aber vorerst heißt es: NEIN. Naja, wir finden noch eine akzeptable Lösung, verbringen noch einen Tag hier in der Nähe, und am Donnerstag dann, nach einem Besuch bei Mercedes in Cancun holen wir schon "Oma Ursel" ab. Hasta pronto, chicos !
© www.bus-travel-diaries.de
Mexiko III
30.04 - 10.05.2010
(Playa del
Carmen, Tulum, Cobe, Chichen Itza, Uxmal, Merida, Campeche, Villahermosa)
Wie im Fluge ist
sie vergangen, die gemeinsame Zeit mit Andreas‘ Familie hier in Mexiko.
Die Zeit war so reicht gefüllt an Ereignissen und Entdeckungen, dass
wir erst jetzt im Nachhinein dazu kommen, alles zu dokumentieren, damit
auch Ihr daran teilhaben könnt. Zunächst der erste Teil:

Den ersten Besuch
mussten wir uns ganz schön verdienen, denn die arme Oma Ursel hat sage
und schreibe 1,5h gebraucht, um überhaupt aus der Glastür
herauszutreten, vor der wir schon sehnsüchtig gewartet hatten. Zu viele
Flieger gleichzeitig, nur zwei geöffnete Schalter für die
Einreiseformalitäten…aber immer mit der Ruhe, wir sind hier in Mexiko…
Wie oft hatten wir Anton schon erklärt, dass „die Oma bald mit dem
Flugzeug kommt und wir ihr dann das Meer zeigen“ – mittlerweile braucht
man nur „Oma“ zu sagen und Anton macht seine typische
Flugzeugarmbewegung und ruft begeistert „mea“.
Kommentar schreiben