Ja, Ushuaia ist unser Start fuer den argentinischen Teil unserer Reise. So richtig bricht diese Stadt nicht unser Herz. Erstens ist sie nicht wirklich etwas Besonderes (halt das Ende einfach), zweitens ziemlich ueberfuellt und touristisch, drittens haben wir ein etwas teures Zimmer und zu allerletzt auch noch verdammt schlechtes Wetter. Wir kennen also fast alle Museen der Stadt (das ehemalige Gefaengnis z.B., wo wir 3h verbracht haben), waren in fast allen Geschaeften und vor allem anstaendig "Parilla" essen Parilla ist gegrilltes Lamm-, Rind- und anderes Fleisch, dazu Salate, Pasta u.a. fuer wenig Geld und soviel wie man(n) schafft. Jetzt koennen wir schon langsam auf anstaendige Magenprobleme in Peru und Co. hoffen, um die angefutterten Parillakilos wieder loszuwerden ;)... Am Weltende bekommen wir nicht mal mehr einen Bus vor dem 20.12., so dass wir fuer einige Euros drauf einen Flieger nehmen, weil noch 5Tage mehr muessen wir hier wirklich nicht verbleiben. Natuerlich wird (nach einem bombastischen Sonneruntergang am Vorabend) das Wetter prompt besser, wenn wir losfahren. Wir nutzen den halben Tag noch, um den nahen Berg zu ersteigen (und "ersesselliften") und geniessen den Ausblick ueber den Beagle-Kanal und seine Inseln. Hier liegen Hunderte von untergegangenen Schiffen und einige bekannte Seemaenner haben sich hier versucht. Unser Flug geht nach Calafate, einer Stadt, die durch den Tourismus aus dem Boden geschossen ist, wie wir schnell merken. In ca. 1 1/2 h
Entfernung befindet sich der Gletscher "Perito Moreno", ca. 60m hoch und ewig lang, der in kurzen Abstaenden mit lautem Getoese immer wieder kalbt (Stuecke abwirft, bzw. ins Wasser rutschen laesst). Wir organisieren also eine Unterkunft (zusammen mit Katrin und Norbert aus SDtl.), die Tour zum Gletscher und eine Weiterfahrt, weil man hier sonst nicht ewig viel machen kann. Eine Moeglichkeit waere gewesen, von der anderen Seite in den Park zu wandern und wieder mit Zelt und Co. durch die Natur zu streunen. Allerdings war die Fahrt dahin etwas teuer und die Weiterfahrt von dort sehr umstaendlich, sodass wir uns einen Bus an die Atlantikkueste gen Norden gesucht haben.Wir stehen fuer unseren Gletscherbesuch wiedermal ordentlich frueh auf, sind die ersten im Bus und... es regnet. Fuer die Fahrt ist das ja egal, aber um auf all den Terassen, die man erlaufen kann, den Gletscher stundenlang zu beobachten, macht es sich nicht besonders gut. Es bleibt dabei! Grauer Hintergrund, vernieselte Augen, Tropfen auf den Objektiven, schnell kalte Fuesse... dazu kracht es tierisch laut und riesige Brocken rutschen ins Wasser. Ein gigantisches Schauspiel! Dazu die Farben - ein Blau eisiger als das andere... Das kann wahrscheinlich kein Photo nachahmen. Wie gerne haetten wir einfach auf einer Bank gesessen und auf den Gletscher gestarrt und auf das staendige Krachen gewartet. Statt dessen muessen wir irgendwann ins Restaurant, heisse Schoki trinken und den Ofen anmachen lassen. Die Bootstour im Nebel vor dem Gletscher sparen wir uns und puenktlich, als wir wieder in den Bus steigen muessen, krabbelt die Sonne aus den Wolken hervor. Na Danke, haetten wir doch die Nachmittagstour nehmen sollen. Das naechste Mal werden wir auch sicher eine weniger touristische Variante waehlen. Bei dieser Herumkutschiererei kommt man sich schon irgendwie doof vor.
Im Sonnenschein packen wir unsere Sachen, picknicken und dann ab fuer 14h Busfahrt nach Comodoro Rivadavia. Nicht das dieser Ort irgendwie sehenswert waere. Wir brauchten einen Zwichenstopp auf dem langen Weg nach Puerto Madryn, dem Tor zur Peninsula Valdès. Die Fahrten durch Patagonien sind bisher sowas von
unspektakulaer, alles flach, vertrocknet, braun, kurze Buesche... Nach weiteren 6h am Folgetag erreichen wir Pto.Madryn und ein total neues Hostel (echt chic mit Garten und so). Erster Tag ist wie immer Gammel-, Ankomm- und Entdeckungstag - wir sehen das neue Ecocentro, wo man die Fauna von Valdès schon mal kennenlernen kann. Dann machen wir die Rundtour auf die Halbinsel (ca. 450km) - einen Tag Busfahren und an Attraktionen aussteigen (schon wieder son Touri-Ding ;)!) Dumm ist, dass die richtige Saison schon vorbei ist. Hier leben naemlich zeitweise Wale, Orkas, Seeelephanten, Seeloewen und Pinguine. Valdès ist auch der einzige Ort der Welt, wo die Orkas bis auf den Strand kommen, um ihr Lieblingsfutter Seeelephanten zu fangen (vielleicht kennt Ihr ja die bekannten Photos aus dem "National Geographic"). Fuer den Preis haetten sie ruhig einen Orka und einen Wal organisieren koennen! Auch die maennlichen Seeelephanten waren unterwegs - die sehen doch so witzig aus(45cm langer Ruessel)! Haetten wir nicht direkt vor einem Fuchs und einem Guerteltier gestanden, waer die ganze Sache nicht so spektakulaer gewesen. Man kommt relativ dicht an die Seeloewen und-elephanten ran, aber die liegen nur dick und fett in der Sonne und sparen sich die Energie fuer harte Zeiten auf. Bei den Pinguinen konnte man fast ins Nest sehen, dass war eindrucksvoll! Die Bootsfahrt hat uns bruellende Seeloewen-machos (diesmal vom Wasser aus) und ein paar Comorane gezeigt - aber der Wal ist wohl in der Werkstatt.
Nach einmal Ausschlafen im chicen Bett fahren wir im Nachtbus nach El Bolson. Wieder 12h Dunkelfahrt. Zum Glueck aendert sich die Landschaft wieder! Der neachste Morgen bringt Gruen, Berge, Wald, Blumen, Schneegipfel... .El Bolson, nennt sich selbst "zona non-nuclear". Das ist sie in den 60ern gewesen, als hier argentinische und andere Hippies eingezogen sind. Der Berg hier ist wohl eines der "Energie-zentren" der Erde. Es gibt immernoch einige Hippies, mindestens viermal die Woche, wenn der Markt ist, wo allerlei Handwerk von Lederhut bis Marmelade verkauft wird und natuerlich allerlei Bioessen. Bany hatte schon Schiss, dass er seinen "fetten Weihnachtsbraten" nicht bekommt :) Aber kein Problem, ob wir eine Ente oder Gans finden, ist die Frage und Huhn mit Apfel und Orange zu fuellen ist komisch! Mal sehen.Ja, wir haben eine guten Ort gefunden, um die Weihnachtstage zu verbringen. Etwas ausserhalb, auf der Haengebruecke ueber den Fluss, leben wir auf dem Gelaende von Augustino und Laura im "Haus des Reisenden - La Casa del viajero". Die Huette war frueher mal Haus der mittlerweile 30ig-koepfigen Familie (6Kinder + Enkels) und entspricht
genau den Anspruechen, die wir haben. Einfache Holzhuette ,mit mehren Schlafplaetzen auf zwei Etagen, Kueche, warmem Wasser in der Dusche, Feuerstelle auf dem Grundstueck, Hunde, Katzen, Huehner, Wiese, Blumen, Garten mit Salat und Schnittlauch fuer uns, ... Entspannung pur. Augustino ist Artesano - verkauft auf dem Markt seine Lederwaren - und das merkt man, wenn man das Grundstueck erkundet. Kreativ, manchmal chaotisch, liebevoll und seit langer Zeit in Arbeit sind jeder qm hergerichtet. Hier bleiben wir laenger!Waehrend Ihr Weihnachtsbaeume kauft und die letzten Geschenke verpackt, wissen wir noch nicht sicher, wie der Tag morgen wird. Aber besonders ist er in jedem Fall. Habt eine gemuetliche Weihnachtszeit und geniesst Kerzenschein und Ruhe.
Eure zwei Kurzzeit-Hippies
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