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Bolivien I

Alle Fotos aus Bolivien
Bolivien I 17.05.2005 - 22.05.2004
(Laguna Blanca,  Laguna
Verde, Laguna Colorado, Uyuni und Salar)

Jetzt sind wir also in Bolivien. Unsere Einreise geht wieder schnell, der Zoll soll dann 17km weiter sein. Unsere ersten Bolivianos gehen alle fuer den Eintritt in der vor uns liegenden “Reserva Nacional der Fauna Andina Eduardo Avora” drauf. Erster Stopp ist an der Laguna Blanca, wo die Gruppe in Jeeps umsteigt und auch wir netterweise Tee und Brot angeboten bekommen. Von hier aus geht es zur Laguna Verde, die aus Wettergruenden weniger farbintensiv ist als sonst. Wir geben unser Bestes, um den Jeeps zu folgen, aber man sieht nach kurzer Zeit nur noch Staubwolken und wir sind immer die letzten am Zielort. Dort knipsen wir – ein bisschen japanisch – so schnell es geht ein paar Bilder und muessen auch schon gleich weiter auf die Wellblechpiste. Hinter uns im Bus wackelt und scheppert es ohne Ende und wir wissen nicht, wieviele Schrauben noch da sind, wo sie hingehoeren. Die Jeeps heizen mal wieder davon, nachdem wir dem bestens vorbereiteten Fahrer unser Werkzeug geliehen hatten. Wir verlieren sie aus den Augen und irren ein bisschen umher, bis wir sie hinter zwei Bergen an einer heissen Quelle wiederfinden. Gerade angekommen und gluecklich die badenden Menschen im dampfenden Wasser gesehen, heisst es „weiterfahren, wegen Schneefall werden wir auch weiter fahren, als geplant, um nicht zu hoch zu sein und die Wege noch zu finden...“. Na toll!!! Wir stecken wenigstens die kalten Finger kurz ins Wasser und duesen hinterher, bis eh keiner mehr zu sehen ist. Und da kommt er auch schon der Schneefall! Zum Glueck liegt das meiste und tiefste nur an einer Seite der Piste, so dass man gut durchkommt und weiss, wo man lang muss. An unseren Scheiben kleben schon langsam Eisblumen, als wir das Schild vom Zoll entdecken, was dann wohl doch eher 70 statt 17km waren (und unser spanisch ist so gut, dass wir das schon richtig verstanden hatten!). Wir fahren irgendwo mitten im verscheiten Altiplano in eine Art Chemiefabrik (Borax), in der auch der Zoll untergebracht ist. Die Einreise fuers Auto ist problemlos – mit Freundlichkeit geht vieles so einfach! Fast vom Stuhl fallen wir allerdings, als der Beamte uns erzaehlt, dass wir uns auf 5605m Hoehe (!!!) befinden. Kaum zu glauben und unser kleiner Gelber faehrt wie ne Eins. Jetzt muessen wir zurueck auf den Weg Richtung Laguna Colorada, wo die anderen schon eine Weile vor uns angekommen sein muessen. Der eigentlich rote See beherbergt trotz Schnee und Kaelte sogar eine Gruppe von Flamingos. Am Kontrollposten sagt man uns, dass unsere Tour vor einer Stunde durchgefahren ist. Naja, jetzt brauchen wir auch nicht mehr hetzen. Wir ereichen wenig spaeter Campiñas, wo man unsere Nummer notiert (sicher damit keiner verloren geht). Von hier aus sagt uns ein Strassenschild sollen wir uns rechts halten. Wir versuchen dies und landen wenig spaeter auf einer einspurigen, ausgefahrenen, ansteigenden extrem steinigen Piste. Vor uns faehrt noch ein kleiner LKW, also kanns so falsch ja nicht sein. Wenig spaeter wird es auch noch extrem sandig und wir sind laengst nicht mehr sicher, ob das wirklich unser Weg sein soll. Um Benzin nachzufuellen – der Tank ist fast leer, weil man in der Hoehe gut das doppelte braucht – wollen wir uns schraeg stellen und stecken erstmal direkt im Sand fest. Das ist so eine Situation, wo einem (mir!!!) die Traenen in die Augen schiessen. Irgendwo im Nirgendwo und im Sand. Das Sandproblem meistern wir sehr schnell. Was den Weg betrifft heisst es OPTIMISMUS und einfach weiterfahren. Der Weg bleibt schmal und schlaengelt sich einen Berg hoch und wieder herunter. Immer wieder versichern wir uns gegenseitig, dass die Spuren nicht so alt aussehen und der vor uns ja auch nicht ins Nichts fahren wird. Ein Schimmern (vielleicht ein Auto, juhu!) wird zu einem ersten Fluss, den wir durchqueren muessen. Weiter unten treffen wir auf vier Esel und sind uns einig, dass dieser Weg wohl eher fuer sie gedacht ist. Dann landen wir in einer Art Tal. Immer wieder sehen wir von Weitem etwas, was nach Leben aussieht, ungefaehr so muss sich eine Fatamorgana in der Wueste anfuehlen. Am Ende sind es immer Felsen oder Aehnliches und wir fangen langsam an uns auszurechnen, wieviele Tage wir hier im Altiplano mit unseren Vorraeten und bei der Kaelte ueberleben koennten. Die Situation fuehlt sich verdammt unangenehm an! Wir fahren tapfer weiter und folgen immer der breitesten Spur. Da!...ein paar Zaeune und Baumaterial. Und dann hinter zwei Kurven ist er, der Ort in dem heute alle uebernachten sollen. Wir finden die Unterkunft in der wir erstmal 15min am Bollerofen sitzen und uns nicht mehr bewegen koennen. Am Ende kommt unsere Tour sogar nach uns an, als wir schon im Bus gekocht und damit geheizt haben um bei minus irgendwas in unsere Schlafsaecke zu steigen. Die Nacht ist weniger foestelig, als erwartet und waehrend die anderen frueh aufbrechen, fruehstuecken wir in Ruhe, bis genug Sonne ist, um nicht mehr zu frieren. Weiter gehts, fast im Fluss ersoffen und doch heile duch, bis wir irgendwann wenig spaeter den liegengebliebenen Jeep unserer Gruppe treffen. Wieder heisst es Werkzeug borgen, einige andere Kollegen halten und helfen und irgendwann fahren wir schon mal weiter, es sei jetzt ok. So erreichen wir Villa Alota, wo wir nach Benzin fragen – sind quasi leer – und 20L bekommen, die wir aus einem Kanister ansaugen muessen (alle Aquarienfreunde wissen wie das geht, schmeckt bloss abscheulich!). Die Gruppe mit dem Jeep wird vom andern Jeep abgeholt, das Auto faehrt 100pro nicht weiter. So bleiben wir noch ein bisschen mit den andern auf der ueberdimensionalen Avenida des Ortes. Bany unterhaelt sich mit zwei Bohnen verlesenden aelteren Leuten und gesellt sich zu ihnen. Der Wind hilft ihnen, die trockenen Reste auszusieben, um nach langer Arbeit, den Sack voller schalenloser Bohnen zu bekommen. Sie sind interessiert, was auf „unserer Erde“ waechst und wollen uns am liebsten ein Schaffell verkaufen – was wir aus Bargeldmangel (jeglicher Waehrung) leider ablehnen muessen. Am Ende haben wir ueberlegt, ob man nicht einfach bei solchen Leuten fragt, um ein paar Wochen zu arbeiten um ihr Leben kennenzulernen. Wir wissen nicht, ob wir mit den 20L nach Uyuni kommen und hoffen auf die Tanke im naechsten Ort, San Cristobal. Als wir dann dort ankommen, haengt ein Zettel dran, dass ab 18Uhr geschlossen sei. Sehr toll! Mit uns wartet noch ein anderer Jeep, der dann einfach weiterfaehrt...was wir wohl oder uebel auch tun muessen. Es wird dunkel und wir rattern die Piste, bis man endlich Licht sieht. Zwischendurch waeren wir fast in eine Baustelle gerast, sah bald aus wie ne Strassenblockade. Am Ende parken wir unseren Bus in Uyuni direkt vorm Armeeposten und gleichzeitig vorm besten Pizzaladen (gehoert nem Ami) des Ortes. Hier stehen wir die naechsten Tage, zum Amusement der Bewohner, die staunen, wenn wir quasi auf der Strasse fruehstuecken. Im Restaurant duerfen wir das Klo benutzen und somit haben wir einen idealen Platz gefunden. Die Armee ist echt krass hier. Super akkurat wird hier jeder kontrolliert, der ins Gelaende will, wenn er ueberhaupt berechtigt ist. Morgends bleiben alle stehen und nehmen die Huete ab, wenn die Nationalhymne laeuft und nachts hoert man die Wachposten abzaehlen, damit sie nicht einschlafen. Uyuni an sich ist fuer uns gleich wie eine andere Welt. Die Frauen mit den vielen Roecken, einem Melonenhut und einem Kind im Tuch auf den Ruecken, der Markt, auf dem es bis zur Fahrradspeiche fast alles gibt, das Fleisch liegt ohne Kuehlung auf der Theke...und alle Kinder starren uns Fremdlinge an. Dieses bunte Leben ist trotz seiner Einfachheit und Armut wunderschoen. Nach einem Ruhetag mit Festschrauben, Tanken, Waschen, Internet, etc. Sehen wir uns am naechsten Tag den Zugfriedhof (Cemeterio de tren) im Sonnenuntergang an. Das hat etwas von Wueste, weit ausserhalb des Ortes, umringt von Bergen und Lamas, all diese rostroten Ueberreste. Auf dem Heimweg verfoglen wir eine nach Hause trabende Lama-Herde und helfen einem Jungen seine schwere Schubkarre voll Holz ueber die Gleise zu wuchten. Am Abend treffen wir Marc und Marie aus Paris, Adia aus Bruessel und Daniel aus Sydney bei uns gegenueber um lecker Pizza zu essen, Bier zu trinken und eine gemuetliche Zeit zu verbringen. Damit Bany nicht mehr friert haben wir ihm eine Lamadecke gekauft :) .Wieder organisieren wir uns eine Tour, der wir auf dem naheliegenden  Salar de Uyuni folgen wollen. Dabei treffen wir John und Shannon aus Australien wieder, mit denen wir schon im Pantanal ums Feuer gesessen haben. Fuer unsere Verhaeltnisse geht es recht frueh los und wieder saust der Jepp vorne weg und hinterlaesst eine Staubwolke. Die Piste ist mal wieder total schlecht und es ist egal, ob man schnell oder langsam uebers Wellblech faehrt, alles scheppert und die Tuer geht regelmaessig ein bisschen auf. An der Mautstelle heisst es: rechts und dann immer geradeaus zum Salzhotel. Wir sind im Glauben, unsere Gruppe sei schon vorne weg und versuchen unser Glueck allein. Die Einfahrt auf den Salzsee ist extrem nass und eine Pfuetze grenzt an die andere. Mit unseren Flussdurchquer-Erfahrungen suchen wir uns den flachsten Punkt und...bleiben gleich stecken. Bis ueber die Radkappen versinken wir in Salz und Wasser und kommen da alleine nicht mehr raus. Zum Glueck gibts all die Allrad-Jeeps hier und einer ist so freundlich, uns rauszuziehen. Dazu haben wir eine viel zu kurze Seilwinde, ein paar Bretter und mindestens 6freundliche Schieber. Nach einiger Muehe, Kopfschuetteln und mit nassen Fuessen schaffen wir es am Ende unter Beifall doch noch. Geschafft! Das ist Abenteuer. Erst die Muehen nach Uyuni und jetzt direkt nach 2min stecken bleiben. Da hatte selbst ein Bany Zweifel, ob wir lieber doch umkehren sollen. Einmal durch die Wasserloecher wird die Strecke aber besser und abgesehen von einigen „Ojos“ (richtig tiefe Loecher im Salar), muss man nix mehr befuerchten. Vielleicht, dass man auf dem riesigen Weiss den falschen Weg nimmt, aber dafuer sind genug schwarze Punkte (Jeeps) am Horizont, an denen man sich orientieren kann. Nach 3km landet man am Salzhotel, was wir uns fuer den Rueckweg aufheben und lieber einem Jeep folgen. Nach weiteren 60km nur weiss, was jegliche Perspektive aus den umliegenden Bergen nimmt, sind wir endlich da, an der Isla Pescadora/ Imahuaca. Am anfang sieht man nur Insel mit Kakteen, aber faehrt man drum herum, stehen da aufeinmal mind. 20Jeep-Touren, die an Tischen aus Salz der jeweiligen Gruppe ihr Mittag kredenzen. Und wir stehen mittendrin. Bei uns gibts erstmal Pesto-Nudeln und dann waretn wir den Strom ab, um bei wunderschoenem Abendlicht und fast Vollmond  allein die Insel mit ihren reisigen Kakteen umgeben von nur Weiss zu erkunden. Oben auf ist eine Art Altar „Mutter Erde“ (Tierra madre) gewidmet, wo schon so mancher seine Schaetze (Photos, Bonbons, Steine...) hinterlassen hat. Nachdem noch ein letzter Strom mit Schuelern die Insel stuermt, sind wir alleine, koennen aber bei der Kaelte eigentlich nur in die Schlafsaecke kriechen. Am Morgen sind schon gleich wieder neue Gruppen da und wir treffen sschon bekannte Fahrer. Nach einem gemuetlichen Fruehstueck ist endlich etwas mehr Blau am Himmel und wir machen uns auf den Rueckweg. Unterwegs machen auch wir unsere Spassphotos – auf dem Weiss kann man so schoen mit der Perspektive spielen. Wir sind nicht sicher, ob es der richtige Weg zum Salzhotel ist, aber wir kommen an. Hier ist jeder Stuhl under jeder Ziegel aus Salz gemacht. Jetzt ist es zur waessrigen Ausfahrt nicht mehr weit und uns schlackern schon die Knie. Fast hat es sich schon so angefuehlt, wie...nein, durchgekommen, geschafft. Jetzt nur noch die Buckelpiste nach Uyuni zurueck, tanken, evtl duschen und was warmes fuer die Abendstunden finden. Gleich frieren mir die Finger ab beim Tippen, weil es im ganzen Ort ueberall zieht. Dafuer wisst Ihr jetzt endlich, was wir alles ueberlebt haben und wo wir gerade sind. Weiter geht es in Richtung Potosi.

Hasta luego und habts waermer als wir!

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