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Bolivien VI

Alle Fotos aus Bolivien
Bolivien VI 14.08.2005 - 05.09.2005
(La Paz, Villa Tunari, Santa Cruz, San Matias)

So, wie geplant sind wir nach Cochabamba zurückgefahren, wo wir erst einen ziemlich gemütlichen Platz ausserhalb der Stadt gefunden haben und am nächsten Tag sämtliche Reperaturen und die Aufenthaltsverlängerung über die Bühne bringen. Jetzt steht unserm erneuten Besuch um Parque Machia in Villa Tunari nichts mehr im Wege. Es ist wieder total komisch, erneut die gleiche Strecke zu fahren, ein bisschen wie nach Hause kommen. Je näher wir kommen, desto mehr fragen wir uns, ob sich nach den zwei Monaten noch jemand an uns erinnert und ob unsere Vorstellungen nicht irgendwie enttäuscht werden. Mit am Ende etwas auf die Tube drücken kommen wir genau zur Fütterungszeit an. Schnell noch im Cafe unten die Leute begrüsst – und mehr noch als erwartet, freuen sich die „locals“, uns wieder zu sehen. Jetzt nix wie in den Park, zu unsern lang ersehnten Kleinen. Entgegen der Ankündigung sind nur vier Leute im Park, so dass wir beruhigt dazustossen können. Ein Teil hört eh bald wieder auf, dann wird die Arbeit auch wieder angenehmer. Leider werden wir auch gleich mit ein paar traurigen Nachrichten begrüsst. Unser geliebter Haushund Manu wurde überfahren – diese rasenden Trucks hier waren eh schon immer ätzend! – ein schwangerer Klammeraffe ist samt Kind gestorben und mein geliebter Papichoulo und der kleine Mass sind wegen einem Infekt in der Klinik gelandet. Diese beiden wurden von der Leine gelassen, die ja in gewisser Weise auch einen Schutz bedeuten kann, haben die Freiheit aber offensichtlich nicht gut überstanden.

Die schönste Begrüssung im Park ist dafür Jenny, der kleine dünne Affe, den Bany schon letztes Mal in besondere Pflege genommen hatte. Es heisst, seit wir weg sind sei sie nicht so viel dagewesen zu sein. Kaum betreten wir den Park und rufen einmal, fällt sie uns wieder kreischend um den Hals. Am Ende läuft sie uns sogar bis zum Parkausgang hinterher und hüpft vergnügt auf Banys Schulter.

Die ersten Tage sind wir sieben Leute, was eigentlich viel zu viel ist. Bany kann aber die Zeit nutzen, um neue Futtertische zu konstruieren und anzubringen und ich nutze die Zeit, um mit Chayan so oft wie möglich spazieren zu gehen. Falls Ihr Euch erinnert...Chayan ist einer der erwachsenen Capuzineraffen, der Männer nicht austehen und deshalb angreifen kann. Deshalb ist er an einem langen Seil, was mit einem Ring an einen Draht anghängt wird und ihm mehr Bewegungsfreiraum gibt. Ich glaube, ich habe keinen anderen so intelligenten Affen gesehen und es ist verdammt schade, dass er so ein trauriges Leben führen muss. Ein anderes Problem sind nämlich die anderen grösseren, vor allem männlichen, Kapuziner, die ihn gerne mal angreifen in seiner „Gefangenenposition“. Wenn man ihn von weitem beobachtet, wirkt er manchmal wie diese Löwen im Zoo, die in einer Art Hopitalismus nervös hin- und herlaufen. Er ist absolut ängstlich und schafft es vor lauter Kontrollieren, ob auch keiner kommt, manchmal gar nicht richtig zu essen. Das steinige Flussufer ist der einzige Ort, an dem er sich einigermassen entspannt bewegt und dabei quietschend vor Freude Insekten fängt. Er ist der beste Spinnenjäger der Welt und hebt dafür auch verdammt schwere Steine hoch. Zwei mal war ich in so einer Angriffsituation, wo man völlig machtlos mit ansehen oder –hören muss, wie Chayan attackiert wird und dann schreiend verletzt sich zurück zieht. Einmal musste ich vor Wut selber heulen, wie können so kleine Viecher so fies sein! Naja, so ist das wohl in der Natur. Neben dem Tischprojekt wurde Bans Esstischs der Jungs. Damit dies alles gefahrenfrei verläuft, muss Vladi – unser Affenkönig, der seit acht Jahren hier arbeitet – Mauricio an den Strand nehmen. Vormittags geht der Weg am Klammeraffenpark vorbei bis zum „Mirador“ Kapuziner Park und zurück. Nachmittags gehts an den Fluss herunter. Nicht nur, dass der Weg zum Mirador extrem steil ist und der arme Bany dem Tunari nur so hinterher flitzt. Der gute Affe ist Epileptiker und hat leidery auch noch zusätzlich in die Arbeit mit Tunari, einem Klammeraffen, eingeführt. Tunari lebt neben Mauricio, einem extrem agressiven Klammeraffen, an einem Runner gegenüber vom Affenpark. Auf dem Programm stehen jetzt zwei Spaziergänge pro Tag  und das Aufräumen de des öfteren auch Probleme mit andern Affen, sowohl kleine als auch grosse und beisst diese dann.Was natürlich gleich passiert. Zur Strafe darf er jetzt nicht mehr runter an den Strand, sondern nur nochauf den steilen Miradorweg. Ist wohl doch eher eine Strafe für Bany. Die ersten und letzten Meter sitzt das Riesentier auf Banys Schultern – ein sehr schönes Bild. Die ersten Meter ist er noch voller Energie, wenn die beiden zurückkommen, ist sein T-Shirt tropfnass. Leider ereignet sich irgendwann in ziemlich aufregende Situation mit Beissen u.ä. so dass Vladi zur Hilfe eilen muss und Bany erstmal alleine nicht mehr mit ihm laufen möchte. Schade, denn gerade war er so stolz auf seine Erlebnisse mit Tunari und hat beschlossen, wenn er mal wieder im Park arbeitet, denn möglichst mit den Klammeraffen. Gegen Ende startet er mit einem neuen Freiwilligen einen neuen Versuch, der problemlos über die Bühne geht und er damit seinen Nachfolger einarbeiten kann. Die Zeit im Park verfliegt mal wieder rasend schnell und diesmal machen wir so manchen längeren Abend mit, weil wir wissen, dass man so oder so immer müde ist und bleibt. So haben wir wieder viele nette Begegnungen und Gespräche, die den diesmal endgültigen Abschied um so schwieriger machen. Am letzten Tag stirbt zu alldem auch noch Papichoulo, nachdem die anderen zwei Affen in der Klinik auch schon Opfer eines Darmvirus geworden sind. Echt traurig! Schön waren dafür die Anrufe, die wir bekommen haben! Genausoschön zu wissen, wer es alles probiert hat oder wollte! Super lieb! Um einen speziellen Aschied zu feiern, haben wir an unserm letzten Tag erst wieder das Mittagessen im Cafe gekocht und abends, vor allem für die „locals“ einen Grillabend gemacht. Die Freiwilligen waren weniger, als gedacht und sassen alle drinnen am Tisch, während wir am Grill mit den Bolivianern standen und einen wunderschönen Abend hatten. Genauso sollte es sein. Bevor wir wirklich loskommen, müssen wir das Versprechen einlösen und mit den acht hier lebenden Kids eine Spritztour fahren. Sie jubeln und hüpfen, als Bany mit ihnen durchs Dorf tuckert. Dann heisst es Abschied nehmen und weil es schon schlimm genug ist und Tränen kullern – ich hasse Abschiede schon immer! – machen wir es so kurz es geht. Ca. fünf Stunden fahren wir ziemlich müde vom Vorabend bis Santa Cruz, wo Tina und Micha schon auf uns warten. In weniger Zeit, als erwartet, setzen wir hier eine Vollmacht wegen dem Auto auf und können dann weiter gen Brasilien düsen. Nach langer Unsicherheit wird uns dann zur Strasse über San Matias nach Cuiabà geraten. Ein unbepackter rasender (erfahren wir erst hinterher) Motoradfahrer meint, wir könnten die knapp 1100km in 1,5 Tagen schaffen. Das einzig Gute ist, dass es mittlerweile fast 400km Teerstrasse sind, eh die rote Piste anfängt. Zur Begrüssung sehen wir gleich zwei Tucane und auch später einige Riesenstörche, ein Jaguarundi und mehr Tucane. Die Strecke ist wirklich schön. Man fährt durch Orte, in denen ehemals Jesuiten gesiedelt haben und entsprechend schöne Holzkirchen und –wohnhäuser stehen und später wird es immer dschungeliger. Dieser einzigartige Duft, den der Fahrtwind immer ins Auto trägt, die leuchtend gelben und violetten Bäume in all dem Grün. Bei all dem Gerumpel fällt uns nur leider irgendwann die hintere Stossstange mit lautem Krachen ab. Auch das noch! :) Mit zwei Zwischenübernachtungen erreichen wir erschöpft Brasilien, wo uns der heissgeliebte Papierkrieg bevorsteht.


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