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Reisebericht Brasilien I

Alle Fotos aus Brasilien

Reisebericht Brasilien I 14.01. - 25.01. 2005

Pelotas, Porto Alegre, Albatroz, Tramandai

Capibara in Süd Brasilien Colibri in Albatroz Familie Baumgratz Läuskramer

Jetzt sind wir also in Brasilien. Die ersten Probleme bekommen wir auf der Suche nach Geld, weil uns hier kein Bankautomat was ausspucken will. So hilft einmal die Karte und wir können unsere letzten uruguayanischen Pesos an den Mann bringen. Später wissen wir, dass wir am besten immer eine HSBC-Bank suchen, da gibts dann immer was. Die Begrüssung in Brasilien ist überwältigend, weil der erste Teil der Strasse durch ein Feuchtlandgebiet  Bandera Brasil („Klein-Pantanal“) führt, wo wir lauter Tiere entdecken: Flamingos, Kapibaras, Störche, Adler... und alles ziemlich nah! Später müssen wir den Kampf mit einigen LKWs aufnehmen, denn die fahren hier wie die Henker, überholen, machen dicke Spurrillen...Unser erster Tankstellen-übernachtungsversuch scheitert, als auf einmal alle Trucks wegfahren, die Tanke zu ist und wir alleine dastehen. Also lieber noch ein bisschen im Dunkeln weiterfahren und dahin, wo Licht und Leben ist (kurz vor Pelotas). Die Stadt durchfahren wir dann am nächsten Tag und suchen immernoch fleissig nach einem Baumarkt für Kocherutensilien und ähnlichem mehr und mehr merken wir, wie „sprachbehindert“ wir eigentlich sind. Mit unserem mittlerweile recht guten Spanisch kommen wir gar nicht mehr weit. Jetzt verstehen wir nicht mal mehr die Hälfte und portugiesisch sprechen geht schon gleich gar nicht. Ein Glück ist die Schriftsprache manchmal ähnlich, sodass man erahnt worum es geht. Wie soll das bloss werden?! Und wie wollen wir überhaupt die ganzen Autosachen managen? Den Schritt nach Porto Alegre schaffen wir dann schnell und irren erstmal ordentlich durch dessen Verkehrsnetz. Wiedermal kämpfen wir mit Einbahnstrassen, dreispuriger Fahrweise auf 2 Spuren etc. Hier gibt es keine Kreuzungen, wie bei uns. Man darf meist nur geradeaus oder rechts fahren und alle Nase lang kommt mal ein „retorno“, der einem anzeigt, wo man abbiegen muss, damit man nach einer Runde über die eben gefahrene Strasse kommt. Sehr kompliziert, oder? Erst später merken und erfahren wir, dass unser (im Reiseführer empfohlenes) Hotel im Rotlichtviertel steht. Also heisst es Taxi nehmen, oder einfach nur im Hellen rumlaufen ? Wenigstens steht der Bus im Parkaus sicher! Am naechsten Tag erkunden wir erstmal ein bisschen die Gegend mit dem Bus und starten unsere Serie „in welchem Shopping-center essen wir heute?“. Anfangs war es fast peinlich, aber das ist hier weit verbreitet und ausserdem weiss man da gleich, wo man hinfahren kann. Mittlerweile kennen wir sie alle ! ? Am typischsten isst man hier all-you-can-eat-buffet zum Mittag und a-y-c-e-churrasco (Fleisch - Rind, Schwein, Geflügel, Herzen... - nach typischer Art am Spiess gegrillt). Die Salate sind leckerst und es gibt immer frisches Obst. Aus der grünen Kokosnuss haben wir natürlich auch schon geschlürft ? drei und der Bus
Wir werden immer gefragt, ob wir zum “Forum” hier sind und ernten erstaunte Gesichter, wenn wir verneinen. Vom 25.-31.Januar ist hier das ”forum social mundial”, wo ca. 150.000 Besucher erwartet werden. Mal sehen, ob für uns eine interessante Veranstaltung dabei ist. Am Montag düsen wir gleich auf die Bank uns besorgen uns die für die Umschreibung nötige Steuernummer (CPF), die dann am nächsten Tag im Meldeamt abgeholt werden kann. Beim einfachso-durch-die Gegend-düsen kommen wir bei einer Werkstatt vorbei, die VW-Teile verkauft. Nach einem kurzen Schwatz mit dem Besitzer (Nelson Pietrowsky – Eltern waren mal aus Polen), kommt heraus, dass bei ihm ein deutsch-sprechender Mechaniker arbeitet. Der stellt sich wenig später auch gleich vor. Plinio Baumgratz ist hier auf einer deutschen „Kolonie“(wie es hier immernoch heisst) aufgewachsen und hat bis zu seinem 18. Lebensjahr kein Wort portugiesisch gesprochen. Was für ein Glück, dass wir hier gehalten haben. Der Mann ist fachlich super, wir können ihm erklären, was wir möchten und auch sonst ist er uns in vielen Dingen behilflich. Seitdem sind wir morgends aus dem Hotel rausgefahren, in die Werkstatt, haben um die Ecke bei „Don Basilio“ lecker Buffet gegessen, abends in ein unbekanntes Shoppingcenter und später wieder zurück ins Hotel. Das Auto ist auf Vordermann gebracht, wir haben neue chice Sitze aus der Polsterei von nebenan und Nelsons Schwager (Tischler) hat uns einen Schrank in den Bus gebaut. Der Papierkram hat sich aber als weitaus schwieriger herausgestellt als Laurinha gedacht. Im Pass eines jeden Brasilianers z.B., steht der Name der Mutter (die Namen sind sich sonst so ähnlich). Da das bei uns nicht der Fall ist, mussten wir mit Umweg über das Konsulat eine Geburtsurkunde vorweisen, damit die überhaupt die CPF rausrücken. Das mit der Überschreibung dauert jetzt auch noch einige Zeit, da wir im Nachhinein ein Schreiben von Beni (dem Verkäufer) brauchen, dass wir es in seinem Namen umschreiben dürfen. Da dieser in Argentinien ist, muss das mit der Post kommen und dann noch übersetzt werden... naja, und so kommt hier eine Hiobsbotschaft nach der anderen. Die CPF haben wir jetzt. Gerade wird noch die Schönheits-OP (Delle und Lackschaden) vorgenommen und dann reichts aber auch bald. Porto Alegre ist nicht gerade sehenswert für ganze 2 Wochen. Zum Glück hat uns Plinio mit in sein Wochenendhaus ans Meer genommen (Albatraz). Dort haben wir seine Töchter und seine Frau kennengelernt. Die Kinder verstehen zwar etwas deutsch und benutzen völlig selbstverständlich Wörter wie „Gutnacht“, „Schmecktgut“ oder „Dankschön“, sprechen aber sonst portugiesisch. Deshalb gab es an diesem Wochenende eine lustige Mischung aus Portugiesisch, Deutsch und Englisch. Das Meer, die Ruhe und die furchtbar nette Gesellschaft haben sehr gut getan (wir wurden fast gemästet!). Mit Elisete (Tochter) und ihrem Freund haben wir uns schon für die nächsten Tage verabredet. Wir werden weiter nördlich die Strände erkunden (Torres) und am Samstag auf ein Festival gehen. Mittlerweile haben wir auch den portugiesischen Singsang etwas im Ohr und stehen nicht mehr ganz so doof da, wenn man uns anspricht... Es kann nur besser werden! Aber wir haben ja Urlaub und zwischendurch fühlt es sich já auch immernoch so an ?

© www.bus-travel-diaries.de 

Plinio macht Churrasco Vögel im kleinen Pantanal Bany & Friederike Torres Colibri in Albatroz



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