Brasilien III 22.02. - 03.03. 2005
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Da sind wir wieder mit den neuesten Erfahrungen und Erlebnissen aus dem Land der Havanianas (Flip-Flop-Marke), der Copacabana, des Körperkults, des Caipirinha, der Fejoada (Nationalgericht mit Reis, Bohnen...) u.v.m.
Nachdem wir mal wieder erfahren durften, dass die Fertigstellung unserer Papiere länger dauern wird, haben wir beschlossen einfach los zu fahren und die Zeit lieber zu mutzen. Wir hatten die fixe Idee, mal eben schnell in ein paar Tagen nach Recife (ca. 3500km) zu düsen, um dort zu schnorcheln und dann gemütlich wieder Richtung Süden an der Küste zurück zu fahren. Den ersten Tag sind wir bis Nachmittags nach Bombinhas gefahren – einer kleinen Halbinsel oberhalb von Florianopolis. Wir haben dort mächtig lang nach einem geeigneten Schlafplatz gesucht und sind dabei an ein paar interessanten Stellen vorbeigekommen. Einmal sind wir am Verbotsschild vorbei marschiert und an einer felsigen Küste gelandet, wo schon Taucher mit Harpunen unterwegs waren. Wenig später baden wir nach einem kurzen Fussmarsch in der Abendsonne einer kleinen Bucht. Nur der Schlafplatz bleibt schwierig. Am Ende stehen wir auf einer Art Strandzugang, neben einem Restaurant. Da wir meistens schlafen, wenn’s dunkel wird, wachen wir immer früh auf, fahren einfach wieder los
und haben dabei auch noch mehr vom Tag. Der nächste Tag wird ein kompletter Autotag (10 h!). Wir fahren und fahren, vorbei an Itapema und Curitiba, durch hohe Bergstrassen (wer hätte die hier vermutet?!) bis nach São Paulo. Unterwegs reisst uns dann der erste Keilriemen – natürlich mitten in den Bergen. Zum Glück gibts Ersatz im Werkzeugkoffer. Aus der Idee, noch schnell durch die Stadt zu fahren und dahinter eine Raste zu finden, werden 2h Irrfahrt durch die Grossstadt. Ohne Fragen hätten wir den Weg wahrscheinlich auch nicht gefunden. Hier stehen keine Städte angeschrieben, sondern die grossen Strassen haben Namen (vom Pres. Dutra, Aerton Senna...etc.). Da soll mal einer wissen, welche Persönlichkeit, den Weg nach Rio de Janeiro weist. Als wir endlich durch sind, schläft Bany bald am Lenkrad ein. Völlig am Ende erreichen wir eine Raste, wo es noch nicht mal Churrasco, sondern nur Hühner-fast-food gibt. Naja, ist wohl nicht gerade unser Tag gewesen. Der Nächste sollte es aber auch nicht werden, denn nach ca. 150km beim Tanken taucht ein verdammt unschönes Geräusch aus
Richtung Motor auf. Da an jeder Raste eine Werkstatt ist, begeben wir uns direkt dahin und werden von verschiedenen vertrauensunwürdigen Figuren begrüsst. Die Diagnose lautet: Motor muss raus, dauert 2 Tage und kostet 400 R$. Den Gedanken, 2 Tage hier zu bleiben auf der Raste, mit diesen merkwürdigen Typen können wir nicht so gut ertragen und erkundigen uns an der Tanke nach dem brasilianischen ADAC. Den gibt es natürlich nicht und so müssen wir auf eigene Kosten in eine Werkstatt im nächten Ort (Resende) geschleppt werden. Der Schlepperfahrer wirkt sehr sympathisch und somit fühlt sich die ganze Situation schon besser an. In der Werkstatt macht sich der Hauptmechaniker ans Werk.
Nach dem Ausbau des Motors wird entdeckt, dass an der Kupplung Spiel ist und die grosse Schraube wird ausgetauscht und mit Loctite festgeklebt. Nebenbei konnten noch ein paar Schrauben festgezogen und korrigiert werden – wenn der Spass schon mal offen ist. Nach ca. 5h ist alles wieder drin – heute wurde ausnahmsweise nur an unserm Auto gebaut, normalerweise werden alle parallel bearbeitet. Nach einer Probefahrt, 250R$ und einer Runde Bier für die Jungs, hört sich alles wieder gut an und wir können weiterfahren. Wir fahren noch ein Stück in Richtung Rio zur nächsten Raste, während es ordentlich zu regnen anfängt. Was für ein Tag! Da kann man vor Aufregung fast nicht schlafen. Weiter gehts, Richtung Rio. Zum Glück wissen wir diesmal, wie wir Rio umfahren können und landen relativ unkompliziert, bei mordsmässigem Verkehr auf der 13km langen Rio-Niteroi-Brücke über die Bucht von Rio.
Bereits unterwegs fing aber ein neues Geräuch aus Richtung Motor an, was wir aber zunächst beobachten wollten und hofften, dass es wieder verschwünde. Nix da, es wird eher noch heftiger. So hangeln wir uns über die Brücke, an Niteroi vorbei ins nächste Shopping-Center, um die Lage erstmal abzuchecken. Nach einer kleinen Mahlzeit und einem enttäuschenden Telefonat mit der Werkstatt beschliessen wir einen Mechaniker zu suchen. Man bedenke: es ist Samstag Mittag. Da die meisten zu haben, lotst uns ein Typ aus dem Internetcafe in eine Sandstrasse zu irgendwelchen Privatmechanikern (z.B. so nem zahnlosen, barfuss, der aber übervoll sei...). Am Ende gibt es zwei Angebote, mit je mind. 2 Tage Wartezeit, „die wir ruhig hier (mitten im Ort) an der 24h Tanke verbringen könnten“. Nee Danke, da suchen wir uns lieber im nächst grösseren Niteroi ein Hotel und eine Werkstatt, die gross genug und vor allem schneller ist. Ein Hotel zu finden, ist nicht so einfach und so landen wir nach 4Tagen Autoschlafplatz im ***Hotel :). Mit der Werkstatt müssen wir dann bis
Montag aushalten, Samstag geht nix mehr. So verbringen wir endlich mal wieder etwas Zeit in der bunten, schönen, heilen Welt eines Shopping-Centers – bei über 40’ auch schön kühl. Den Sonntag nutzen wir, um eine Werkstatt zu finden und erlaufen dabei die Stadt und die Küste, vorbei am Museu do Arte Contemporal (Niemeyer-Architektur), mit Blick auf das gegenüberliegende Rio. Mit extra früh aufstehen fahren wir zum nächsten Mechaniker, der uns weiterleitet zur Motorenwerkstatt. Dort heisst es: 2 ½ Tage, 1200R$ und alles wird ausgebaut, aufgemacht und
erneuert. Na Danke schön. Eigentlich dürfte die Runderneuerung noch lange nicht fällig sein und einen Goldesel haben wir auch nicht im Kombi...aber was soll man gegen eine Fachdiagnose tun? Plinio meint später sogar, dass der Preis sehr günstig sei. Also, schauen wir noch zu, bei der Obduktion unseres Motors, checken aus dem Hotel aus und begeben uns nach Rio de Janeiro mit Handgepäck. Am Anfang läuft man immer noch unsicher durch die Strassen und muss sich orientieren. Auf dem Rückweg fühlen wir uns schon fast zu Hause. Wir suchen eine Weile nach einer günstigen Unterkunft – was es in Rio eigentlich nicht gibt. Wir finden was und erlaufen uns noch ein bisschen das Zentrum bis es dunkel wird und man entspannter ohne Gepäck umherzieht. Schon komisch, auf einmal spontan mitten in Rio zu sein. Am nächsten Tag nehmen wir den Bus Richtung Ipanema und versuchen dort herauszufinden, was hier und nebenan an der Copacabana nun so besonderes ist. Letztendlich fehlt dem ganzen mittlerweile eine Menge Charme und Hochhaus steht am nächsten. Allerdings hat es schon was, wenn man mitten in einer Grossstadt ist und dabei am Strand sitzt, türkises Meer und Inseln vor den Augen hat und ringsherum türmen sich die Berge um die Stadt. Wir haben das beste Wetter erwischt und auf dem Pâo de
Açucar fängts erstmal direkt an zu regenen. Den grossarmigen Christo sehen wir bis zur Abfahrt fast gar nicht mehr – der hat sich zum 440. Geburtstag der Stadt mit Schleiern geschmückt. Wir wagen uns am nächsten Morgen nach Sta. Theresa einem gemütlichen Künstler-Viertel, durch das man mit dem „bondinho“ fährt und sich aber auch ziemlich nah an die Favela begiebt. Aber auch das überleben wir und holen unsere Sachen und fahren zurück zur Werkstatt in Niteroi, wo noch gebaut und eingestellt wird. Gegen 7 ist dann die Probefahrt gemacht und wir können wie
der einsteigen und weiter abenteuern. Die Suche nach einem Schlafplatz ist mal wieder zeitaufwendig (*** muss nicht wieder sein!). Am Ende landen wir in der Bucht von Itacoaira, ca. 50km von N. Entfernt auf einem Platz namens „Nativa“, wo man aus den einfachsten Mitteln ein kleines Strandparadies gebaut hat. Schade nur, dass uns der Regen gleich am nächsten Morgen vertreibt und leider auch bis hierher nach Cabo Frio verfolgt. Das richtige Wetter, um im Bett zu bleiben oder auch stundenlang im Internet zu sitzen. Nach 1000km wollen wir wegen Garantie in die Werkstatt zurück und abhängig von den Papieren, die natürlich immernoch in Arbeit sind, wollen wir dann Richtung Norden weiter, solange die Zeit reicht.
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