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Brasilien IX

Alle Fotos aus Brasilien
Brasilien IX 05.09. - 18.09.2005
(Brasilia, Manaus, Encuentro das Aguas)

Nachdem wir also mehrfach vorweisen mussten, gegen Gelbfieber geimpft zu sein, bekommen wir also 45 weitere Tage im Land des ewigen Sommers, des Cachaças, der Havaianaschlappen und des Körperkults und machen uns auf den heissen Weg gen Cuiabà, wo Tina und Michi wieder auf uns warten. Weil kein Platz mehr in der Pousada ist, müssen wir eine andere Unterkunft suchen, wo man uns aber netterweise einen Spezialpreis macht, der trotzdem gewöhnungsbedürftig ist. Wahrscheinlich sind wir auch noch zu sehr von den bolivianischen Preisen verwöhnt... Der Papierkrieg ist wie immer nicht gerade einfach und neben einer gehörigen Portion Glück, die die anderen diesmal haben und unserer Begleitung schaffen wir, das nötigste innerhalb von drei Tagen zu erledigen. Natürlich kommt mal wieder ein Feiertag dazu – wie sollte es anders sein! Ob jetzt am Montag, wenn wir entspannt im Flieger sitzen, der Detran irgendwas zu meckern hat, werden wir sehen. Aber dann müssen die anderen ihr Portugiesisch erproben und wir können ihnen nur die Daumen drücken. Mehr, als evtl. die Adresse, vom Cousin von Elisete zu geben, der im Süden beim Detran arbeitet, können wir dann auch nicht. Wir haben unsere Flüge nach Brasilia und später dann nach Manaus gebucht. Mit einem rasenden Taxi (über rote Ampeln, vorfahrtnehmend...) erreichen wir relativ entspannt den Flieger, der uns über viele Wasser und Wälder nach Brasilia bringt. Die gerade mal 45 Jahre alte Stadt wurde im Herzen des Landes als architektonisches Meisterwerk und Denkmal für den damaligen Präsidenten Kubitschek aus dem Boden gestampft. Und das mitten im Urwald! Es gab sogar anfangs Bestimmungen, wieviel Einwohner die Stadt haben dürfe etc., woran sich mittlerweile keiner mehr hält. Nach der Ankunft ist unser erster Ausflug zum hiesigen Fernsehturm, der gerade noch lange genug offen hat, damit wir von seiner Plattform aus einen Überblick über dieses beeindruckende Beton-Blech-Wunder zu bekommen. Wie Ameisenkolonnen reihen sich auf den grossen Strassen unter uns die Autoschlangen und die Strassenführung wirkt ein bisschen wie eine Carrera-Autorennbahn. Man kann von hier aus sowohl die kronenförmige Kathedrale, als auch das Regierungsgebäude, was einem überdimensionalen „H“ ähnelt (Humanität) sehen. Wie schon mit dem „Ufo“ (Museum zeitgenössischer Kunst) in Niteroi hat sich Architekt Niemeyer - mittlerweile Anfang 90 und immernoch am Werk – in dieser Stadt ordentlich ausgetobt und erstaunlicheste Gebäude entstehen lassen. Am zweiten Tag erkunden wir all das gestern gesehene zu Fuss und sind von der Nähe noch mehr beeindruckt. Dummerweise fängt die Digitalkamera an zu spinnen und macht ab jetzt keine Photos mehr. Wir müssen die nächste Zeit mit kurzen Filmen überbrücken und irgendwie Hilfe organisieren. Das ist komplizierter, als es aussieht, denn die Kamera hat noch über ein Jahr Garantie und wenn irgendwer daran herumbastelt, fällt diese sofort weg. Einzig ein autorisierter Fachhandel könnte dies übernehmen und die sitzen natürlich in Sao Paulo. Nix da. Per Internet fragen wir bei Olympus an und die wollen zwar besten Kundenservice bieten – schreiben sie – antworten aber Ewigkeiten nicht. Wir verbringen – schliesslich sind wir in Brasilien – mal wieder einige Zeit in Shopping-Centern und damit, leckerste Fleischspiesschen zu essen und Skol-Bier zu trinken. Damit geht es dann auch schon wieder weiter nach Manaus, der Stadt mitten im Dschungel am grossen Rio Negro. Es ist gar nicht so heiss, wie wir dachten, als wir aus dem Flughafen kommen. Relativ unkompliziert finden wir eine Unterkunft gleich neben dem berühmten Theater, dass zu Zeiten der Kautschukblüte entstanden und noch heute Wahrzeichen der Stadt ist. Als wir fragen, warum wir nur kaltes Wasser in der Dusche haben, werden wir nur belächelt, das sei normal, es sei denn wir würden die Suite mieten. Naja, eigentlich ist es ja auch warm genug dafür :). Wir spazieren ziemlich viel in der Stadt herum, die ansich nichts weiter als eine Stadt ist, wie man sie kennt. Da sind ein paar spezielle Plätze, wie die von Franzosen (angeblich Eiffel) gebauten Markthalle, das Theater, der alte Hafen, wo die Amazonasdampfer ablegen, einige Museen und die Gegend um die Kanäle, die in der Regenzeit voll Wasser stehen, momentan aber eher im Müll versinken, den die Leute einfach aus ihren Stäbchenhäusern werfen. Nebenbei ruhen wir uns im klimatisierten Zimmer aus und suchen tourifreie Plätze zum Essen und unter die Leute mischen.  Der alte Hafen ist wirklich beeindruckend, auch wenn wir sogar zu einem Zeitpunkt da waren, wo nicht viel los war. Und trotzdem laufen die Leute und schleppen eifrig schwerste Ladung auf die zum Teil dreistöckigen Amazonasdampfer, die für die nächsten Tage und Wochen unterwegs sein werden. Auch wenn das Schiff erst morgen ablegt, haben es sich schon einige Leute in den Hängematten bequem gemacht, auch um einfach ihren Platz zu verteidigen. Für einen Tag organisieren wir uns eine Tour auf dem Fluss, die aber anders werden wird als alle je zuvor gemachten Touren. Eigentlich wollten wir ja nur die berühmte Stelle sehen, wo Rio Negro und Amazonas zusammen bzw. einige Kilometer nebeneinander fliessen, „Encuentro das Aguas“. Auf der Tour macht man aber noch einen Ausflug in einen Naturpark „Janauary“, wo man die berühmten Riesenseerosenblätter „Victoria Regis“ sehen kann. Wir werden am chicen neuen Hafen in einen Amazonasdampfer gesetzt und stellen erstmal fest, dass wir die einzigen Ausländer sind. D.h., die nicht ungewöhnlich für Brasilien anwesenden vier Japaner sind sogar echte. Auf einem Boot voller Brasilianer gibt es dann schon ab morgens um 9:30h Caipirinha und Bier, was die Stimmung und damit den Lautstärkepegel deutlich hebt. Der Reiseleiter erklärt alles auf portugiesisch und wir sind stolz, dass wir sogut wie alles verstehen. Wir lernen sogar noch recht sympatische Sao Pauler kennen, mit denen wir uns unterhalten. Das Boot fährt an der gesamten Stadt und an diversen schwimmenden Stationen, wie Tankstellen, einer Eisfabrik u.ä. vorbei. Dann erreichen wir die Stelle, wo die zwei Flüsse aufeinander treffen ( sieht aus wie Milchkaffe neben Espresso) und pünktlich kurz davor wird der Himmel ziemlich grau. Nachdem der Dampfer lange genug angehalten hat, damit jeder ein Photo davon machen kann, fängt es sogar richtig heftig an zu regenen. Schliesslich sind wir ja auch im Regenwald:)... Ein Stündchen zurück gen Manaus und dann heisst es umsteigen in ein Kanu (zum Glück überdacht), in das nur 10 Leute passen. So düsen wir in Reihe mit 4 Booten in einen Seitenarm in die Lagoa Janauary. Dort fahren wir an einigen schwimmenden Restaurants vorbei und bekommen schon Hunger, obwohl wir gar nicht wissen, wo und wann es endlich Essen gibt. Wir fahren an schwimmenden Häusern vorbei – so, wie man sich das am Amazonas vorstellt – und machen Halt für einen kurzen Waldspaziergang. Schade, dass gerade keine Regenzeit ist, denn normalerweise steht auch hier, auf dem ca. 14km breiten Streifen zwischen Rio Negro und Amazonas, das Wasser und man fährt mit dem Boot unter den Bäumen durch in den Wald. Wir können also nur bestaunen wie hoch das Wasser sonst hier steht. Zunächst kommt aber ersteinmal der lustigste Part der Fahrt, als alle in diversen Schuhen und Schühchen aus den Booten steigen und durch ein kurzes Stück Schlamm waten müssen. Sehr sehr amüsant! Entgegen all unsern Vorstellungen und Erfahrungen stapfen wir jetzt in einer Gruppe von ca. 50 Leuten durch den Wald. Der Guia erzählt einiges über Pflanzen und Bäume, aber wir bleiben so weit hinten wie es geht, um zum einen diese schönen knallroten Samen aufzusammeln, die sonst scheinbar keinen interessieren, und um zum anderen unsere Ruhe zu haben. Nach fünf Minuten geht es auf einer Holzbrücke weiter zur Aussichtsplattform auf die Seerosen, die man von den Postkarten kennt. Sogar ein Krokodil lässt sich bei dem Lärm und bei der Massenwanderung blicken. Schade, dass die Seerosen um diese Jahreszeit nicht in voller Schönheit stehen – hätte man uns ja vorwarnen können. Der Rückweg endet direkt in einem Souvenirshop, wie sollte es auch anders sein. Und dann endlich gibt es Essen – juhu, Buffet libre! Wir nutzen aus, soviel leckere gebackenen Bananen, Salate, Fleisch etc. zu essen, eh es später in Venezuela nur noch Arepas (Maismehlküchlein) gibt:). Danach gehts nur noch zurück in den Dampfer und dann in die Stadt. Hier tingeln wir noch herum, photographieren, trinken, spazieren, bis die Zeit reif ist, in den Nachtbus zu steigen gen Venezuela. Jetzt heisst es Abschiednehmen von Brasilien, wo wir sicher am ehesten mal wieder hinkommen, um unsere „Adoptivfamilie“ zu besuchen. Abschied von Banys geliebtem Churrasco, den starrenden Frauen, denen ich wohl nicht gestylt genug aussehe, den Havaianas (haben gleich noch welche gekauft), etc.. Tchau (so schreibt man das hier) e tudo de bom!!!


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