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Reiseberciht Brasilien VII

Alle Fotos aus Brasilien

Brasilien VII  20.03. - 13.04. 2005

Foz de Iguacu, Ciudad del Este (Paraguay), Puerto Iguacu (Argentinien) Ilha do Mel

Bondinho, Rio de Janeiro Santa Teresa, Rio de Janeiro Militärinsel vor Rio de Janeiro Skyline Rio de Janeiro

Da wir nach langer Zeit mal wieder Regen haben, sitzen wir das kalte Nass lieber im Internetcafé und berichten die neuesten Lach- und Sachgeschichten aus dem Land des Pitù und der Hawaiiana-Schlappen. Soeben ist mal wieder Baustelle auf der Homepage angesagt, also nicht wundern, wenn Ihr dies erst nach ewigen ergebnislosen Versuchen lest.

Morgen sind wir genau 3 Monate in diesem Land, wo wir eigentlich nur kurz die Papiere ummelden wollten. Wie Edith schon sang: „non, je ne regrette rien...“ (ich bereue nix), weder den Bus, der uns schwer ans Herz gewachsen ist, noch die vielen Erlebnisse, netten Leute und Augenblicke die wir kennenlernen und haben durften. Mittlerweile haben wir bald 15.000km hinter uns – für Brasilien ist das nicht ausreichend, aber wir sind doch weit gekommen. Von Bonito gings dann also weiter nach Foz do Iguazu, zu den Fällen, die drei Länder miteinander vereinen: Brasilien, Argentinien und Paraguay. Nachdem wir den Camping erreicht hatten, Daniel wieder sein klaustrophobie-verursachendes Einmannzelt aufgebaut hatte und wir der letzten gemeinsamen Tage hier entgegen sahen, liegt Bany erstmal eine Weile lang in der Hängematte flach und wir sinieren schon über Malaria und Co. Am Ende waren die Stiche aus dem Pantanal schuld, die nach ordentlich Jucken und Kratzen das ganze System lahm gelegt haben. Mit etwas Ausruhen und Antibiotikas, (schliesslich hatten wir es nicht zu eilig) und nur einem kurzen Rückfall ist auch das überstanden. Den zweiten Tag konnten wir aus Regengründen vergessen. Während sich die hiesige Bevölkerung riesig freut, dass endlich nach 3 Monaten was vom Himmel kommt, sitzen wir unterm Dach, kochen (was sonst :) !), spielen Karten und lesen. Wir machen einen Kurzausflug ins grösste Wasserkraftwerk der Welt, dass Paraguay und Brasilien untereinander teilen. Mit dem Ziel einer Image-Verbesserung ist die Besichtigung umsonst. In einem quasi Werbefilm wird die Umweltfreundlichkeit und auch der Wiederaufbau der näheren Umgebung gelobt – von den vertriebenen Indios und 1000en namenlosen Bauarbeitern spricht aber keiner. Ca. 350Touris werden in Omnibussen durchs Gelände gekarrt und wenn nicht ab und zu ein Auto irgendwo geparkt wäre, könnte man die Dimensionen gar nicht erfassen. Ein sonntäglicher Ausflug nach Ciudad del Este/Paraguay soll die Langeweile etwas verkürzen. Zum einen regnet es aber in Strömen und zum anderen ist Sonntag – also tote Hose – so dass der Ausflug einganz kurzer bleibt. Diese Stadt erreicht man über die „Brücke der Freundschaft“(klingt fast wie früher :) ), quasi von der brasilianischen Stadt Foz in die paraguayanische Stadt Ciudad. Als wir an den Grenzposten kommen, lassen wir uns die Ausreise abstempeln – muss man verlangen, sonst fragt keiner – und holen uns einen neuen Stempel in Paraguay. Ciudad del Este wird auch das Schmuggler- und Handelsparadies genannt – Bany meinte immer, „ist wie ein riesen „Polenmarkt“. Nachdem also gar nix los ist, wollen wir nach 5Minuten unter Kichern wieder einen Ausreisestempel haben, was uns abruppt im Halse stecken bleibt, weil man uns diesen verweigert. „Es gebe da so ein Gesetz, normalerweise 50US$...schliesslich müssten wir bei fast 90Tagen Aufenthalt 24h draussen bleiben...“ Am Ende will der Beamte „nur noch“ 10US$ pro Person und damit sind wir 50Reais, dafür aber den Schlamassel los. Auf der brasilianischen Seite gibts eine neue Touristenkarte und das wars. Hinterher lernen wir, dass man für einen Tagesausflug einfach nirgendwo vortritt, sondern nur durchfährt und tschüss. Das versuchen wir dann am nächsten Tag nochmal und parken nach einem Versuch lieber und lassen uns rüberfahren. Hier ist ein System von Moto- und Grosstaxi aufgebaut, dass sich heute hupend zweispurig über die Brücke staut. Bis auf Musik, einen Satz Schraubenschlüssel und etwas Schnickschnack, lassen wir uns nix andrehen – es gibt hier fast alles, vom elektrischen Haarschneider bis zur Tennissocke.

Nachdem Bany seinen „Hängemattenrückfall“ erleidet und Daniel das Zelten satt hat, beschliessen wir bis zu dessen Heimflug umzuziehen. Hier gibts dann richtige Betten, lecker Frühstück und ruhige Nächte. Für einen ruhigen Neustart sehen wir uns zuerst die brasilianische Seite der Fälle an, wo man weniger läuft und dabei aber einen Gesammtüberblick erhält. Wie schon erwähnt herrscht seit Wochen Regenmangel und das sieht man auch direkt, wenn man die erste grosse „Wasserwand“ erblickt. Jede Postkarte wirkt da beeindruckender :( . Aber auch wir werden noch am Ende mit dem Anblick des grossen „Garganta del Diablo“ belohnt, wo man wie vorgewarnt regelmässig geduscht wird. Beim abschliessenden Kekse-Picknick werden wir von den anfänglich niedlichen Nasenbären – die begrüssen eine direkt bei der Ankunft – überfallen. Die sind hier wie eine Plage. Während Bany im Pantanal vom Papagai angefallen wurde, bekomme ich meine Portion vom Nasenbären ab, der skrupellos meine Kekse vom Tisch fischt. Bin aber noch gut davongekommen, am Nachbartisch haben sie ein komplettes Sandwich mitgenommen.

Jetzt wollen wir natürlich noch die argentinische Seite sehen. So einen problemlosen Grenzübertritt wie diesen hatten wir lange nicht. Heute, noch heisser als gestern, wandern wir mutig alle möglichen Strecken des Nationalparks ab und tasten uns dabei immer weiter an die vielen hundert Fälle heran. Der letzte Höhepunkt ist die Draufsicht auf den bereits gestern gesehenen grossen Fall – ein riesiges Weiss, spritzend, staubend, echt beeindruckend. Jetzt hat Daniel noch alles zu sehen bekommen und zum Abschluss ein festliches Essen im Restaurant mit typischer Kost aus Bahia (damit auch wir wissen, was wir verpasst haben :) ). Am letzten Tag steht noch der Besuch im Vogelpark an, wo wir wie die verrückten nach bunten Federn jagen (natürlich nur auf dem Boden) und endlich mal eine Tucan von nahmen sehen und auch photographieren können – in natura sind diese sehr scheu und viel zu weit entfernt. Daniel ist – wie sich später rausstellt zurecht – aufgeregt vor dem Abflug. Mit dem Gedanken, er sei sicher im Zubringerflugzeug zu seiner Maschine nach Deutschland, verbringen wir den letzten Abend mal wieder auf dem Camping. Hinterher, als wir auf dem Weg an die Küste sind. erfahren wir, dass er seine Flieger verpasst habe und meinen zunächst, es wär ein Spass. Nix Spass, mit 36h Verspätung erreicht der Arme seine 4Wände. Hauptsache der Urlaubseffekt ist nicht komplett aufgehoben?!

Wir haben uns auf einen letzten (auf jeden Fall für länger) Ausflug ans Meer gemacht und sind dazu auf die von Inga empfohlene Ilha do Mel (Honiginsel) gefahren. D.h., bis an die Küste vor Curitiba sind wir gefahren, wo man dann ins Schifferboot steigt und auf die autofreie Insel geschippert wird. Wir haben Dank Saisonende die Insel fast für uns, müssen aber zunächst erst eine Weile suchen, bis wir eine geöffnete und passende Unterkunft finden. Hier verbringen wir 2 sonnige Tage mit Nacktbaden (ist ja keiner da! Erfahren aber, dass das hier verboten sei ?!), Fisch und Shrimps in Massen und einen abenteuerlichen Inselumwanderung bei mind. 35Grad im Schatten. Zwei Weimarer, die leider gen Heimat müssen, vermachen uns ein paar Sachen und regen uns zur Überlegung an, wie das mit dem Heimkommen mal werden wird. Aber noch sind wir ja da, auch wenn bald schon „Bergfest“ ist (d.h.:die Hälfte ist um. Bany meint, Ihr Wessis kennt das Wort nicht :)  )

Gerade sind wir auf dem Weg nach Porto Alegre, „nach Hause“ zur „Adoptiv-Familie“, wo alle auf uns und die Papiere aus Manaus warten. Jetzt heisst es Daumen drücken, damit wir in der nächste Woche unser Abenteur im Norden von Argentinien fortsetzen können.

Wir hoffen auch noch nachträglich (Asche auf unser Haupt!), Ihr hattet schöne Ostertage und der Frühling zieht in alle Gassen. Auf dem Weg nach Curitiba hatten wir fast herbstlich gefärbte Landschaften und der Regen jetzt lässt den hiesigen Jahreszeitenwechsel ahnen.

Bis bald wieder Lady F und ihr Fahrer

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