Also auf dem Schiff durch Patagoniens Kanaele war es doch viel weniger spannend, als wir gedacht haben. Wir hatten allerdings auch ziemliches Pech mit dem Wetter, grau, Nebel, kalt... zum Glueck ab und zu Sonne zur Aufmunterung. Es hat uns also kein Eisbaer gewunken und als der Orka zu sehen war, waren ca. 3 1/2 Personen draussen. Wir hatten das Glueck ein paar Robben zu sehen und dicke grosse Albatrosse. Das Essen war recht gut, entgegen allen Vorwarnungen. Wir mussten also ueber die Haelfte unseres Proviantes (und Ihr wisst, was ein hungriger Bany so braucht...) wieder vom Boot schaffen (beim Einstieg war das
Gepaeck gottseidank schon reingetragen worden ;) ). Hauptsaechlich haben wir uns auf der Bruecke aufgehalten, uns ausfuehrlich alles erklaeren lassen und den Capitain mit Musik genervt. Aber alle sind verdammt freundlich. Sogar durch den Maschinenraum durften wir marschieren. Die Kabinen waren mit Sicherheit besser belueftet, als die 400$ teureren ohne Fenster. Es war mit Sicherheit eine gute Idee, die Seekrankheitspillen zu schlucken – um uns rum hat eine Menge Leute gewuergt und spaeter beim Essen war endlich mal so richtig Platz. Kurz vorm spektakulaeren, angeblich besten Bingo Patagoniens, haben wir Thomas und Ines aus Leipzig kennengelernt, die hier mit dem Rad unterwegs sind. Der Abend wurde lang, die Nacht kurz und das Aufstehen und Von-Bord-Gehen eher muehsam. In Puerto Natales haben wir uns sofort ziemlich wohl gefuehlt. Der Ort lebt zwar fast ausschliesslich vom Tourismus (Durchgangsverkehr zum Torres del Paine), aber man merkt das nicht wirklich. Es ist eine angenehme Mischung aus Fremden und Einwohnern. Irgendwie ist hier ein besonderes Licht. Selbst verrostete Autos und Blechhuetten haben Charme. Wir finden eine nette familiaere Unterkunft und brauchen erstmal einen Tag zum Ausruhen. Dann beschliessen wir noch einen Tag zu warten, damit die Navimag-Invasion im Park verschwunden ist, bevor wir uns aufmachen, die Torres del Paine zu erkunden. Wir leihen uns ein Zelt und Kochkram, kaufen allerlei transportable und zugleich nahrhafte Futteralien und packen unsere Taschen um. Die Idee, mit einem grossen und
einem kleinen Rucksack loszuziehen, stellt sich spaeter als nicht so empfehlenswert heraus... Wir werden zwar 7Uhr abgeholt, aber bis alle eingesammelt und ueber die Schotterpiste im Park gelandet sind (wir fahren bis zum anderen Ende des Parks) ist der halbe Tag schon um. Die erste Etappe von 5 1/2h ist zum Einstieg noch angenehm flach (zum Glueck, denn das Gepaeck ist noch verdammt schwer!). Die Landschaft ist sehr eindrucksvoll. Feuerbuesche, vertrocknete Baumskulpturen, spitze massive Berge, Schnee, dazwischen Wiese und Steppe, Felsen, Voegel,... und Seen in einem tuerkis, dass immerwieder ueberwaeltigt und fuer jeden Regenguss entschaedigt. Jawohl, die Koenigin der Winde lebt in Patagonien (wir hatten davon gelesen) und sie hat uns gleich gebuehrend empfangen. Wir erreichen erschoepft den ersten Zeltplatz und wachen am naechsten Tag nicht vor 8Uhr auf. Unsrere naechste Etappe geht zum Gletscher "Grey" - eiegentlich auch "nur" 5h weg. Die Koenigin der Winde scheint uns davon abhalten zu wollen - aber wir schaffen es, erreichen das leuchtende Blau und kaempfen uns auch die letzte Stunde auf den Berg hoch. Am naechsten Tag geht der
gleiche Weg zurueck und diesmal viel schneller, denn der Wind pustet uns foermlich den Berg hinauf. Am alten Platz vorbei laufen wir insgesamt 8h zum "Campamento Italiano". So richtige Wandersleute sind wir wohl nicht, denn wir wachen wieder nicht vor 9uhr auf... .
Ausserdem beschliessen wir uns die Kraefte fuer das Highlight, die Torres, aufzuheben und sparen das “Valle Francès” aus. Aus dem allseits bekannten “W” (so sieht die Route auf der Karte aus) machen wir halt ein “Y”. Von wegen Kraefte sparen…unsere naechste Wanderung beginnt 12.30Uhr und unser Zelt bauen wir dann im Dunkeln gegen 22.30Uhr auf(der Tag dauert hier von 5.30h – 22.00h). Dafuer baden wir unsere Fuesse im eiskalten See, begegnen voellig fertigen Wanderern aus der Gegenrichtung (wir habens wohl leichter), laufen zur besten “Birdwatcherzeit” (Bany braucht zwei h laenger, wenn er seiner neuen Berufung nachgeht… ;) ) und muessen bei Ankunft am angestrebten Ziel wegen Ueberfuellung weiter laufen. Ha, waer doch gelacht, wenn wir das nicht auch noch schaffen. Ausgeruestet mit einer Packung Wein (zu Torres-Hostel-Preisen) erklimmen wir den halben Weg zur Torres-Basis und haben die Stirnlampen nicht umsonst mitgeschleppt. Mit Vorsuppe und Rotwein nimmt der Tag ein genussvolles Ende. Jetzt ist es nur noch 1h bis ganz oben und gegen Mittag sind wir dann auch endlich startklar, das erste Mal ohne Gepaeck (!!!). Mit Gepaeck waer das auch nicht gegangen, eine Kletterpartie schlechthin. Dann steht man auf einmal davor. Die Tuerme, das tuerkise Wasser, Wind … So richtig erfasst man
die Groesse gar nicht (besonders nicht auf unsern kleinen Photos), aber es ist gewaltig. Der Abstieg fing als Aufstieg an, nimmt aber in aller Ruhe ein glueckliches Ende und wir erreichen den Ausgang erschoepft, aber gluecklich. Jetzt noch Guanacos photographiert – einen Kondor hatten wir auch schon!
Nach einer grossen Portion Waesche waschen und ausruhen beenden wir unseren letzten Abend in Pto. Natales mit einem Besuch bei “Don Chicho”. Hier gibts Grillfleisch (Parillada – Lamm, Huhn, Chorizzo…) bis man platzt , dazu eine grosse Menge Hauswein und einige lustige Auftritte von Don Chicho selbst. Am moisten beeindruckt er uns mit “seiner” Erfindung, einem Wurfspiel, wo ein Ring am Seil einen Haken treffen muss, damit man eine Flasche Wein spendiert bekommt. Oder auch verliert…und dann trinken muss. Die Nacht mit Thomas und Ines wird lang und dann heist es am naechsten Morgen Abschied nehmen, auf nach Punta Arenas. Dort kommen wir Mittags an, warden mit Namensschild schon abgeholt und herumgefahren, besichtigen den riesigen Friedhof voller Mausoleen, schlafen voll Luxus mit Privatbad und Glotze und buchen den Bus nach Feuerland/ Ushuaia. 13h Busfahrt ueber Schotterpiste bei 50 km/h. An der chilenischen Grenze gibt es den Ausreisestempel, an der argentinischen den Einreisestempel und dann laeuft der Drogenhund ueber die Rucksaecke und wer muss alles auspacken? Bany…jetzt wissen alle, was wir so mitschleppen. o, und ab jetzt sind wir also in Argentinien, dem Land der Mate (nenne ich zuerst fuer die Vegetarier) und der Steaks (dick, saftig und vor allem billig-2 $/kg). Wir sind in Ushuaia, was gerne “fin del mundo” (Ende der Welt) genannt wird und ab demnaext koennt Ihr im Argentinien-Teil weitere Lach- und Sachgeschichten lesen.
Muchos saludos vom Schmuggler und seiner Helferin
© www.bus-travel-diaries.de
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